
Treffen des Bündnisses „Leben und Arbeiten in Bochum“ am 16.10.2026.
(c) Lutz Leitmann / Stadt Bochum
Trotz akuten Fachkräftemangels ist in Bochum mehr als ein Viertel der Arbeitslosen über 55 Jahre alt. Das „Bündnis Leben und Arbeiten in Bochum“ setzt auf Workshops gegen Altersdiskriminierung und verbindet Generationen mit neuen Initiativen wie „Pommes & Perspektive“.
Während der demografische Wandel die Wirtschaft zunehmend unter Druck setzt und in Bochum laut Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit in den kommenden zehn Jahren rund 30.000 Erwerbstätige in den Ruhestand wechseln, bleiben viele erfahrene Fachkräfte ungenutzt. Mehr als ein Viertel der Arbeitslosen in der Ruhrgebietsmetropole gehört der Altersgruppe ab 55 Jahren an. Dieses Missverhältnis stand im Mittelpunkt der zweiten Sitzung des „Bündnisses Leben und Arbeiten in Bochum“.
Sensibilisierung gegen unbewusste Vorurteile in Personalabteilungen
Altersdiskriminierung ist nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein weit verbreitetes Phänomen, das jede zweite Person bereits erlebt hat – besonders gravierend wirkt es sich im Erwerbsleben aus. Häufig werden Beschäftigte ab Mitte 40 bei Beförderungen übergangen, von Fortbildungen ausgeschlossen oder bei Personalauswahlverfahren frühzeitig aussortiert.
Oberbürgermeister Jörg Lukat warnt davor, wertvolles Know-how zu verschenken: Wer Fachkräfte suche, dürfe nicht sofort auf das Geburtsdatum blicken. Um diesem Trend entgegenzuwirken, plant die städtische Stabsstelle Leben im Alter bis Juni 2027 zwei Workshops für Personalverantwortliche und Beschäftigte. Diese sollen unbewusste Vorurteile aufdecken und konkrete Lösungsansätze in den Bereichen Mentoring, flexible Arbeitszeitmodelle und Weiterbildung aufzeigen. Georg Sondermann, Geschäftsführer des Jobcenters Bochum, betont das immense Potenzial hochmotivierter Arbeitssuchender über 50, das dem Markt derzeit verloren gehe.
Nachwuchsförderung: Speed-Dating an der Pommesbude und „Move2Beruf“
Neben den älteren Fachkräften stand auch der Einstieg junger Menschen in das Berufsleben auf der Agenda. Um Ausbildungsbetriebe und Jugendliche ohne formale Hürden zusammenzubringen, starten die Jugendberufsagenturen Bochum und Herne das Format „Pommes & Perspektive“. Dabei treffen Ausbildungssuchende Vertreter von Unternehmen zum unkomplizierten Speed-Dating in einer Pommesbude. Der erste Bochumer Termin findet am Mittwoch, 11. November 2026, statt; drei weitere Folgetermine sind geplant. Laut Christopher Meier, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Bochum, gelte es, jungen Menschen fernab starrer Lebenslauf-Prüfungen eine Bühne zu geben.
Ergänzend stellte die IHK Mittleres Ruhrgebiet den Aktionstag „Move2Beruf“ vor, bei dem Schulklassen am 17. Februar 2027 direkt in Betrieben berufliche Einblicke sammeln. Weiterhin informierte die Verwaltung über die Kommunale Arbeitsmarktstrategie und die Arbeit des Welcome Office Bochum für internationale Zuzügler. Das im Juni 2024 gegründete Bündnis vereint zwölf Partner aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Wohlfahrt, um den Standort zukunftsfähig aufzustellen.
