Beitrag: Die BOGESTRA-Bilanz 2025 in der Analyse
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(c) Sebastian Sendlak

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (BOGESTRA) schließt das Geschäftsjahr 2025 mit einer Punktlandung ab: Trotz anhaltend schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und hoher Betriebsaufwände konnte der mit den Eigentümerstädten vereinbarte Finanzrahmen exakt eingehalten werden. Gleichzeitig stellt das Unternehmen mit der schrittweisen Umstellung auf Elektrobusse und Großprojekten in der Schieneninfrastruktur die Weichen für die Zukunft.

Mit etwas mehr als 120 Millionen Fahrgästen verzeichnete die BOGESTRA im Jahr 2025 ein solides Ergebnis und ein Plus von rund 150.000 Passagieren gegenüber dem Vorjahr (berechnet nach der neuen VRR-Methodik). Treiber dieser Entwicklung bleibt das weiterhin hochfrequentierte DeutschlandTicket, mit dem rund 90 Prozent der Kundinnen und Kunden im Netz unterwegs sind. Im Gelegenheitsverkehr gewinnt der Nahverkehrstarif „eezy.nrw“ spürbar an Bedeutung. Zudem steht das flächendeckende Angebot des digitalen, bargeldlosen Zahlungsverkehrs in allen Fahrzeugen kurz vor dem Abschluss.

Einhaltung des Budgets durch konsequentes Kostenmanagement

Das operative Jahresergebnis schließt mit einem Defizit von 94,5 Millionen Euro ab, womit der von den Städten Bochum (Anteil ca. 69 Mio. Euro) und Gelsenkirchen gesetzte Verlustdeckel punktgenau erreicht wurde. Dass dieser Korridor gehalten werden konnte, ist das Resultat strikter Konsolidierungsmaßnahmen.

Im Zuge der Neuausrichtung der Standortstruktur und zur Vorbereitung auf den künftigen E-Bus-Betrieb wurde der veraltete Busstandort Witten aufgegeben. Die Fahrleistungen wurden teilweise an Qualitätsdienstleister vergeben, ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kam – das betroffene Personal wechselte an andere Betriebshöfe des Unternehmens. Das Gesamtangebot blieb mit 27,28 Millionen gefahrenen Kilometern nahezu vollständig auf Vorjahresniveau erhalten.

Wie Investitionen im ÖPNV wirklich funktionieren

Vereinzelt geäußerte Vorwürfe, geplante Investitionen seien nicht rechtzeitig umgesetzt worden, greifen bei genauer Betrachtung der rechtlichen und betrieblichen Vorgaben zu kurz. Die zeitliche Abwicklung von Großprojekten im öffentlichen Sektor unterliegt strengen Mechanismen, die der Gesetzgeber zwingend vorschreibt:

  • Das Koppelungsverbot bei Fördergeldern: Kommunale Verkehrsunternehmen bezahlen Großprojekte wie den Bau von Stellwerken, Ladeinfrastrukturen oder Barrierefreiheitsmaßnahmen nicht allein aus laufenden Einnahmen. Sie greifen auf Förderprogramme von Land und Bund zurück. Das Gesetz schreibt vor, dass Vorhaben erst nach rechtskräftiger Erteilung des Förderbescheids ausgeschrieben oder beauftragt werden dürfen (Verbot des vorzeitigen Maßnahmebeginns). Da Förderanträge jedoch vorab in Wirtschaftsplänen abgebildet sein müssen, entstehen bei bürokratischen Verzögerungen auf der Bewilligungsseite zwangsläufig zeitliche Verschiebungen zwischen Planung und realem Geldfluss.

  • Beschaffungs- und Auslieferungszyklen bei E-Bussen: Die Transformation der Busflotte erfolgt in gebündelten Schüben. E-Busse werden nach komplexen EU-Ausschreibungen mit bis zu zwei Jahren Vorlauf geordert. So wurden die Anfang 2027 erwarteten 10 neuen Elektrobusse bereits im Jahr 2025 fest bestellt. Die Investitionen fließen bilanzwirksam exakt dann, wenn die Fahrzeuge nach der Fertigstellung ausgeliefert und zugelassen werden.

  • Ersatzteilbeschaffung bei Bestandstechnik: Verzögerungen bei der Instandsetzung von Anlagen wie Aufzügen oder Rolltreppen sind in der Regel auf globale Engpässe bei der Beschaffung spezieller Ersatzteile älterer Anlagenhersteller zurückzuführen und nicht auf fehlende Budgetbereitstellungen.

Branchenweites Problem: Branchenverband VDV und Kommunen warnen

Dass Planungsunsicherheiten und klamme Haushaltskassen die BOGESTRA keineswegs exklusiv betreffen, zeigt der Blick auf die Bundespolitik:

  • Sorge des Branchenverbands: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bestätigt die tiefgreifende Problematik bundesweit. Der VDV sieht für die gesamte Branche in Zukunft eine weitere Verschlechterung der Situation – insbesondere mit Blick auf verlässliche Förderzusagen und eine langfristige Planbarkeit von Investitionen.

  • Fehlende Planungssicherheit bei Förderanteilen: Verkehrsunternehmen müssen für fast jedes Modernisierungsprojekt langwierige Förderanträge stellen, haben jedoch kaum Planungssicherheit. Der Grund: Nicht nur die Bewilligungszeitpunkte schwanken stark, sondern oft variieren auch die Förderquoten und Eigenanteile, die die Betriebe selbst aufbringen müssen.

  • Kommunale Haushaltskrise im ganzen Land: Deutschlandweit zeigen städtische Haushalte derzeit ein ähnliches Bild: Durch drastisch gestiegene Kosten für Energie, Material und Personal geraten Verkehrsbetriebe und ihre kommunalen Träger überall massiv unter Druck.

Meilenstein für die Schiene: 16,2 Millionen Euro für neues Stellwerk

Dass der lange Atem bei der Beantragung von Fördermitteln trotz aller bürokratischen Hürden zum Erfolg führt, zeigt ein aktuelles Großprojekt: Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW bewilligte der BOGESTRA eine Zusage über 16,2 Millionen Euro. Mit diesen Mitteln wird das Stellwerk „Musiktheater“ in Gelsenkirchen umfassend erneuert. Sobald der Förderbescheid vorliegt, können die veranschlagten Millionenbeträge im Bauablauf real verbaut werden.

Auch die Planungen für den neuen E-Bus-Betriebshof an der Essener Straße in Bochum schreiten voran. Um die städtischen Haushalte nicht übermäßig zu belasten, hat das Unternehmen das Projekt in eine mehrstufige Ausbauphase bis 2030 gegliedert.

Fazit

Die BOGESTRA steht wie die gesamte Branche vor der Herausforderung, gestiegene Betriebskosten bei oft unübersichtlichen Förderbedingungen abzufedern. Mit dem fristgerechten Abruf von Fördermitteln, der schrittweisen Modernisierung des Fuhrparks und der Einhaltung des vorgegebenen Verlustdeckels hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 bewiesen, dass es auch in einem von Unsicherheiten geprägten Marktumfeld verlässlich arbeitet.

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