
Bewohnerparken und bewirtschaftetes (Parkscheibe) Parken an der Hattinger Strasse
(c) Jens Matheuszik
Oskar-Hoffmann-Straße wird umgestaltet – Parkrevolution im Ehrenfeld vertagt?
Zwei der hitzigsten Verkehrsthemen der letzten Jahre biegen auf die Zielgerade ein. Während sich auf der Oskar-Hoffmann-Straße ein politischer Kompromiss ohne Dauereinbahnstraße abzeichnet, kämpft das Ehrenfeld mit Parkplatznot und Haushaltslöchern.
Die verkehrspolitische Landschaft in Bochum ist kräftig in Bewegung. In den Fokus der Ratsfraktionen rücken aktuell zwei Großprojekte, die das tägliche Pendeln und Parken im Herzen der Stadt drastisch verändern werden. Während im Bereich der Oskar-Hoffmann-Straße nach einem umstrittenen Verkehrsversuch nun eine einvernehmliche Vorzugsvariante auf dem Tisch liegt, warten die Anwohner im Ehrenfeld und rund um das Bergmannsheil sehnsüchtig auf die zweite Stufe des städtischen Parkkonzepts – doch das zittert noch vor der Haushaltskrise.
Oskar-Hoffmann-Straße: Das Ende der Einbahnstraßen-Pläne
Die CDU-Ratsfraktion atmet auf: Die Bochumer Stadtverwaltung hat die Vorentwurfsplanung für den viel befahrenen Abschnitt der Oskar-Hoffmann-Straße zwischen Universitätsstraße und Steinring vorgelegt. Zur Erleichterung vieler Pendler und Anwohner verzichtet die Stadt in ihrer Vorzugsvariante dauerhaft auf eine reine Einbahnstraßenregelung.
Ein entsprechender Verkehrsversuch im vergangenen Jahr hatte gezeigt, dass eine solche Sperrung zu massivem Schleichwegverkehr und verstopften Straßen in den angrenzenden Wohnquartieren – darunter die Brunsteinstraße, die Düppelstraße und die Haderslebener Straße – geführt hatte.
„Die Verwaltung hat die Ergebnisse des Verkehrsversuchs ernst genommen und daraus die richtigen Schlüsse gezogen. Verbesserungen für den Radverkehr sind sinnvoll und notwendig. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu Lasten von Anwohnern, des Baumbestands oder der Leistungsfähigkeit wichtiger Verkehrsachsen gehen.“ — Dr. Stefan Jox, verkehrspolitischer Sprecher der CDU
Die Kernpunkte der neuen Planung:
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Erhalt des Verkehrsflusses: Der Verzicht auf die Einbahnstraße sichert die Leistungsfähigkeit der Achse für den Autoverkehr.
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Radverkehr & Stellplätze: Radwege werden modernisiert und sicherer gestaltet, ohne dass das Parkplatzangebot für die Anwohner radikal zusammengestrichen wird.
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Kreisverkehr am Steinring: Der oft unübersichtliche Knotenpunkt am Steinring soll zu einem modernen Kreisverkehr umgebaut werden, um die Sicherheit für Radfahrer beim Abbiegen signifikant zu erhöhen.
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Grüner Erhalt: Der wertvolle, alte Baumbestand entlang der Straße soll laut Vorentwurf weitgehend unangetastet bleiben.
Die Bezirksvertretung Mitte berät bereits am heutigen Donnerstag über die Pläne. Das finale politische Machtwort fällt am 2. Juli 2026 im Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur (15:00 Uhr, Technisches Rathaus).
Parkraum-Neuordnung im Ehrenfeld: Größere Zone dank Bundesgesetz
Ein paar Straßen weiter, im westlichen Ehrenfeld und rund um das Großkrankenhaus Bergmannsheil, drückt der Schuh seit Jahren an einer ganz anderen Stelle: beim extremen Parkdruck. Die SPD Bochum-Ehrenfeld drängt auf den Start der Stufe 2 des Gesamtkonzepts Ruhender Verkehr, die eigentlich für diesen Sommer anvisiert ist.
Hier steht das finale Vergabeverfahren für die Umsetzung an. Das Konzept soll externe Dauerparker aus den Wohnquartieren drängen und Anwohnern das Abstellen ihrer Fahrzeuge erleichtern.
Eine statt drei Zonen im Viertel
Ursprünglich drohte dem Viertel eine bürokratische Zerstückelung. Weil Anwohnerparkzonen nach altem Recht nur einen Durchmesser von einem Kilometer haben durften, hätte rund um das Bergmannsheil eine dritte, winzige Zone entstehen müssen. Nach einer Änderung der Straßenverkehrsordnung auf Bundesebene sind nun jedoch Zonen von bis zu 1,5 Kilometern Durchmesser zulässig.
Dadurch reicht im westlichen Ehrenfeld künftig eine einzige, zusammenhängende Anwohnerparkzone. Niemand läuft Gefahr, sein Auto eine Straße weiter abzustellen und dort ein Knöllchen zu kassieren. Flankiert wird dies von einer Anpassung der Parkscheibenregelung auf zwei Stunden entlang der Hattinger Straße, um Kunden und Anwohnern gleichermaßen gerecht zu werden.
Haushaltskrise und Urlaubszeit bremsen die Pläne aus
Trotz der fertigen Pläne gibt es dicke Wermutstropfen. Aufgrund der angespannten Haushaltslage der Stadt Bochum stehen derzeit selbst bereits beschlossene und finanzierte Maßnahmen noch einmal auf dem internen Prüfstand – das gilt auch für das Ehrenfelder Parkkonzept. SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jens Matheuszik warnt vor Verzögerungen, mahnt aber gleichzeitig ein logistisches Problem an:
Sollte die Neuausweisung der Schilder und Zonen mitten in den Sommerferien erfolgen, könnten reihenweise Autos von Urlaubern im Weg stehen und abgeschleppt werden müssen. Zudem fordert die SPD nach der Schilderaufstellung konsequente Kontrollen durch das Ordnungsamt, da die Regeln sonst wirkungslos verpuffen.
Dauerproblem Bergmannsheil bleibt strukturell
Gleichzeitig warnt die SPD davor, die Stellplatznot auf kosmetische Maßnahmen wie Fahrradbügel zu reduzieren. Durch den notwendigen Abriss des alten Mitarbeiterparkdecks an der Gilsingstraße hat sich die Situation rund um das Bergmannsheil massiv verschärft.
Verhandlungen, stattdessen ungenutzte Großparkplätze in der Umgebung temporär anzumieten, scheiterten in der Vergangenheit ergebnislos. Bei der künftigen baulichen Campus-Entwicklung des Klinikums müsse die städtische Stellplatzsatzung daher ganz genau im Auge behalten werden.
