Beitrag: Universitäts-Streit und Wattenscheider Trostlosigkeit erhitzen die Politik
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Ruhr Universität

Ein politischer Doppelschlag bewegt das Bochumer Stadtgebiet. Während auf dem Uni-Campus über Extremismus debattiert wird, droht in Wattenscheid ein Millionen-Projekt zu scheitern.

Graffiti und andere Schmierereien prägen seit Jahren das Erscheinungsbild der Ruhr-Universität Bochum und lassen sich vermutlich nie vollständig verhindern. Wenn es sich jedoch um extremistische oder menschenfeindliche Inhalte handelt, ist eine klare Grenze überschritten. Auf Anfrage teilte die Universitätsleitung mit, diese Einschätzung zu teilen und Graffiti wie „ACAB/1312“ („All Cops are Bastards“) grundsätzlich entfernen zu wollen. In der Praxis bestehen jedoch erhebliche Zweifel an der Konsequenz dieser Haltung der Verantwortlichen. Der weitläufige Campus ist schließlich seit Monaten von ACAB- beziehungsweise 1312-Graffiti geprägt, ohne dass diese bislang entfernt wurden.

Politische Debatten an der Ruhr Universität Bochum sorgen für Kritik

Dass grundsätzlich Kapazitäten zur Beseitigung vorhanden sind, zeigte sich erst kürzlich an einem markanten Beispiel. Innerhalb weniger Tage wurde ein Schriftzug mit dem Inhalt „USA <3 AFD <3 Israel“ unkompliziert entfernt. Mehrere nur wenige Meter entfernte ACAB-Graffiti blieben hingegen ohne ersichtlichen Grund bis heute bestehen. FDP Bochum, JuLis Bochum und die LHG RUB fordern die Ruhr-Universität Bochum daher auf, nicht länger mit zweierlei Maß zu messen. Extremismus auf dem Campus muss konsequent begegnet werden – unabhängig davon, um welche Form es sich handelt.

„Unsere Polizei leistet jeden Tag einen wichtigen Einsatz für den Schutz unseres Rechtsstaats. Solche Parolen haben weder an einem Ort der Bildung noch anderswo etwas verloren“, erklärt Léon Beck, Vorsitzender der FDP Bochum.

„Die Ruhr-Universität darf Extremismus nicht selektiv behandeln. Wenn extremistische Inhalte entfernt werden, muss dies unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung konsequent geschehen. Alles andere untergräbt die Glaubwürdigkeit der Universität“, sagt Max Brückner, Vorsitzender der JuLis Bochum.

Stadtplanung in Bochum Wattenscheid steht vor dem großen Scheitern

„Es ist richtig, dass die Universität entschieden gegen Rechtsextremismus vorgeht. Umso bedauerlicher ist es, wenn bei linksextremen Parolen ein anderer Maßstab angelegt wird. Sowohl Rechts- als auch Linksextremisten stehen im Widerspruch zu unserem Rechtsstaat und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, erklärt Emma Sehner, Vorsitzende der LHG RUB.

Währenddessen sorgt ein anderes Thema im Stadtteil Wattenscheid für massiven Unmut und politische Diskussionen. Das Nein zur Neugestaltung des August-Bebel-Platzes ist ein Bekenntnis zur Trost- und Ideenlosigkeit. Die Bezirksvertretung Wattenscheid will sich gegen eine zeitgemäße Gestaltung des ABP aussprechen. Die dafür veranschlagten 19 Mio. werden dann voraussichtlich nicht in WAT-Mitte, sondern in Bochum investiert. Warum will Wattenscheid unbedingt den Wettbewerb „Scheußlichster Platz Europas“ gewinnen und das negative Image vertiefen?

Umstrittene BOGESTRA Verkehrsachsen spalten den August Bebel Platz

Der erste Eindruck zählt, sagt man im Volksmund recht treffend. Und wer nach Wattenscheid kommt, sieht regelmäßig als erstes den August-Bebel-Platz (ABP), hat genug gesehen und will gleich wieder weg. Eigentlich ist der Platz auch kein Platz, sondern nur eine überdimensionierte deprimierend trostlose grauasphaltierte Kreuzung. Sind städtische Plätze sonst in Europa zentrale Elemente der Stadtgestaltung, die maßgeblich zur Lebensqualität beitragen, der Identifikation, als Treffpunkt und Mittelpunkt städtischen Lebens dienen, ist für zu viele Menschen in Wattenscheid ein Platz nicht mehr als ein Durchgangsort. Und der muss nur eine Qualität besitzen, man muss ihn möglichst schnell mit dem Auto überqueren und sein Auto drauf abstellen können.

Weitergehende Ansprüche z.B. an Gestaltung oder Aufenthaltsqualität bestehen nicht. Allerdings prägt kein Platz das Zentrum von Wattenscheid so wie der August-Bebel-Platz. Er ist der zentrale Kontenpunkt und das Entrée zur Innenstadt. Der Eingangsbereich einer Stadt sollte deren Visitenkarte sein. Er soll Menschen einladen, neugierig machen und anlocken. Doch der ABP ist nicht einladend. Er stößt Menschen ab. Denn er ist leider genau so wenig vorzeigbar, wie der Rest dessen, was vor Jahren mal als City von Wattenscheid galt.

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