Beitrag: Zwischen Hitzeschutz, Namensstreit und Sozialpolitik
BOCHUM-Schriftzug vor dem Rathaus

(c) Sebastian Sendlak

Die bevorstehende Ratssitzung im RuhrCongress sowie die Sommerpausen-Termine werfen ihre Schatten voraus: Im Fokus stehen der Klimawandel an Schulen, eine Debatte um den Geologischen Garten und eine sozialpolitische Sommertour.

Kurz vor der offiziellen Sommerpause der Kommunalpolitik herrscht in Bochum reges Treiben. Die Fraktionen nutzen die verbleibenden Tage bis zur anstehenden Ratssitzung, um zukunftsweisende Weichen zu stellen. Während sich im Rathaus ein interfraktioneller Verbund für einen verbesserten Hitzeschutz an Kitas und Schulen starkmacht, ist um die Benennung einer bekannten Bochumer Grünfläche ein handfester kultur- und wissenschaftspolitischer Streit entbrannt. Parallel dazu kündigt die christlich-demokratische Arbeitnehmerschaft eine hochkarätig besetzte Sommertour an, die soziale Brennpunkte und medizinische Einrichtungen in der Stadt beleuchten soll.

Antrag zur Ratssitzung: Hitzeschutz für Schulhöfe und Kitas im Fokus

Die stetig steigenden Temperaturen und länger werdenden Sommer der vergangenen Jahre rufen nun die Bochumer Opposition auf den Plan. Die CDU-Ratsfraktion hat gemeinsam mit den Fraktionen FDP-UWG: WAT und UWG: Freie Bürger – BSW einen umfassenden Antrag für die kommende Ratssitzung am Donnerstag, 16. Juli 2026, um 14 Uhr im RuhrCongress eingereicht. Ziel der Initiative ist es, den Hitzeschutz auf den Schulhöfen von Einrichtungen des Offenen Ganztags (OGS) sowie auf den Außenspielflächen städtischer Kindertagesstätten drastisch zu verbessern. Ein bloßes Vertrauen auf kurzfristige Maßnahmen wie „hitzefrei“ sei angesichts des Klimawandels keine dauerhafte Lösung.

„Gerade Kinder sind bei so großer Hitze wie in den vergangenen Wochen besonders empfindlich. Wir sollten in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause die Weichen stellen, um im nächsten Sommer gewappnet zu sein“, mahnt der jugendpolitische Sprecher der CDU, Christian Haardt.

Der schulpolitische Sprecher Dr. Sascha Dewender betont zudem den inklusiven Charakter der Aufgabe: Da manche Kinder extrem sonnenempfindlich seien, müssten Sonnensegel, zusätzliche Verschattungen und gezielte Baumpflanzungen dafür sorgen, dass weiterhin alle Kinder gemeinsam draußen spielen können. Um die Finanzierung zu sichern, fordert der Antrag die Stadtverwaltung auf, mögliche Förderprogramme der Europäischen Union, des Bundes und des Landes zu prüfen. Für die Innenräume von Schulen und Kitas bereitet die CDU zudem eine umfangreiche Anfrage vor, um eine Bestandsaufnahme über bestehende Lüftungskonzepte, Verglasungen und flexible Unterrichtszeiten zu erwirken.

Geologischer Garten: STADTGESTALTER/Volt fordern Wissenschaftlerin statt SPD-Politiker

Ein konkurrierender Namensvorschlag sorgt im Vorfeld der Ratssitzung für Diskussionsstoff. Eigentlich soll der Rat am 16. Juli beschließen, die Bezeichnung des Geologischen Gartens an der Querenburger Straße um den Namen des ehemaligen Bochumer SPD-Abgeordneten Karl Liedtke zu erweitern. Die Ratsgruppe STADTGESTALTER/Volt stellt sich nun jedoch quer und bringt mit Dr. Eva Paproth eine international renommierte Wissenschaftlerin als Namenszusatz ins Spiel. Die Sprecherinnen Stefanie Beckmann und Nadja Zein-Draeger argumentieren, dass eine solche Einrichtung nach einer Person aus der Geologie, mit lokalem Bezug und bevorzugt nach einer bedeutenden Frau benannt werden sollte – Kriterien, die auf den ehemaligen Volksschullehrer Liedtke nicht zutreffen.

Die 1928 geborene Dr. Eva Paproth forschte intensiv zum Ruhr-Karbon sowie zu den geologischen „Bochumer Schichten“, die im Geologischen Garten offen freigelegt sind. Zudem war sie bis zu ihrer Pensionierung 1990 beim Geologischen Landesamt NRW tätig, welches den Garten bis heute betreut, und war in den 1970er-Jahren maßgeblich daran beteiligt, den Garten 1974 als Naturdenkmal unter Schutz zu stellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute sie zudem wichtige internationale Brücken zu bergbaulichen Instituten. STADTGESTALTER/Volt verweisen auf den Beschluss der Stadt, das bestehende männliche Übergewicht bei Benennungen abzubauen: Paproths Lebenswerk als Geologiedirektorin könne jungen Frauen als Vorbild in den Naturwissenschaften dienen. Für Karl Liedtke schlägt die Ratsgruppe stattdessen die Benennung des geplanten elften Gymnasiums vor.

CDA-Sommertour: Sozialer Fokus mit Landes- und Bundespolitikern

Auch außerhalb des Rathauses formiert sich das politische Sommerprogramm. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) Bochum hat ihre diesjährige Sommertour angekündigt, die im Rahmen der landesweiten CDA-Initiative stattfindet. Im Mittelpunkt stehen der direkte Austausch mit Beschäftigten und Ehrenamtlichen aus den Sektoren Gesundheit, Inklusion und Soziales, um die Herausforderungen vor Ort direkt in politische Entscheidungen auf Landes- und Bundesebene einfließen zu lassen.

Der Tourplan im Überblick:

  • 22. Juli 2026 – Gesundheit: Den Auftakt bildet ein Besuch des Katholischen Klinikums Bochum. Begleitet wird die CDA dabei vom Bundesvorsitzenden und CDU-Europaabgeordneten Dennis Radtke sowie der Bochumer CDU-Bundestagsabgeordneten Tijen Ataoğlu, um über die aktuellen Reformen im Gesundheitswesen zu debattieren.

  • 27. Juli 2026 – Inklusion: Gemeinsam mit der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung und Patienten, Claudia Middendorf, stehen Termine an der Ruhr-Universität Bochum sowie beim VfB Langendreerholz an, bei denen Teilhabe und gesellschaftliches Engagement im Fokus stehen.

  • 18. August 2026 – Soziale Teilhabe: Zum Abschluss reist der NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann, nach Bochum. Auf dem Programm stehen sensible Gespräche bei der Bahnhofsmission sowie im Barbarahaus der Caritas Ruhr-Mitte, um Lösungsansätze gegen Wohnungslosigkeit und für Menschen in schwierigen Lebenslagen zu erörtern.

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