Beitrag: Teilzeit-Debatte: IHK Mittleres Ruhrgebiet warnt vor falschen Schlüssen
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IHK - mittleres Ruhrgebiet

Die Diskussion um Teilzeitarbeit gewinnt erneut an Schärfe. Bundeskanzler Friedrich Merz hat eine Forderung aus dem CDU-Wirtschaftsflügel aufgegriffen, das Recht auf Teilzeit einzuschränken. Teilzeit werde dabei als „Lifestyle“ beschrieben. Die Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet hält diese Einordnung für verkürzt und verweist auf die wirtschaftliche Realität in der Region.

Die Teilzeitquote in Deutschland liegt bei rund 40 Prozent. Besonders Frauen sind betroffen. Auch im Ruhrgebiet ist Teilzeit in vielen Branchen fester Bestandteil des Arbeitsmarktes. Die IHK Mittleres Ruhrgebiet spricht sich gegen pauschale Zuschreibungen aus und fordert Anreize statt Einschränkungen.

Nach aktuellen Zahlen arbeitet fast jede zweite Frau in Deutschland in Teilzeit, bei Männern ist es etwa jeder neunte. Insgesamt liegt der Anteil der Teilzeitbeschäftigten bei rund 40 Prozent. Damit ist Teilzeit längst kein Randphänomen mehr, sondern prägt den Arbeitsalltag vieler Branchen.

Gerade im Einzelhandel und im Gesundheitssektor ist Teilzeitarbeit weit verbreitet. Flexible Arbeitszeiten gelten dort als Voraussetzung, um Personal zu gewinnen und den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch im Ruhrgebiet sind diese Strukturen fest etabliert.

IHK kritisiert Begriff „Lifestyle-Teilzeit“

Die IHK Mittleres Ruhrgebiet sieht die politische Zuspitzung kritisch. Hauptgeschäftsführer Michael Bergmann warnt davor, Teilzeit pauschal zu diskreditieren. „Teilzeit ist gerade im Einzelhandel und im Gesundheitssektor ein unverzichtbares Arbeitszeitmodell. Das als ‚Lifestyle‘ zu brandmarken, hilft weder dem Standort Deutschland noch den Unternehmen vor Ort“, sagt Bergmann.

Aus Sicht der IHK verkennt die Debatte die tatsächlichen Ursachen. Viele Beschäftigte arbeiteten nicht freiwillig weniger, sondern wegen fehlender Betreuungsangebote, hoher Abgaben oder unflexibler Arbeitsbedingungen.

Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft rät davon ab, an bestehenden Rechtsansprüchen zu rütteln. Stattdessen empfiehlt es steuerliche Entlastungen, eine Senkung der Sozialabgaben, mehr Homeoffice-Möglichkeiten und flexible Arbeitszeiten. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit für Beschäftigte tatsächlich lohnt.

In diese Richtung argumentiert auch die IHK. „Was wir stattdessen benötigen, sind positive Anreize, um mehr Menschen den Schritt aus der Teilzeit in die Vollzeit zu ermöglichen“, so Bergmann. Entscheidend sei, Rahmenbedingungen zu schaffen, die sowohl den Bedürfnissen der Beschäftigten als auch den Anforderungen der Unternehmen gerecht werden.

Für das Mittlere Ruhrgebiet ist die Debatte auch eine Standortfrage. Der Fachkräftemangel betrifft viele Betriebe. Gleichzeitig hängt die Attraktivität der Region von verlässlichen und realistischen Arbeitszeitmodellen ab. Pauschale Kritik an Teilzeit, so die IHK, greife zu kurz und biete keine Lösung für die bestehenden Herausforderungen.

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