Beitrag: Ein grünes Klassenzimmer im Stadtgarten Wattenscheid
In Wattenscheider Stadtgarten ist der Tiny Forest eröffnet worden.

Foto: Sebastian Sendlak

Der südliche Stadtgarten in Wattenscheid ist offiziell eröffnet. Dort bringt ein innovatives Naturprojekt den Unterricht direkt vor die Haustüren der Schulen.

Mit der offiziellen Eröffnung der neu gestalteten, südlichen Stadtgartenfläche erhält Wattenscheid ab sofort einen ganz besonderen grünen Begegnungs- und Lernort. Im Mittelpunkt des rund 10.000 Quadratmeter großen, ehemals fast vollständig versiegelten Areals steht der im März frisch gepflanzte Tiny Forest. Zusammen mit engagierten Schülerinnen und Schülern sowie lokalen Partnern gab Bezirksbürgermeister Holger Dünnebacke die Fläche frei. Wo vor wenigen Monaten noch heftiger Regen die Pflanzaktion begleitete, glänzt der Bereich nun mit fertiggestellten Wegen, neuen Sitzgelegenheiten und einer angrenzenden Streuobstwiese. Das rund 1,2 Millionen Euro teure Projekt soll dauerhaft als naturnaher Erholungsraum und ökologisches Vorzeigeprojekt im Ruhrgebiet dienen.

Nachhaltige Renaturierung und Eröffnung im Stadtgarten Wattenscheid

Beim offiziellen Eröffnungsakt stand neben dem traditionellen Durchschneiden des Bandes vor allem das gemeinsame, proaktive Anpacken im Vordergrund. Die anwesenden Kinder und Jugendlichen übernahmen direkt die ersten wichtigen Pflegearbeiten wie das Zupfen von Unkraut und das Verteilen von frischem Mulch. Auch das Thema Bodenforschung kam nicht zu kurz, da Vertreter der Hochschule Bochum eine praktische Pyrolyse zur Herstellung von fruchtbarer Pflanzenkohle demonstrierten. Bezirksbürgermeister Holger Dünnebacke erklärte, wie wichtig die kontinuierliche Unterstützung aus der Nachbarschaft für den langfristigen Erfolg des Miniwaldes ist.

Die rund 5.000 gepflanzten Setzlinge im Tiny Forest und die 20 zusätzlichen Obstbäume auf der Wiese bieten künftig eine Kulisse für lebendige Umweltbildung. Für die umliegenden Schulen ist das Areal in wenigen Minuten fußläufig erreichbar, was den praktischen Bezug zum Unterricht enorm erleichtert. Die Jugendlichen können die komplexen ökologischen Zusammenhänge so direkt in der Realität erforschen, statt sie nur aus Lehrbüchern zu lernen. Das Konzept kommt bei den Beteiligten hervorragend an und zeigt, wie moderne Stadtplanung und biologische Vielfalt im urbanen Raum Hand in Hand gehen können.

Tiny Forest Bochum als neuer Lernort für Schulen und Kitas

Besonders für die naturwissenschaftlichen Fächer des nahegelegenen Märkischen Gymnasiums Wattenscheid bietet der Miniwald einen unschätzbaren Wert im Schulalltag. Lehrer Dominik Blöming sieht enorme Potenziale für die Verknüpfung von Theorie und Praxis über alle Jahrgangsstufen hinweg. „Es lässt sich in den Unterricht einmal von der 5. bis zur 13. Klasse integrieren.“ Ökologische Verflechtungen, der Schutz des Ökosystems Wald und die Umgestaltung urbaner Freiflächen lassen sich hier ideal im Rahmen von Doppelstunden analysieren.

Auch in der Oberstufe wurde das ambitionierte Wattenscheider Renaturierungsprojekt bereits im Vorfeld der Eröffnung intensiv im Unterricht diskutiert. Anna Berger, Lehrerin am Märkischen Gymnasium, führte mit ihren Schülern eine strukturierte Debatte über den ökologischen Nutzen des Projekts durch. „Als Beispiel: Ich habe gerade einen Oberstufenkurs dafür.“ Die Jugendlichen wogen im Vorfeld Pro- und Kontra-Argumente ab, um den Tiny Forest als wirksame Maßnahme gegen die fortschreitende Erderwärmung zu bewerten. Das Ergebnis der anschließenden, persönlichen Meinungsabfrage unter den Schülerinnen und Schülern fiel am Ende der Unterrichtssequenz unterschiedlich aus. „Als sie ihre persönliche Meinung geäußert haben, haben 90 % des Kurses gesagt: Ja, das ist eine geeignete Renaturierungsmaßnahme“, so Berger.

Dadurch, dass auch ein Lehrpfad gemeinsam mit der Hochschule entstehen soll, ermöglicht der Tiny Forest am Rande des Stadtgartens praxisnahen Unterricht außerhalb des Klassenraumes.

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