
Neues Haifischbecken?
(c) Sebastian Sendlak
Bürger gestalten die Zukunft des Zoos aktiv mit. Beim Auftakt von „Wir sind Zoodirektor“ gab es starke Ideen für neue Gehege und den regionalen Artenschutz.
Mit großem Interesse und zahlreichen konstruktiven Beiträgen ist die neue Bürgerbeteiligungsreihe „Wir sind Zoodirektor“ im Tierpark + Fossilium Bochum erfolgreich gestartet. Rund zwei Stunden lang nutzten interessierte Bürgerinnen und Bürger, Familien sowie Tierparkbesuchende die Gelegenheit, sich aktiv an der Zukunftsgestaltung des Bochumer Tierparks zu beteiligen und ihre Ideen für den „Zukunftsplan 2035 Tierpark + Fossilium Bochum“ einzubringen. Im Aquarienhaus begrüßte Zoodirektor und Geschäftsführer Ralf Slabik die Teilnehmenden zu einem offenen Dialog über die zukünftige Entwicklung des Tierparks. Ziel des neuen Veranstaltungsformats ist es, die Stadtgesellschaft frühzeitig in Planungsprozesse einzubeziehen und gemeinsam tragfähige Konzepte für die Zukunft des Tierparks zu entwickeln. Als Impulse für die Diskussion stellte das Tierpark-Team fünf mögliche Zukunftsprojekte vor.
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Tierpfleger Sebastian Manickam über den Wandel in Bochum
Sebastian Manickam (Tierpfleger im Tierpark + Fossilium Bochum) arbeitet seit 16 Jahren hier und blickt mit viel Herzblut auf seine tägliche Arbeit im Revier. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass sich der TP extrem verändert und wandelt sich jetzt wieder. Der engagierte Tierpfleger kennt die Tücken des Alltags im Zoo ganz genau. „Man kennt nur das eigene, und wird betriebsblind“, erklärt er ehrlich und fügt hinzu, dass der Input von außen gut sei.
Er stellt das Projekt einheimische Reptilien vor, das einen ganz neuen Fokus auf die Tierwelt vor unserer Haustür wirft. Das alte Terrarium mit einheimischen Schlangen muss abgerissen werden, da es nicht mehr den modernen Ansprüchen genügt. Sebastian Manickam macht deutlich, dass man für den Schutz der Natur nicht immer in die Ferne schweifen muss. „Vor der eigenen Haustür ist der Artenschutz auch wichtig“, betont der Experte mit Nachdruck.
Nachhaltige Zucht von Rungelnatzern im Tierpark Bochum
Die neue Anlage für die heimischen Kriechtiere soll in den Beeten entstehen und ein echter Hingucker für die Zoobesucher werden. Das Team möchte hier ein wichtiges biologisches Problem anpacken, das die aktuellen Bestände betrifft. Mit Ringelnattern soll gearbeitet werden, denn die eigenen Ringelnattern sind Hybriden. Die Pfleger wollen blutneutral mit der Zucht neu starten, um eine reine Linie für die Zukunft zu sichern.
Ein geplantes zweites Terrarium für Eidechsen oder Salamander wird die Anlage für die Besucher im Ruhrgebiet komplettieren. Die Haltungsbedingungen werden dabei exakt an die natürlichen Bedürfnisse der Tiere angepasst. Ringelnattern brauchen Wasser, weshalb ein schöner Teichbereich in die Planung integriert wird. Bei den Rundgängen im Zoo zeigen die Menschen schon jetzt eine große Neugier an den Tieren.
Umweltbildungszentrum und der Generationenwechsel im Ruhrgebiet
Besucher stellen Fragen, wie beispielsweise, wie Ringelnattern gefüttert werden. Im Tierpark bekommen sie Fisch, der bereits tot ist, was den Pflegealltag sehr effizient gestaltet. Das gesamte Projekt ist eng mit dem neuen Bildungsauftrag des Zoos verknüpft. „Wir hinterlassen den Kindern eine bessere Welt“, formuliert das Team die eigene Vision für das BNE-Zentrum. Genau dieser Gedanke ist der Ansporn für die Modernisierung.
Die Pädagogik im Zoo fruchtet bereits bei den jüngsten Besuchern und sorgt für tolle Momente im Tierparkalltag. „Kinder erklären Eltern etwas“, freut sich das Team über die erfolgreiche Wissensvermittlung auf Augenhöhe. Es gibt öffentliche Gelder dafür, viele Auflagen müssen erfüllt werden, was für die Planung eine kleine bürokratische Herausforderung darstellt. Der Tierpark erfüllt diese aufgrund des eigenen Standards glücklicherweise an allen Stellen. Hier wird allerdings alles in Eigenleistung gut umgesetzt, was den Zusammenhalt der Belegschaft stärkt.
Visionen für das große Riffbecken mit 170 000 Litern
In der modernen Zoowelt wird nicht in kurzen Zeiträumen gedacht. „In Artenschutz wird in 100 Jahren gedacht“, erklärt die Zooleitung die langfristige Philosophie des Hauses. Das zeigt sich auch im Aquarienhaus, wo ein gewaltig großes Riffbecken 170 000 Liter Wasser fasst. Bis 2017 schwammen noch zwei Schwarzspitzenhaie in diesem riesigen Becken und begeisterten die Bochumer. Die Raubfische wurden mit dem Targettraining trainiert, was für Mensch und Tier ein großer Gewinn war.
Die Haie waren gut trainiert, sodass bei den täglichen Übungen im Wasser alles geklappt hat. Durch diese enge Beschäftigung hat sich das Verhältnis zwischen Tierpflegern und Haien verbessert. Nun steht dieses Herzstück des Aquariums vor einer gewaltigen Transformation. Soll ein Haifischbecken werden, das eine völlig neue Unterwasserlandschaft abbildet. Alles soll raus, was stört, um Platz für die neuen Bewohner und eine zeitgemäße Technik zu machen.
Neue Haie und Rochen im Zukunftsplan 2035 für Bochum
Anemonenfische, Haie und Rochen sollen einziehen und das Becken mit neuem Leben füllen. Die Verantwortlichen wollen auch Meeresschildkröten aufnehmen, die verletzt sind und nicht mehr ausgewildert werden können. Für das richtige Südsee-Gefühl und die optimale Wasserqualität mitten im Ruhrgebiet wird gesorgt. Von der Adria soll eine Pumpe kommen, um die marinen Bedingungen perfekt zu simulieren. Die Schildkröte soll Geschichte erzählen: Geisternetzte, Überfischung, Meeresverschmutzung, um die Menschen für den Umweltschutz zu sensibilisieren.
Es soll Beschäftigungsmaterialien geben, eine Strömungsanlage, damit die Fische aktiv bleiben und sich rundum wohlfühlen. Für den anstehenden großen Umbau kommen die Fische in einen anderen Zoo, wo sie artgerecht untergebracht werden. „Wir haben viele Fische aus privater Haltung bekommen“, sagt Manickam.
Beschäftigung für Haie und seltene Seidenspinnen im Aquarienhaus
„Tiere müssen das haben, was sie benötigen“, lautet das unumstößliche Credo der Bochumer Tierpfleger. Und vor allem Platz zum Schwimmen ist für die Meeresbewohner der wichtigste Faktor bei der Neugestaltung. Andere Rifffische sind geplant, um das Ökosystem im Becken sinnvoll zu ergänzen. Wie Makrelen sollen bald im Schwarm durch das tiefe Wasser ziehen. Schwarmfische sind ebenfalls angedacht, um ein dynamisches und natürliches Bild zu erzeugen.
Sogar an die geistige Auslastung der großen Meeresräuber haben die Planer im Tierpark gedacht. Haie finden Spielzeuge wie Kunsttang, Bojen oder Kunstkorallen interessant – alles, was für viel Abwechslung im Becken sorgt. Ein Blick hinter die Kulissen im Aquarium zeigt das effektive Arbeiten, damit die Aquarien/Terrarien ansehnlich bleiben.
Der nächste Termin der Bürgerbeteiligungsreihe „Wir sind Zoodirektor“ findet am Freitag, 24. Juli, von 17 bis 19 Uhr statt.
