
Politischer Aschermittwoch bei den Grünen im Bochumer Norden
(c) Christian Schnaubelt
Schulen und Sportverein aus Gerthe appellieren beim 31. Politischen Aschermittwoch der Grünen im Bochumer Norden für eine rasche Lösung, da die Raumkapazitäten ausgeschöpft seien und bereits jetzt die Schwimmfähigkeiten der Schüler nachlasse.
„Braucht der Bochumer Norden ein neues Schwimmbad?“, diese Frage stand im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung der Aschermittwoch, 18. Februar, im Bochumer Kulturrat in Gerthe. Der Veranstalter – die Grünen im Bochumer Norden – setzen sich seit 2021 für den Bau eines zusätzlichen (Lehr-) Schwimmbeckens in der Bezirksvertretung Nord sowie seit 2023 auch im Schulausschuss der Stadt Bochum ein. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertreter der Anne Frank Realschule, des Heinrich von Kleist – Gymnasium als auch des TV Gerthe Sportvereins wurde die aktuelle Lage des (Schwimm-) Sports im Bochumer Norden diskutiert. Dabei wurden von allen Beteiligten – auch von Bürgerinnen und Bürgern – ein „Nachholbedarf“ für den Norden benannt.
Sportstättenbedarfsplanung sieht Handlungsbedarf im Bochumer Norden
Auch die Stadt Bochum bestätigt in der „Sportstättenbedarfsplanung“ aus dem Jahr 2024 Handlungsbedarf im Stadtbezirk Nord. Dieser bezieht sich einerseits auf die Sportflächen, so dass der Neubau einer Dreifachturnhalle im Norden empfohlen wurde. Andererseits belegte die Untersuchung, dass der Bochumer Norden die längsten Fahrzeiten zu Schwimmmöglichkeiten habe und die schlechteste Quote bei der Einhaltung der 15 Minuten Quote für die Anfahrt zu Schwimmmöglichkeiten. Zumal es im Stadtbezirk Nord nur ein veraltetes – und zu kleines – Lehrschwimmbecken im Stadtteil Kornharpen, aber kein Frei- oder Hallenbad mit der vorgeschriebenen 25- / 32 Meter Länge.
„Wir können daher die Vorgaben nicht einhalten“, machte Christina Werner-Wellmann, Schulleiterin der Anne Frank Realschule in Gerthe in der Diskussion im Bochumer Kulturrat klar deutlich. Aktuell habe man eine Übergangslösung mit dem Schwimmbad des „Blau-Weiß“ im Stadtbezirk Mitte gefunden, welche aber lange Anfahrtszeiten bedinge und erst seit kurzem auch bei Regen durch eine Überdachung genutzt werden könne. Werner-Wellmann betonte ferner, dass sie die „Einsicht“ der Stadtverwaltung erkenne, diese Situation zu verbessern. Dies beziehe sich auch auf die Sportzeiten, die „sehr knapp“ bemessen seien, „vor allem da die Schülerinnen- und Schülerzahlen steigen.“
Daniel Savelsbergh-Netz, Sportlehrer am Heinrich von Kleist – Gymnasium und neues Vorstandsmitglied des TV Gerthe, betonte am Aschermittwoch in Gerthe, dass die Problematik an der benachbarte HvK – Schule noch größer sei. Neben dem Bedarf an zusätzlichen Unterrichtsräumen (12 – Anmerkung der Redaktion) seien vor alle Sport- und Schwimmzeiten Mangelware. Aktuell könne man sich nur behelfen, in dem alle Sportzeiten für Schwimmen zusammengelegt werden, „um bis zu 70 Minuten im Wasser sein zu können. Dann ist aber kein anderer Sport mehr im Schuljahr möglich“. Erschwerend kommen die „sehr langen“ Fahrzeiten hinzu, um die Schwimmbäder in anderen Stadtbezirken zu erreichen. Auch in den Nachbarkommunen, wie Herne, stehen aktuell keine Kapazitäten zu Verfügung, so Savelsbergh-Netz, der im Hinblick auf den Schulsport ergänzte: „Aktuell behelfen wir uns durch eine Mitnutzung der Sporthalle am Ehrenmal in Gerthe, allerdings nur im geringen Maße zwei Mal pro Woche.“
Schulen und Sportverein bemängeln Anstieg der „Nichtschwimmer“
Sowohl die beiden Schulen des Schulzentrums Gerthe als auch der Sportverein TV Gerthe bemängeln, dass die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die nicht schwimmen könne, steige. Auch die Angebote der Vereine zum Erlenen des Schwimmens seinen „überfüllt“ und die Vereine können dem Bedarf nicht gerecht werden, da neben Schwimmflächen auch Geld für die Bereitstellung von Übungsleitern fehle. Die Stadt Bochum stelle den Schulen zwar zum Teil “Schwimmhelfer“ zur Verfügung, um die steigende Zahl von Schwimmerinnen und Schwimmern im Wasser zu beaufsichtigen“, aber gerade im Bochumer Norden bestehe ein „Nachholbedarf“. Dies bestätigten am Aschermittwoch im Bochumer Kulturrat auch Bürgerinnen und Bürger, die z.B. auf fehlende oder nur begrenzte Schwimm- und Sportmöglichkeiten für Seniorbürger hinwiesen.
Ratsbeschluss für eine Dreifachturnhalle in Gerthe
Der Rat der Stadt Bochum hat im letzten Jahr „grünes Licht“ für den Bau einer neuen Dreifachturnhalle im Bochumer Norden getroffen. Hintergrund war der Sportstättenbedarfsplan aus 2024, der ein deutliches Defizit im Stadtbezirk Nord belegte. Die neue Sporthalle mit drei Unterrichtsräumen sollen im Umfeld des Schulzentrum Gerthe entstehen. Die genaue Lage wird derzeit von der Stadtverwaltung geprüft, wie Fabian Krömling, planungspolitischer Sprecher der Grünen im Rat der Stadt Bochum, am Aschermittwoch in Gerthe betonte. Dabei werden laut Krömling auch Flächen im angrenzenden Gewerbegebiet Gerthe-Süd (neben der Feuerwehrwache, Anm. der Redaktion) geprüft.
Machbarkeitsstudie für Schwimmbad in Gerthe
Wie die Stadtverwaltung in der Januar 2026 – Sitzung der Bezirksvertretung Nord mitteilte, wird derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt, inwieweit ein Schwimmbad in die Planung der neuen Dreifachturnhalle am Schulzentrum Gerthe integriert, werden können? Christina Werner-Wellmann von der Anne Frank Realschule sagte am Aschermittwoch, dass sie dort ein „Dilemma“ sieht: Einerseits sei eine neue Schwimmfläche in Gerthe begrüßenswert, anderseits würde dadurch die Planung der neuen Turnhalle wahrscheinlich verzögert. Sowohl die Realschule als auch das Gymnasium am Schulzentrum Gerthe setzen sich für eine „schnelle Lösung“ ein, die auch mehrstufig (z.B. erst Bau einer Turnhalle, spätere Erweiterung um das Schwimmbad“ erfolgen könnte.
Michael Braß, Schulleiter des HvK-Gmynasiums, betonte kurz nach der Veranstaltung im Bochumer Kulturrat, dass die Schule die zusätzlichen Sport- und Schwimmmöglichkeiten „dringend benötigt und am besten so schnell wie möglich“. Der geplante Bau von drei zusätzlichen Unterrichtsräumen in der Turnhalle seien aus seiner Sicht „nicht notwendig“, da die Räumlichkeiten jetzt akut fehlen und im Jahr 2032 (anvisierter Termin der Stadt für die Bereitstellung der neuen Turnhalle, Anm. der Redaktion) wahrscheinlich nicht mehr benötigt werden. „Vielleicht beschleunigt dies die Planung“, so Michael Braß.
Die Veranstalter des „Politischen“ Aschermittwoch, die Grünen im Bochumer Norden, sagten am Ende der Diskussionsveranstaltung am Aschermittwoch im Bochumer Kulturrat zu, gemeinsam mit der Grünen Bezirksfraktion Nord und der Grünen im Ratsfraktion, sich weiterhin für den Bau eines Schwimmbades am Schulzentrum Gerthe einzusetzen. Dies sei der „beste Standort“ und gegenüber dem Alternativstandort am Rosenberg (den die Nordgrünen aber nicht grundsätzlich ablehnen) weiterhin klar vorzuziehen, wie Thomas Wedding, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bezirksvertretung Nord, per Antrag an das Gremium mitteilte.
Das Bochum-Journal wird über die weitere Entwicklung berichten, sobald die Machbarkeitsstudie vorliegt und / oder sich die Bezirksvertretung Bochum-Nord dem Thema erneut zuwenden wird.
