Beitrag: Tacheles an der SPD-Theke
„Tacheles reden“ Dialogtour der SPD mit Hendrik Bollmann (MdB)

(c) Sebastian Sendlak

Bundestagsabgeordneter Hendrik Bollmann diskutiert in Bochum-Nord über Reformdruck und Vertrauensverlust

Offene Worte und ungeschminkte Kritik prägten den jüngsten Bürgerdialog der Bochumer SPD unter dem Motto „Tacheles reden“. Im Vereinsheim von Blau-Weiß Grümerbaum stellte sich der Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Bochum Nord und Herne, Hendrik Bollmann, den drängenden Fragen der Bürgerschaft und Parteimitglieder. Im Zentrum der intensiven Debatte standen die allgemeinen Zukunftsängste der Menschen angesichts steigender Lebenshaltungskosten, anstehender Rentenreformen, Hilfen für die Ukraine und der schwächelnden Konjunktur. Dabei wurde deutlich, wie sehr die bundespolitischen Weichenstellungen aus Berlin das politische Geschehen auf kommunaler Ebene dominieren und lokale Gestaltungsspielräume im Gespräch mit den Wählern einengen.

Die anwesenden Teilnehmer und Vertreter der Parteibasis teilten die verbreitete Verunsicherung über bundespolitische Sparpläne und Reformvorhaben. Zwar herrschte in der Runde Einigkeit darüber, dass ein Erstarken der rechtspopulistischen AfD gerade für jene Menschen, die wirtschaftlich am meisten unter Druck stehen, verheerende soziale Folgen hätte, doch stoßen viele Bürger aus Frust über die aktuelle Politik in Berlin dennoch auf diese Protestoption. An der sozialdemokratischen Basis wird selbstkritisch eingeräumt, dass man in der Koalition auf Bundesebene mit der Union unter Druck stehe und notwendige sozialpolitische Akzente nur schwer durchzusetzen seien. Ein möglicher weiterer Rechtsruck gefährde vor allem die soziale Absicherung, die gerade in traditionellen Arbeiterregionen wie dem Ruhrgebiet unabdingbar sei.

Bundeskanzler Merz in der Kritik

Im persönlichen Gespräch mit Hendrik Bollmann und dem engagierten Parteimitglied Alper Ünlü, der sich unter anderem im Bochumer Norden am Rosenberg aktiv einbringt, wurde der Wert dieses direkten Austauschs hervorgehoben. Bollmann betonte, dass er auf seinen Touren durch den Wahlkreis und das Bundesgebiet feststelle, dass die Sorgen der Menschen sich überall ähneln und die Frage nach den konkreten finanziellen Auswirkungen politischer Beschlüsse im Vordergrund stehe. Statt sich in Parteibüros und Sitzungssälen zu verschanzen, brauche die Politik den Schritt in Kneipen und Sportheime, um einerseits bundespolitische Sachverhalte wie das geplante Rentenkonzept verständlich zu erklären, andererseits aber auch die echten Nöte der Bürger ungefiltert mit nach Berlin zu nehmen.

Auch mit Blick auf bevorstehende Landtagswahlen wie in Sachsen-Anhalt plädierten Bollmann und Ünlü für eine schonungslose Selbstreflexion der etablierten Parteien. Der Zulauf zu extremen Kräften sei nicht allein mit Protest zu erklären, sondern das Resultat langjähriger politischer Versäumnisse und unzureichender Kommunikation. Formate wie das Thekengespräch, die Bollmann rund zweimal monatlich an wechselnden Standorten in Bochum und Herne anbietet, sollen daher gezielt dazu beitragen, eigene Filterblasen aufzubrechen. Im unmittelbaren Dialog von Angesicht zu Angesicht lassen sich Vorurteile abbauen, Missverständnisse bereinigen und das verloren gegangene Vertrauen in demokratische Prozesse schrittweise wieder aufbauen.

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