Beitrag: Stadtdirektor Sebastian Kopietz verlässt Bochum in Richtung Köln
Sebastian Kopietz

(c) Sebastian Sendlak

Paukenschlag im Bochumer Rathaus: Stadtdirektor Sebastian Kopietz verlässt die Stadtverwaltung und wechselt als stellvertretender Hauptgeschäftsführer zum Deutschen Städtetag.

Das personelle Karussell in der Bochumer Kommunalpolitik dreht sich unmittelbar vor der Sommerpause rasant. Was als Gerücht begann, ist nun Gewissheit: Der langjährige Stadtdirektor Sebastian Kopietz (SPD) wird die Ruhrgebietsstadt verlassen. Den Juristen zieht es nach Köln, allerdings nicht in die dortige Stadtverwaltung, sondern zum Deutschen Städtetag. Der einflussreiche Spitzenverband gilt als die „Stimme der Städte“ und vertritt die Interessen von zahlreichen kreisfreien und kreisangehörigen Kommunen gegenüber der Bundespolitik und der Europäischen Union. Kopietz wurde vom Hauptausschuss des Verbandes einstimmig in eine neue Spitzenposition gewählt, was im Bochumer Rathaus eine personelle Großbaustelle hinterlässt.

Unterhalb der politischen Leitungsebene des Deutschen Städtetages, die sich aus verschiedenen Oberbürgermeistern zusammensetzt, ist die Arbeit in Dezernate unterteilt. Der Hauptausschuss wählte Kopietz am 24. Juni 2026 einstimmig zum neuen Dezernenten für Klima, Umwelt, Wirtschaft sowie Brand- und Katastrophenschutz. Zeitgleich übernimmt er die wichtige Rolle des stellvertretenden Hauptgeschäftsführers des Verbandes. Für politische Beobachter kommt dieser Karriereschritt nicht gänzlich überraschend. Da eine spätere Kandidatur für die Nachfolge von Oberbürgermeister Thomas Eiskirch im Raum stand, sich diese Option jedoch zerschlug, gilt der Wechsel auf die Bundesebene als absolut nachvollziehbarer Schritt.

„Ich bin nun 25 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv. Es ist jetzt an der Zeit, mal etwas anderes zu machen. Das hier ist wirklich etwas, wo ich mich sehr gerne einbringen möchte“, betont Sebastian Kopietz im persönlichen Gespräch bezüglich seiner Beweggründe.

Vom umstrittenen Dezernenten zur unangefochtenen Stütze des Rates

Der Start von Sebastian Kopietz in Bochum im Jahr 2016 war noch von heftigen politischen Turbulenzen geprägt. Auf Vorschlag der damaligen rot-grünen Koalition für das Ressort Personal, Recht und Ordnung nominiert, formierte sich in der Opposition ein breiter, teils heftig kritisierter Änderungsantrag von CDU, FDP und AfD. Kopietz setzte sich bei der Wahl durch. Im Jahr 2018 folgte die Wahl zum Stadtdirektor und damit zum allgemeinen Vertreter des Oberbürgermeisters in der Verwaltung. Wie stark sein Rückhalt über die Jahre wuchs, bewies seine Wiederwahl als Beigeordneter im Jahr 2023: Diese erfolgte ohne Gegenstimmen im Rat der Stadt.

In seiner Bochumer Amtszeit erwarb sich der Sozialdemokrat vor allem den Ruf eines verlässlichen Krisenmanagers. Während der Corona-Pandemie koordinierte sein Dezernat die kurzfristige Umsetzung von Landesvorgaben, und auch die multiplen Herausforderungen infolge des Ukraine-Krieges fielen in seinen Zuständigkeitsbereich. Zudem trieb er die Digitalisierung maßgeblich voran. Unter seiner Federführung machte Bochum im bundesweiten „Smart City“-Vergleich enorme Sprünge und führte unter anderem eine runderneuerte Mängelmelder-App ein. Auch bei den lokalen Vereinen hinterlässt er eine Lücke: Die Bochumer Maiabendgesellschaft lobte ihn als engagierten Partner, der dem Ehrenamt das Leben bei schwierigen Sicherheitskonzepten stets erleichtert habe.

Nachfolge ungeklärt: Bochumer Politik sucht rasche Lösung

Der plötzliche Abgang wirft im Rathaus drängende Fragen über die zukünftige Struktur des Verwaltungsvorstands auf. Aus involvierten Kreisen war zu hören, dass Teile der Bochumer Politik bereits vorab über den Schritt informiert waren. Die vakante Stelle der Dezernentin oder des Dezernenten soll nun schnellstmöglich ausgeschrieben werden. Wer Kopietz jedoch als Stadtdirektor nachfolgen wird oder ob es zu einem neuen Zuschnitt der Dezernate kommt, steht derzeit noch völlig in den Sternen.

Auf Social Media teilen