Beitrag: Herbstbelebung am Arbeitsmarkt bleibt aus
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Agentur für Arbeit

Trotz eines leichten statistischen Rückgangs der Arbeitslosigkeit auf 19.098 Personen und einer Quote von 9,5 Prozent verzeichnet die Agentur für Arbeit Bochum keine echte konjunkturelle Trendwende. Zurückhaltende Investitionen, sinkende Stellenmeldungen sowie eine Zunahme von Kurzarbeit und Insolvenzen prägen das Bild zum Quartalsbeginn.

Die für den Herbst typische spürbare Belebung des Arbeitsmarktes ist in Bochum im Oktober 2026 ausgeblieben. Zwar sank die Gesamtzahl der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum September um 312 Personen (minus 1,6 Prozent) auf 19.098, die Quote ging minimal um 0,1 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent zurück. Doch der scheinbare Rückgang beruht nicht auf einer nachhaltigen wirtschaftlichen Dynamik: Ursächlich sind vor allem der Start zahlreicher arbeitsmarktpolitischer Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie Nachwirkungen des Ausbildungs- und Schuljahresbeginns.

Gleichzeitig stieg die Zahl der Menschen, die ihren Arbeitsplatz im Oktober verloren haben, während weniger Personen eine neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen konnten. Im Vergleich zum Vorjahresmonat (Oktober 2025: 9,0 Prozent) liegt die Arbeitslosigkeit spürbar höher: 1.064 Menschen mehr sind derzeit ohne Beschäftigung (plus 5,9 Prozent).

Eingetrübte Konjunktur und steigende Kurzarbeit

„Der Bochumer Arbeitsmarkt entwickelt sich im Oktober anders, als wir es zu dieser Jahreszeit erwartet hätten. Die erhoffte Herbstbelebung bleibt aus“, konstatiert Christopher Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bochum. Unternehmen und private Haushalte hielten sich bei Ausgaben und Investitionen spürbar zurück. „Entscheidungen werden hinterfragt, verschoben oder ganz auf Eis gelegt. Diese Zurückhaltung hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Ein Ende der wirtschaftlichen Schwächephase ist derzeit nicht erkennbar.“

Neben der allgemeinen Verunsicherung registriert die Agentur für Arbeit ein erhöhtes Anfrageaufkommen zu Kurzarbeit und eine wachsende Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Meier mahnt jedoch vor Resignation: „Auf jede Talfahrt folgt auch wieder ein Aufschwung. Entscheidend ist, dass wir die Zeit nutzen, um uns gut darauf vorzubereiten. Beschäftigte müssen ihre Kompetenzen weiterentwickeln, Unternehmen in ihre Zukunftsfähigkeit investieren.“

Rückläufige Stellenmeldungen, verhaltener Bestand

Die verhaltene Einstellungsbereitschaft der Betriebe spiegelt sich im Zugang neuer Vakanzen wider:

  • Neuzugänge: Im Oktober meldeten die Unternehmen dem Arbeitgeber-Service 507 neue Stellen – 107 weniger als im Vormonat (plus 5 im Vergleich zum Vorjahr).

  • Gesamtbestand: Der Gesamtbestand an gemeldeten offenen Arbeitsplätzen stieg leicht um 5 auf 2.806 Positionen, liegt damit aber um 253 Stellen unter dem Niveau des Vorjahresmonats.

  • Unterbeschäftigung: Die Unterbeschäftigung – inklusive Personen in Fördermaßnahmen und Sonderstatus – umfasste 23.042 Personen (minus 74 zum Vormonat, jedoch plus 610 zum Vorjahr).

Entwicklung nach Rechtskreisen und Zielgruppen

Die Belastung verteilt sich differenziert auf die Rechtskreise:

  • Arbeitslosenversicherung (SGB III): Im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit stieg die Zahl der Erwerbslosen gegen den Trend um 69 Personen (plus 1,3 Prozent) auf 5.546. Gegenüber Oktober 2025 bedeutet dies einen kräftigen Zuwachs um 557 Personen oder 11,2 Prozent.

  • Grundsicherung (SGB II): Das Jobcenter verzeichnete 13.552 Arbeitslose – 381 Personen weniger als im September (minus 2,7 Prozent), aber 507 Personen mehr als im Vorjahr (plus 3,9 Prozent). Damit werden 71,0 Prozent aller Bochumer Arbeitslosen durch die Grundsicherung betreut.

  • Jugendliche (unter 25 Jahre): Die Jugendarbeitslosigkeit ging saisonüblich um 90 Personen (minus 6,0 Prozent) auf 1.405 zurück (8 Personen weniger als im Vorjahr).

  • Ältere (über 50 Jahre): 6.575 ältere Personen waren arbeitslos gemeldet (minus 101 zum Vormonat, plus 261 zum Vorjahr).

  • Langzeitarbeitslose: 7.651 Menschen sind länger als ein Jahr ohne feste Beschäftigung (minus 82 zum Vormonat, plus 327 zum Vorjahr). 91,8 Prozent (7.024 Personen) von ihnen erhalten Leistungen der Grundsicherung.

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