
Fanforum zur Stadionsanierung
(c) Christian Schnaubelt
Der Modernisierungsprozess des Vonovia Ruhrstadions sorgt bei Anhängern des VfL Bochum für reichlich Diskussionsstoff. Trotzdem verlief ein Fanforum, bei dem die Änderungen insbesondere für Dauerkarteninhaber während des jetzt startenden ersten Bauabschnittes vorgestellt wurden, ruhig. Der VfL Bochum reagierte dabei auf Sorgen und Kritik der Fans und bat seine Fans um Unterstützung und Geduld während des Umbaus.
Das Gesamtvorhaben stellt den VfL vor einige Herausforderungen: Das Bauen im laufenden Spielbetrieb und der parallele Neubau des Nachwuchsleistungszentrums verlangen von allen Beteiligten Geduld und Verständnis. Als erste sichtbare Maßnahme entsteht derzeit bis Oktober ein zentrales Technikgebäude hinter der Westtribüne, das Versorgungsleitungen für Strom, Wasser, Daten und Rasenheizung bündelt. Zusammen mit einem neuen Pressearbeitsbereich im ehemaligen Fitnessraum der Profis sind dies die ersten Vorboten für die nun beginnenden Sanierungsarbeiten der Tribünen.
„Nach dem Fürthspiel rollen die Bagger an“, sagte Presseprecher Jens Fricke am 11. September im Vorfeld des heutigen Heimspiels gegen Greuther Fürth (Anstoß: 13 Uhr) im Ruhrstadion, welches letztmalig vor dem Umbau mit voller Auslastung genutzt werden kann. Beim Fanforum im Ruhrcongress am 10. September, an dem rund 400 Dauerkarteninhaber, Mitglieder und Fans teilnahmen, stellt der VfL seine Pläne für die erste Umbauphase vor.
Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Fan-Beauftragter Dirk Michalowski warben dabei für Geduld und Verständnis bei den Fans, „denn ohne Einschnitte geht es leider nicht. Aber wir wollen den Umbau so erträglich wie möglich durchführen. Und am Ende wird sich das Ergebnis sehen lassen“, so Ilja Kaenzig. Der allerdings auch um Nachsicht bat: „Der Umbau wir kein geradliniger Weg und wir müssen in der Bauphase zusammenrücken. Dafür bitte ich um Nachsicht und Geduld“, sagte dabei der VfL‑Geschäftsführer und ergänzte: „Aber dank der Liebe der Fans für das Ruhrstadion werden wir dies gemeinsam schaffen.“ Während der mehrjährigen Bauphase will der VfL regelmäßig die Fans informieren und einbeziehen. Dazu gehörte laut Kaenzug am Vortrag des Fanforums ein Austausch mit dem Fangremium des Vereins.
Einschnitte bei den Dauerkarten ab dem Bielefeld-Spiel
Bereits zur Partie gegen Arminia Bielefeld stehen die regulären Sitzplätze in den Blöcken H2 und H1 nicht mehr zur Verfügung, wodurch rund 1.200 Dauerkarten ruhend gestellt werden müssen. Im weiteren Bauverlauf folgen die Blöcke C und D, was weitere 1.100 Dauerkarten betrifft. In der Spitze können rund 3.200 Dauerkarteninhaber ihre angestammten Plätze nicht nutzen. Die Blöcke A und B bleiben in der laufenden Saison noch unangetastet und folgen erst nach Fertigstellung von C und D, gab der VfL zudem bekannt, der insgesamt temporär auf bis zu 6.000 Sitzplätze – im laufenden Ligabetrieb – verzichten muss. Der Verein kündigte am 10. September an, dass er – nach dem Prinzip „Ein Vorverkaufsrecht = ein Ticket“ – Übergangslösungen anbieten wird.
VfL schafft „Gemeinschaftstickets“
Um den Sitzplatzausfall abzufedern, erhalten Betroffene ein exklusives Erstzugriffsrecht auf frei verfügbare Einzeltickets im Vorfeld des regulären Mitgliederverkaufs. Da freie Plätze im Stadion jedoch stark fragmentiert sind, kann der Verein keine Garantie für zusammenhängende Sitzplätze für Familien oder Freundeskreise geben. Als gezielte Entlastung für Fan-Gemeinschaften legt der VfL daher ein Kontingent von insgesamt 1.000 „Gemeinschaftstickets“ auf: Gruppen ab drei Personen mit ruhender Dauerkarte können für die restliche Spielzeit eine Stehplatz-Dauerkarte für die Ostkurve beantragen – 700 Plätze stehen für die Nordtribüne bereit, weitere 300 später für Fans aus den Blöcken C und D.
Konsequenteres Vorgehen gegen „No-Show“-Plätze
Angesichts der Verknappung rückt die Auslastung des Ruhrstadions stärker in den Fokus. In der vergangenen Saison lag die sogenannte „No-Show“-Quote von ungenutzten (Dauer‑)Karten bei durchschnittlich zehn Prozent. Der Verein will den offiziellen Zweitmarkt und digitale Weitergabe-Möglichkeiten durch Videoanleitungen verständlicher erklären. Zudem behält sich der VfL vor, eine bisher ungenutzte Dauerkartenklausel umzusetzen: Wer bei weniger als 14 Partien erscheint oder sein Ticket weitergibt, könnte die Kündigung erhalten. Fans, die in den ersten neun Saisonspielen mindestens dreimal unentschuldigt fehlen, werden zunächst „freundlich, aber bestimmt“ erinner werden, wie der VfL ankündigte. „Es soll keine Bestrafung der Fans sein, aber wir appellieren an den Gemeinschaftssinn und die Fairness“, betonten die Vereinsverantwortlichen beim Fanforum im Ruhrcongress.
Der VfL Bochum bietet die Möglichkeit an, dass Fragen zum Stadionumbau an die E-Mail-Adresse service@vfl-bochum.de gesendet werden können. „Wir konnten bisher noch nicht alle Fragen beantworten, werden dies aber so bald wie möglich tnn“, kündigte Ilja Kaenzig an.
Modernisierung von Catering, Sanitäranlagen und dem Talentwerk
Auf Fan-Kritik an bis zu 40-minütigen Wartezeiten an Kiosken, warmem Bier und Kassenausfällen reagiert der Verein mit dem Hinweis auf Extremtemperaturen, überlastete Kühlketten und hohe Spitzenlasten. Dauerhafte Abhilfe sollen moderne Kioske mit Tankbieranlagen und leistungsfähiger Kühltechnik schaffen. Beim Bierpreis sieht sich der VfL im Liga-Mittelfeld und verweist auf gestiegene Beschaffungskosten für das lokale Fiege-Bier.
Fluchttor-Blockaden durch Fan-Banner sollen künftig minimiert werden, indem Rettungstore bündig mit der Zaunkante abschließen und im Notfall schneller zugänglich sind. Einschnitte gibt es abseits des Rasens: Die traditionelle Weihnachtsfeier der Fanclubs entfällt baustellenbedingt und soll durch ein Event im Frühjahr oder Sommer ersetzt werden.
Parallel zum Stadion startet im November der Abriss des alten Nachwuchsleistungszentrums., wie Ralf Meyer beim Fanforum erläuterte. Nach einer 15-monatigen Übergangsphase in einem Containerdorf soll der Neubau des Talentwerks im April 2028 stehen. Nach der bereits erfolgten Fertigstellung des neuen Trainingsplatzes H4 soll mit einer dortigen Tribüne und einer neuen Brücke zum Hauptgelände sowie den zusätzlichen Trainingsplätzen H5, H6 und H7 die gesamte Anlage bis Ende 2028 fertiggestellt sein, um konkurrenzfähige Bedingungen für die Nachwuchsförderung zu sichern. „Wir werden uns deutlich verbessern und dadurch zum oberen Teil der Bundesliga gehören“, betonte Projektleiter Ralf Meyer.












