Beitrag: Bochumer Freibäder führen strenge Ausweispflicht und Taschenkontrollen ein
WWB Freibad Werne

(c) WasserWelten Bochum

Sicherheit statt Anonymität: Nach polizeipflichtigen Zwischenfällen im Freibad Werne ziehen die WasserWelten Bochum konsequente Maßnahmen für alle städtischen Freibadstandorte. Die Politik begrüßt den Schritt, während in der Bevölkerung auch kritische Stimmen laut werden.

Die Sicherheitsvorkehrungen in den Bochumer Freibädern werden mit sofortiger Wirkung drastisch verschärft. Hintergrund der neuen Regelungen ist ein Vorfall vom 24. Juni im Freibad Werne, bei dem es zu zwei aufeinanderfolgenden Auseinandersetzungen unter mehreren Badegästen kam. Die Situation eskalierte derart, dass das Freibad mit der Unterstützung eines polizeilichen Großaufgebots vorzeitig geräumt werden musste. Um die Sicherheit der Badegäste und des Personals dauerhaft zu gewährleisten und eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern, hat die Betreibergesellschaft WasserWelten Bochum nun ein umfassendes Sicherheitspaket für alle Freibäder auf den Weg gebracht.

Ab sofort müssen sich alle Besucherinnen und Besucher ab 14 Jahren beim Einlass ausweisen können. Für Jugendliche unter 16 Jahren reicht hierfür das Vorzeigen eines gültigen Schülerausweises aus. Flankiert wird die Ausweispflicht durch stichprobenartige Taschenkontrollen direkt am Zutritt sowie durch eine spürbare Aufstockung des privaten Sicherheitspersonals vor Ort. Ziel der Maßnahmen ist es laut Betreiber, dass die Schwimmbäder sichere Orte für Erholung, Freizeit und ein respektvolles Miteinander bleiben. Das Wissen, im Bad nicht mehr anonym zu sein, soll bei potenziellen Unruhestiftern für mehr Vernunft sorgen.

SPD-Politiker Kalisch stellt klar: „Keine Massenschlägerei, aber konsequentes Handeln notwendig“

Unterstützung für den harten Kurs der WasserWelten kommt aus der Kommunalpolitik. Christian Kalisch, SPD-Ratsmitglied für Werne und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, bezeichnete die eingeführten Schritte als genau richtig und absolut konsequent. Gleichzeitig bemühte sich der Lokalpolitiker um eine sachliche Einordnung der Geschehnisse. Es habe sich entgegen anhaltender Gerüchte und Vermutungen in den sozialen Medien nicht um eine Massenschlägerei gehandelt. Vielmehr kam es zu zwei separaten Zwischenfällen, die allerdings durch eine sehr große Anzahl an Schaulustigen und den massiven Polizeieinsatz dramatisch wirkten.

Dennoch stellt Kalisch unmissverständlich klar, dass jede einzelne Schlägerei eine zu viel sei, da das Ergebnis mit der Räumung des Bades für alle Familien das gleiche bleibe. Gerade bei großer Sommerhitze könnten Emotionen im dichten Gedränge schnell hochkochen. Das gesteigerte Aufgbot an Kontrollen und Sicherheitskräften soll allen ehrlichen Besuchern wieder ein besseres Gefühl vermitteln, da Bochums Freibäder sichere Orte für alle Generationen einer familienfreundlichen Kommune sein müssten.

Kritische Stimmen aus der Bevölkerung und Berichte von Augenzeugen

Während die Verantwortlichen der WasserWelten von einer beginnenden Entspannung der Lage im Alltag sprechen, formiert sich in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke auch deutliche Kritik. Viele Badegäste sehen die Hauptursache für die Aggressionen nicht nur in mangelnden Kontrollen, sondern primär in einer chronischen Überfüllung der Anlagen an heißen Tagen. Zu viele Menschen auf engem Raum ließen die Situationen in den Becken und auf den Liegewiesen erfahrungsgemäß schnell eskalieren.

Zudem gibt es Zweifel an der unmittelbaren Wirksamkeit des aufgestockten Sicherheitspersonals. Ein prominenter Augenzeuge der veränderten Zustände wurde Leon Horn, der Adjutant des Junggesellenhauptmanns der Bochumer Maiabendgesellschaft. Er besuchte das Freibad nur zwei Tage nach der offiziellen Einführung der neuen Ausweispflicht und berichtete von ernüchternden Beobachtungen. Laut seinen Aussagen habe er an nur einem einzigen Nachmittag alleine fünf verbale oder körperliche Auseinandersetzungen im Bad mitbekommen. Das anwesende Sicherheitspersonal sei in diesen Momenten jedoch nicht dazwischengegangen. Ein Umstand, der in der Dynamik vor Ort durchaus nachvollziehbar erscheint, wenn teilweise Gruppen von bis zu 30 Personen aufeinander losgehen und die privaten Sicherheitskräfte an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

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