Beitrag: Barrierefreiheit im Bermuda3Eck: Bochum eröffnet erste „Toilette für alle“
„Toilette für Alle“ am KAP

(c) Sebastian Sendlak

Ein Meilenstein für die Inklusion: Im Herzen der Bochumer Ausgehmeile wurde die erste „Toilette für alle“ eingeweiht. Das Projekt bietet Menschen mit schweren Behinderungen eine Infrastruktur, die weit über den Standard gewöhnlicher Behindertentoiletten hinausgeht.

Lange wurde geplant, nun ist es Realität: Am Südcap des Bermuda3Ecks steht ab sofort ein barrierefreies Angebot zur Verfügung, das Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Oberbürgermeister Jörg Lukat bezeichnete die Eröffnung als deutliches Signal für eine inklusive Stadtgesellschaft: „Wir sind eine Gemeinschaft, die letztendlich an alle denkt und alle mitnimmt.“ Das Pilotprojekt der Bochum-Strategie soll sicherstellen, dass Menschen mit Handicap und ihre Begleitpersonen Festivitäten im Bermuda3Eck unbeschwert genießen können.

Ein Konzept über dem DIN-Standard

Die „Toilette für alle“ unterscheidet sich maßgeblich von herkömmlichen barrierefreien WCs. Victoria Michel, Sprecherin der „Arbeitsgemeinschaft Behinderte in Bochum“, betont, dass herkömmliche Lösungen für viele Menschen oft nicht ausreichen. Damit eine Anlage diesen geschützten Namen tragen darf, muss sie ein feststehendes Konzept erfüllen:

  • Höhenverstellbare Pflegeliege: Ermöglicht eine rückenschonende Versorgung durch Begleitpersonen.

  • Personen-Lifter: Ein Deckenlifter hilft beim sicheren Transfer vom Rollstuhl auf die Toilette oder Liege.

  • Anpassbare Ausstattung: Dazu gehören unterfahrbare und höhenverstellbare Waschbecken sowie ausreichend Platz für Manöver mit dem Rollstuhl.

  • Hygienische Standards: Die Anlage ist an das städtische Kanal- und Frischwassernetz angeschlossen.

Lange Planungsphase und starke Partnerschaften

Der Weg bis zur Eröffnung war weit. Erste Bedarfsabfragen starteten bereits vor etwa 15 Jahren, ein entsprechender Ratsbeschluss datiert aus dem Jahr 2013. Gaby Schäfer, die den Prozess politisch begleitete, hob hervor, dass Inklusion oft an ganz konkreten Dingen des Alltags scheitert. „Es ist schön, dass es jetzt in der Form umgesetzt wird“, so Schäfer, die gleichzeitig fordert, dass weitere Standorte wie das künftige „Haus des Wissens“ folgen müssen.

Für den laufenden Betrieb konnte die Mandragora GmbH als Partner gewonnen werden. Julian Kruse, Geschäftsführer der Mandragora, erklärte die Motivation für die Kooperation mit der teils schwierigen baulichen Substanz der umliegenden Gastronomie: „Es kann nicht sein, dass Menschen mit Behinderung keine Toiletten benutzen können“. Sein Team übernimmt die tägliche Reinigung und kleine Wartungsarbeiten vor Ort.

Zugang und Nutzung

Die Toilette ist über den in Deutschland üblichen Euroschlüssel zugänglich, den Menschen mit entsprechenden Beeinträchtigungen besitzen, um barrierefreie Anlagen nutzen zu können. Trotz des Slogans „Toilette für alle“ handelt es sich um ein spezialisiertes Angebot für Menschen mit Behinderung und deren Assistenz, um die notwendige Hygiene und Verfügbarkeit zu gewährleisten.

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