
Chefin des Papageienparks: Heike Mundt
(c) Sebastian Sendlak
Ein rundes Jubiläum blickt auf vier Jahrzehnte voller bunter Geschichten und leidenschaftlichem Tierschutz mitten im Ruhrgebiet zurück. Gründerin Heike Mundt lädt am kommenden Sonntag zu einem großen Fest ein.
Was vor 40 Jahren mit einem einzigen, geretteten Graupapagei begann, hat sich längst zu einer bundesweit einzigartigen Institution für den Vogelschutz entwickelt. Heike Mundt, die den Papageienpark Bochum als Geschäftsführerin leitet, wurde erst durch eine Urkunde ihres Verbandes auf das runde Jubiläum aufmerksam gemacht. Aus der spontanen Idee, bei Kaffee und Kuchen mit dem Team anzustoßen, ist mittlerweile ein großes Event für Sonntag, den 7. Juni 2026, erwachsen. So öffnet die weitläufige Anlage ihre Tore für Besucher, Vogelfreunde und offizielle Gratulanten aus der Kommunalpolitik.
Großer Andrang im Papageienpark Bochum an der Stadtgrenze
Das Festprogramm am Sonntag startet um 10 Uhr und bietet den Gästen neben kulinarischen Angeboten aus der großen Grillanlage im Garten auch exklusive Einblicke in die Arbeit vor Ort. Neben Informationsständen der parkeigenen, gemeinnützigen Papageien-Notresidenz e.V. und dem Fonds für bedrohte Papageien reist extra der Tiermediziner Dr. med. vet. Friedrich Janeczek aus München an, um in mehreren Sessions Fragen zu Haltung, Ernährung und Krankheiten zu beantworten. Die Führungen durch die Ara-Anlage, in der die Lebensgeschichten der vielen Abgabetiere erklärt werden, sind für diesen Tag allerdings ebenso wie die Slots im angeschlossenen Papageien-Café bereits restlos ausgebucht. Als offizielle VIPs werden unter anderem der Bochumer Oberbürgermeister Jörg Lukat sowie hochrangige Verbandsfunktionäre wie BGF-Geschäftsführer Gordon Bonnet erwartet.
„Und es wurde immer größer, immer mehr“, erinnert sich Heike Mundt schmunzelnd an die Eigendynamik der Festplanung, die sich in ihrem Umfeld rasch verselbstständigte.
Hinter dem heutigen Erfolg des Parks steckt eine jahrzehntelange Entwicklung, die für die gelernte Arzthelferin einst in der Aquaristik und mit einem kleinen Zierfischgeschäft begann. Nach der Entdeckung des ersten Papageis beim Aquaristik-Großhändler im Jahr 1986 verlagerte sich der Fokus der Tierretterin jedoch schnell und konsequent auf die anspruchsvollen Vögel. Nach Stationen in Westerholt fand sie schließlich auf dem bepflanzten Gelände in Bochum die perfekte Heimat für ihr Lebenswerk. Heute führt sie die Anlage mit großem Herz, viel Fleiß und der Unterstützung treuer Mitarbeiter, die sich an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr um das Wohl der Tiere kümmern.
Artgerechte Haltung und wichtige Zuchtprojekte im Ruhrgebiet
Ein zentraler Pfeiler der täglichen Arbeit im Revier ist die Aufklärung über die artgerechte Haltung von Papageien, die Heike Mundt stets mindestens zu zweit in Innen- und Außenanlagen propagiert. Im Gegensatz zu vielen Tierheimen nach der Pandemie blieb dem Bochumer Park eine große Rückgabewelle erspart, da unüberlegte Spontankäufe während des Homeoffices durch eine strikte und ehrliche Beratung im Vorfeld konsequent verhindert wurden. Neben dem sogenannten Grooming, also der Pflege von Schnäbeln und Krallen, widmet sich der Park heute intensiv wissenschaftlichen Zuchtprojekten, um bei seltenen Arten wie den Ecuador-Amazonen gegen den gefährlichen genetischen Flaschenhals anzukämpfen. Bedeutet: Es werden neue Blutlinien gezüchtet, um eine Inzucht bei Vögeln zu vermeiden. Diese wertvollen Vögel verbleiben in der Institution und dienen in Kooperation mit internationalen Züchtern und lokalen Behörden dem globalen Artenschutz.
„Wir halten seinen Flächenkern sehr fortschreitend ein“, betont die Expertin mit Blick auf den enormen Aufwand, den die Pflege der sensiblen Tiere jeden Tag fordert.
Ein weiteres, ernstes Thema im Ruhrgebiet bleibt das Entfliegen von Vögeln, das laut Mundt oft durch fehlende Schleusen an Außenvolieren oder das riskante Tragen der ungesicherten Tiere auf der Schulter im Freien verursacht wird. Zusammen mit ehrenamtlichen Helfern werden entflogene oder illegal ausgesetzte Tiere in der Region semiprofessionell wieder eingefangen und im Park medizinisch versorgt. Für die Zukunft wünscht sich die Gründerin vor allem mehr Fördermitglieder für den vor eineinhalb Jahren gegründeten Tierschutzverein, Papageien Notresidenz e.V., damit das europaweit einzigartige Papagen-Tierheim mit seinen Großpapageien auch langfristig ohne sie fortbestehen kann. An den Ruhestand denkt die leidenschaftliche Bochumerin jedenfalls noch lange nicht und möchte ihr Lebenswerk bis zum letzten Tag fortführen.
