
Training zum sicheren Handling von Schlangen
(c) Tierpark Bochum
Feuerwehr Herne trainiert im Tierpark Bochum den Ernstfall mit Reptilien und Spinnen
Wenn die Schlange im Badezimmer auftaucht: Herner Brandschützer wappnen sich durch Theorie und Praxis im Nachbarzoo für außergewöhnliche Einsätze. Auch die medizinische Versorgung von Giftbissen stand auf dem Lehrplan.
Wie verhalte ich mich bei einem Alarm wegen einer entkommenen Würgeschlange? Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten beim direkten Umgang mit potenziell giftigen Reptilien? Und wann kommt die Feuerwehr mit ihren klassischen Mitteln ohne die Unterstützung von externen Spezialkräften schlicht nicht mehr weiter?
Fundierte Antworten auf diese praxisnahen Fragen erhalten derzeit Einsatzkräfte der Feuerwehr Herne im Rahmen einer außergewöhnlichen und hochspezialisierten Fortbildungsreihe direkt im Tierpark + Fossilium Bochum.
Gefahreneinschätzung und artgerechtes Handling unter Profi-Anleitung
Im Fokus der gemeinsamen Schulung stehen sowohl exotische als auch heimische Reptilien sowie verschiedene Spinnenarten. Das Lernziel der Brandschützer ist zweigeteilt: Neben fundierten theoretischen Informationen zu den spezifischen Verhaltensweisen der Tiere, der korrekten Gefahreneinschätzung vor Ort und den zwingend erforderlichen Sicherungsmaßnahmen lernen die Teilnehmenden vor allem den direkten, praktischen Umgang mit den Tieren unter der fachkundigen Anleitung der Bochumer Zootierpfleger.
„Einsatzlagen mit exotischen Tieren sind sicher nicht an der Tagesordnung, aber sie kommen im urbanen Raum immer wieder mal vor. Deshalb ist es wichtig, unsere Einsatzkräfte auch in diesem speziellen Bereich umfassend und ohne Berührungsängste zu schulen“, erklärt Philipp Hapig, Teamleiter Rettungsdienst der Feuerwehr Herne. Er zeigt sich besonders erfreut über das durchweg positive Feedback seiner Teams, die vor allem den enorm hohen Praxisbezug der Fortbildung auf dem Zoogelände hervorheben.
Tierpark Bochum fungiert als Kompetenzzentrum
Zoodirektor Ralf Slabik freut sich über das große Interesse und den Besuch aus der Nachbarstadt: „Gerne stellt der Tierpark + Fossilium Bochum als anerkanntes Kompetenzzentrum für Wildtierhaltung seine Expertise in Form von maßgeschneiderten Fortbildungsangeboten für die Herner Feuerwehr zur Verfügung. Uns ist es wichtig, sowohl einen fundierten theoretischen Wissenshintergrund als auch eine sichere, praktische Handlungsstrategie im Umgang mit exotischen Tieren zu vermitteln.“
Dabei verfolgen die Zoologen ein doppeltes Ziel: Neben dem optimalen Eigenschutz der Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner steht bei den Grifftechniken immer auch das art- und fachgerechte Handling der Tiere im Vordergrund, um den Stress für die Exoten so gering wie möglich zu halten.
Kombi-Lehrgang: Erst Erstversorgung, dann der Griff zur Schlange
Durch die Kombination aus Theorie und Praxis erhalten die Retter wertvolle Einblicke und können sich gezielt auf außergewöhnliche, nervlich belastende Einsatzsituationen in Wohnungen oder Kellern vorbereiten.
Das innovative Schulungskonzept wurde in diesem Jahr bereits mehrfach im Rahmen der jährlichen Rettungsdienstfortbildung der Berufsfeuerwehr Herne erfolgreich absolviert. Der Besuch im Tierpark bildet dabei jeweils den praktischen Abschluss eines intensiven Unterrichtstages. Zuvor wurden die Feuerwehrkräfte bereits theoretisch und praktisch in der anspruchsvollen medizinischen Versorgung von spezifischen Biss- und Stichverletzungen durch Gifttiere geschult.
