
Stadtwerke Bochum: Elke Temme und Frank Thiel
(c) Sebastian Sendlak
Der Energie- und Wasserversorger schließt das Jahr mit 105,4 Millionen Euro nach Steuern ab. Die Gewinne fließen direkt in eine historische Investitionsoffensive für die Infrastruktur der Stadt.
Die Stadtwerke Bochum haben das Geschäftsjahr 2025 mit einem hervorragenden Finanzergebnis abgeschlossen. Wie das Kommunalunternehmen offiziell bekannt gab, beläuft sich der Jahresüberschuss nach Steuern auf 105,4 Millionen Euro. Damit übertraf der lokale Energie- und Wasserversorger seinen eigenen Wirtschaftsplan deutlich um 15,5 Millionen Euro.
Maßgeblich zu diesem positiven Jahresabschluss beigetragen haben Sondereffekte im Handelsgeschäft sowie Erlöse aus dem bereits im Jahr 2024 vollzogenen Verkauf der STEAG-Beteiligung. Das starke Fundament verschafft der Unternehmensgruppe die nötige Liquidität für die anstehenden Milliardenaufgaben im Zuge der Energiewende. Von der soliden Bilanz profitiert die Stadt unmittelbar: 75 Millionen Euro des Gewinns werden direkt an den städtischen Haushalt abgeführt, hinzu kommen weitere 22 Millionen Euro an Konzessionsabgaben.
Investitionsoffensive in historischer Dimension
„Wir stehen inmitten der vermutlich größten Investitionsphase unserer über 170-jährigen Unternehmensgeschichte“, ordnet Frank Thiel, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke Bochum Holding, die aktuelle Strategie ein. Allein im zurückliegenden Geschäftsjahr flossen rund 131 Millionen Euro in die Transformation der Energie- und Wärmeversorgung. Für den Gesamtzeitraum von 2024 bis 2030 plant das Unternehmen ein Rekord-Investitionsvolumen von insgesamt rund einer Milliarde Euro. Zwar werden die massiven Ausgaben die Bilanzen der Folgejahre durch steigende Zinsaufwendungen und Abschreibungen belasten, sie seien jedoch unabdingbar, um die städtische Netzinfrastruktur zukunftsfähig aufzustellen.
Wärmeplanung und Preisstabilität für 2026
Ein zentraler Pfeiler der Transformation ist die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung auf Basis des sogenannten „Bochumer Wegs“ – einer gemeinsam von Stadt, Stadtwerken und der ansässigen Wohnungswirtschaft entwickelten kommunalen Wärmeplanung. Hauseigentümer erhalten dadurch eine verlässliche Orientierung:
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Fernwärme-Ausbau: Im strategisch definierten Fernwärmegebiet soll das bestehende Versorgungsnetz bis zum Jahr 2045 verdoppelt werden. Aus heutiger Sicht bietet Fernwärme eine hohe Preisstabilität und Planbarkeit.
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Dezentrale Gebiete: In den übrigen Bereichen sieht die Wärmeplanung für die meisten Gebäude den Einsatz von Wärmepumpen als langfristig sinnvollste und wirtschaftlichste Option an. Bei neuen Erdgasheizungen seien künftige Kostenentwicklungen (wie steigende CO₂-Preise) hingegen kaum absehbar.
Trotz der weiterhin volatilen und anspruchsvollen Lage an den internationalen Energiegroßhandelsmärkten senden die Stadtwerke ein positives Signal an die Verbraucher: Für das komplette Jahr 2026 sind keine Preissteigerungen bei Strom, Gas und Wasser geplant. In der Sparte Fernwärme konnten im laufenden Jahr sogar Preissenkungen an die Kunden weitergegeben werden.
Intelligente Stromnetze und digitaler Smart-Meter-Rollout
Durch den rasanten Zuwachs von privaten Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und der privaten E-Mobilität steigen die technischen Anforderungen an das Verteilnetz massiv an. Bis 2030 investieren die Stadtwerke deshalb gezielt rund 150 Millionen Euro in die Strominfrastruktur (darunter in den Ausbau von Umspannwerken und ein modernes 20-kV-Netz).
Dabei setzt das Unternehmen primär auf einen intelligenten Netzausbau statt reiner Tiefbaumaßnahmen: Durch die fortschreitende Digitalisierung der Ortsnetzstationen sollen Datenströme genutzt werden, um Lastspitzen besser zu steuern. Ein wichtiger Meilenstein ist hierbei der beschleunigte Einbau von modernen Messsystemen (Smart Meters). Bis Ende 2025 waren in Bochum rund 6.200 Smart Meter installiert. Für das laufende Jahr 2026 ist die Montage von weiteren 20.000 Geräten fest eingeplant. Bis Ende 2030 soll die Digitalisierung aller relevanten Messstellen im Stadtgebiet vollständig abgeschlossen sein – damit überholen die Stadtwerke die gesetzliche Frist um zwei Jahre.
Meilensteine bei E-Mobilität und Glasfaserausbau
Auch in den zukunftsträchtigen Infrastruktursegmenten E-Mobilität und Telekommunikation meldet der Versorger deutliche Fortschritte:
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Öffentliche Ladeinfrastruktur: Das Unternehmen betreibt aktuell 427 öffentliche Ladepunkte im Bochumer Stadtgebiet und festigt damit seine Position als lokaler Marktführer. Zudem ist die durchschnittlich geladene Energiemenge pro Ladevorgang im Jahr 2025 kontinuierlich angestiegen.
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Schneller Glasfaserausbau: Die Konzerntochter Glasfaser Ruhr hat im Jahr 2025 mehr als 20.000 Wohneinheiten neu an das FTTH-Netz (Fiber to the Home) angeschlossen. Damit sind inzwischen über 50 Prozent aller Bochumer Wohnungen mit Glasfaser versorgt. Bis Ende 2026 soll die Quote auf 72 Prozent (mehr als 162.000 Wohnungen) gesteigert werden.
Dank effizienter Prozesse geht die Geschäftsführung fest davon aus, die Tiefbauarbeiten im öffentlichen Raum für das Glasfaser-Projekt bereits Ende 2029 und damit drei Jahre früher als ursprünglich kalkuliert abschließen zu können – und das unter strikter Einhaltung des geplanten Budgets.
