Beitrag: Kompromiss im Rathaus: August-Bebel-Platz bleibt für Autos befahrbar
August-Bebel-Platz

(c) CDU Bochum

Die politische Debatte um die Neugestaltung des Wattenscheider August-Bebel-Platzes steuert auf ihren Höhepunkt zu. Am Donnerstag, den 11. Juni 2026, entscheidet der Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss (HWFA) im Historischen Rathaus über die Zukunft des zentralen Platzes. Im Vorfeld der Sitzung prallen die Meinungen der politischen Lager unversöhnlich aufeinander: Während eine breite Mehrheit von CDU bis SPD einen mühsam errungenen Kompromiss feiert, spricht die Opposition von einer politisch Mutlosen „Vollbremsung“ bei der Verkehrswende.

1. Der interfraktionelle Kompromiss: Autos bleiben – Tempo runter

Nach jahrelangem Ringen präsentieren CDU, SPD, Grüne, FDP-UWG: WAT und UWG: Freie Bürger – BSW einen gemeinsamen Antrag. Die zentrale und für viele überraschende Botschaft: Die vollständige Autofreiheit des August-Bebel-Platzes ist endgültig vom Tisch. Die wichtige Wattenscheider Verkehrsachse soll für alle Verkehrsmittel erhalten bleiben.

Der Antrag fordert eine verkehrliche Planung, bei der der motorisierte Individualverkehr bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen den Platz weiterhin befahren darf. Um den Platzcharakter zu wahren, soll der Verkehr jedoch massiv entschleunigt werden: Angestrebt wird eine verkehrsberuhigte Zone mit Tempo 10 bis 20.

Fokus auf Aufenthaltsqualität und Stadtbild

CDU-Ratsfraktionschef Karsten Herlitz und der verkehrspolitische Sprecher Dr. Stefan Jox betonen, dass sich die Debatte nicht allein um Autos drehen dürfe. Das Votum der Wattenscheider Bezirksvertretung, die sich vehement gegen eine Sperrung ausgesprochen hatte, habe allerhöchste Priorität. Der Platz soll durch gezielte Maßnahmen vom reinen Durchgangsort zu einem attraktiven Verweilort aufgewertet werden:

  • Rund um den Brunnen: Geplant sind moderne Sitzstufen für eine höhere Aufenthaltsqualität sowie die Installation eines öffentlichen Trinkbrunnens.

  • Optische Aufwertung: Die Verwaltung soll prüfen, ob die Verlegung von Rasengleisen für die Straßenbahn sowie optisch ansprechende Bodenmuster umsetzbar sind.

  • Infrastruktur: Der bestehende Parkplatz bleibt erhalten; die Planung soll in ein städtebauliches Gesamtkonzept für die gesamte Wattenscheider City eingebettet werden.

Bezirksfraktionschef Gerd Kipp zeigt sich erleichtert, dass im Bochumer Rathaus nichts „durchgepeitscht“ werde, was vor Ort auf extreme Skepsis gestoßen war.

2. Die Kritik von STADTGESTALTER/Volt: „Umgefallen und abgeblasen“

Scharfe Kritik an diesem überfraktionellen Bündnis kommt von der Ratsgruppe STADTGESTALTER/Volt. Die Sprecher Dr. Volker Steude, Stefanie Beckmann und Nadja Zein-Draeger werfen insbesondere der SPD und den Grünen vor, ihre eigenen Prinzipien verraten zu haben. Beide Fraktionen hätten sich jahrelang für einen autofreien Platz starkgemacht und seien nun, wo es darauf ankomme, eingeknickt.

„Wer in Bochum auf die Verkehrswende setzt, der findet in SPD und Grünen keine Verbündeten mehr – Das ist nun eindeutig klar geworden.“ — Sprecherinnen-Trio der Ratsgruppe STADTGESTALTER/Volt*

Die Ratsgruppe, die für die Ausschusssitzung einen eigenen Alternativvorschlag einbringt, sieht in dem Kompromiss eine gravierende Fehlentscheidung mit finanziellen Risiken für die Stadt:

  • Gefahr für Fördergelder: Die Opposition warnt eindringlich davor, dass die nicht zukunftsorientierte Planung die gesamte Sanierung des Areals gefährden könnte. Ein Konzept, bei dem Autos weiterhin quer über einen Marktplatz fahren, werde in der heutigen Zeit kaum noch auf finanzielle Zuschüsse für „hohe Aufenthaltsqualität“ aus Düsseldorf hoffen können.

  • Finanzielles Fiasko: Ohne die dringend benötigten Landesfördermittel werde es der Stadt Bochum kaum möglich sein, die jetzige „Betonwüste“ allein aus Eigenmitteln maßgeblich und attraktiv zu sanieren.

Die Entscheidung fällt am Donnerstag um 15:00 Uhr im Raum Nordhausen des Historischen Rathauses. Es zeichnet sich ab, dass die breite Mehrheit den Autokompromiss durchwinken wird, während der Streit über den richtigen Weg zur Verkehrswende in Wattenscheid weiter schwelt.

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