Beitrag: Grüne Wende in Europas Städten
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Ruhr Universität Bochum

Studie der Ruhr-Universität Bochum belegt hohen Stellenwert von Biodiversität

Für 85 Prozent der europäischen Stadtverwaltungen ist die Förderung der Artenvielfalt ein zentraler Antrieb bei der Grünflächengestaltung. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der RUB hat erstmals 574 Kommunen in 18 Ländern untersucht.

Parks, Blühwiesen und städtische Wälder entwickeln sich zunehmend zu entscheidenden Refugien gegen das weltweite Artensterben. Eine groß angelegte europäische Untersuchung unter Beteiligung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der Universität Ghent liefert nun erstmals belastbare Daten darüber, wie intensiv Kommunen ökologische Kriterien in ihrer Grünflächenplanung verankern. Die Ergebnisse der Befragung von Fachbehörden aus 574 Kommunen in 18 europäischen Staaten wurden im Fachmagazin „Nature Cities“ veröffentlicht.

Kommunale Verwaltungen als Schlüsselfiguren im Artenschutz

Während die weltweite Verstädterung durch Lebensraumverlust und Zersplitterung zu den Haupttreibern des Biodiversitätsverlusts gehört, besitzen urbane Grünstrukturen ein enormes ökologisches Ausgleichspotenzial. Nach Angaben der Erstautorin Ellen De Vrieze von der Universität Ghent machen Grünflächen durchschnittlich 40 Prozent der Landbedeckung europäischer Hauptstädte aus. Durch Initiativen wie den Europäischen Green Deal und die EU-Wiederherstellungsverordnung geraten die Städte stärker in die Pflicht. Dennoch fehlten bislang verlässliche wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie Kommunen über unterschiedliche Klimazonen und Landesgrenzen hinweg im Alltag agieren.

Die Auswertung des standardisierten Fragebogens zeichnet ein ermutigendes Bild des kommunalen Engagements:

  • 85 Prozent der befragten Kommunen bezeichnen die biologische Vielfalt als zentrale Triebfeder für die Planung und Pflege ihrer Freiflächen.

  • 82 Prozent setzen auf gezielte Schulungen des eigenen Personals in den Grünflächenämtern und Betriebshöfen.

  • 75 Prozent ergreifen aktive Bildungs- und Vermittlungsmaßnahmen, um das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger für naturnähere, wildere Flächen zu fördern.

  • 19 Prozent der Verwaltungen gaben an, dass sich der ökologische Gesamtzustand ihrer Grünzüge im vorangegangenen Jahr verschlechtert habe.

  • Geografische Trends: Kommunen in Ländern mit einem höheren Lebensqualitätsindex messen dem Artenschutz tendenziell eine noch höhere Priorität bei.

Akzeptanz durch Beteiligung: Abschied vom sterilen Rasen

Für Prof. Dr. Valentin Klaus, Inhaber der Professur für Stadtökologie und Biodiversität an der Ruhr-Universität Bochum, markieren die Zahlen einen Meilenstein. Zum ersten Mal ließen sich damit systematische Fortschritte bei der Förderung der Artenvielfalt im kommunalen Raum belegen. Der Schlüssel für dauerhaften Erfolg liege jedoch in der Einbindung der Stadtbevölkerung, da artenreiche Wiesen und Unterholz optisch von traditionellen englischen Zierrasen abweichen und mitunter auf Vorbehalte stoßen.

Eine knappe Mehrheit der Kommunen bezieht die Einwohnerschaft bereits direkt in die Grünflächenplanung ein. Laut Klaus stärkt diese Form der Partizipation nicht nur die gesellschaftliche Akzeptanz für wildere Vegetationsformen, sondern liefert auch die Basis für zivilgesellschaftliche Bottom-up-Initiativen. Die Forschenden werten diesen Kurswechsel als Anzeichen für einen grundlegenden Wertewandel in den Verwaltungen, der das Zusammenleben von Mensch und Natur im urbanen Raum zukunftsfähig machen kann.

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