Beitrag: Braucht Bochum ein 11. Gymnasium?
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(c) Sebastian Sendlak

Die Stadt Bochum treibt die Planungen für ein 11. Gymnasium weiter voran. Nach aktuellen Beschlussvorlagen der Verwaltung soll die neue Schule künftig am Standort „Am Kulturgleis/City-Tor Süd“ entstehen. Die endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus: Zunächst müssen mehrere Ausschüsse sowie der Rat der Stadt über das Vorhaben beraten und abstimmen.

Damit rückt ein Projekt in den Fokus, das nicht nur bildungspolitisch, sondern auch städtebaulich und finanziell erhebliche Auswirkungen hätte. Denn Bochum verfügt bereits heute über eine vergleichsweise hohe Zahl an Gymnasien. Aktuell gibt es im Stadtgebiet zehn Gymnasien, sechs Gesamtschulen, fünf Realschulen und zwei Hauptschulen.

Stadt sieht zusätzlichen Bedarf an Gymnasialplätzen

Grundlage der Planungen ist die Schulentwicklungsplanung der Stadt Bochum. Dort wurde ein zusätzlicher Bedarf an gymnasialen Schulplätzen festgestellt. Nach Angaben der Verwaltung reichen die vorhandenen Kapazitäten perspektivisch nicht mehr aus, weshalb die Gründung eines weiteren Gymnasiums zum Schuljahr 2027/2028 vorgesehen ist.

Bereits 2024 hatte der Ausschuss für Schule und Bildung einen entsprechenden Bedarf festgestellt. Ursprünglich war geplant, das neue Gymnasium an den bisherigen Standorten der Gesamtschule Bochum-Mitte an der Feldsieper Straße und der Gahlenschen Straße aufzubauen. Diese Lösung galt jedoch zunehmend als problematisch.

Die beiden Standorte liegen rund 1,3 Kilometer voneinander entfernt. Zudem wären umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten notwendig geworden. Hinzu kam Kritik der oberen Schulaufsicht, die insbesondere die Aufteilung auf zwei Standorte sowie die begrenzten Schulhof- und Pausenflächen kritisch bewertete.

City-Tor Süd als neuer Favorit

Inzwischen favorisiert die Verwaltung daher den Standort City-Tor Süd beziehungsweise „Am Kulturgleis“. Möglich wurde das erst Anfang 2026, nachdem ein ursprünglich vorgesehenes Hotel- und Büroprojekt dort nicht realisiert wurde und die Fläche wieder an die Stadt zurückfiel.

Das Areal liegt innenstadtnah zwischen Konrad-Adenauer-Platz, Königsallee und der Bahnstrecke Essen–Bochum. Die Verkehrsanbindung gilt als günstig: Hauptbahnhof, U-Bahn, S-Bahn und Buslinien befinden sich in fußläufiger Entfernung.

Allerdings müsste zunächst der bestehende Bebauungsplan geändert werden. Der Bereich ist derzeit als Kerngebiet für Handel, Verwaltung und wirtschaftliche Nutzung ausgewiesen – nicht für eine Schule. Die Verwaltung plant deshalb eine Anpassung des Planungsrechts.

Schule soll zunächst in Containern starten

Da die Zeit bis zum geplanten Start im Schuljahr 2027/2028 knapp ist, soll das Gymnasium zunächst in Interimscontainern entstehen. Geplant ist ein mehrstufiges Vorgehen.

Zunächst sollen Containeranlagen für die ersten beiden Jahrgänge sowie Verwaltungsräume errichtet werden. In einem zweiten Schritt würden weitere Jahrgänge ergänzt. Parallel dazu soll langfristig ein kompletter Schulneubau in Modulbauweise entstehen.

Die Verwaltung betont, dass das neue Gymnasium dadurch von Beginn an an einem einzigen Standort wachsen könne – anders als bei der zuvor diskutierten Lösung mit zwei getrennten Gebäuden.

Kosten von rund 90 Millionen Euro erwartet

Finanziell handelt es sich um eines der größten aktuellen Schulbauprojekte der Stadt. Nach ersten Prognosen belaufen sich die Kosten für den Neubau auf rund 90 Millionen Euro. Hinzu kommen die Interimslösungen mit Containeranlagen, die weitere rund 22 Millionen Euro kosten könnten.

Die Verwaltung weist selbst darauf hin, dass die Kalkulationen noch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden seien. So fehlen bislang unter anderem vollständige Bodengutachten, Brandschutzkonzepte und konkrete Freiraumplanungen.

Auch langfristige Folgekosten würden entstehen. Der jährliche Abschreibungsaufwand könnte sich auf mehr als 2,5 Millionen Euro summieren, hinzu kämen erhebliche Zinskosten.

Diskussion um Schulformen dürfte weitergehen

Die Debatte um ein weiteres Gymnasium dürfte in Bochum politisch und gesellschaftlich kontrovers geführt werden. Während die Verwaltung auf steigende Schülerzahlen und hohe Nachfrage an Innenstadtgymnasien verweist, sehen Kritiker bereits heute ein deutliches Übergewicht gymnasialer Angebote gegenüber anderen Schulformen.

Zudem gilt der Standort City-Tor Süd seit Jahren als schwierig zu entwickeln. Mehrere Projekte konnten dort bislang nicht dauerhaft realisiert werden. Ob ein Schulcampus die Fläche langfristig beleben kann, bleibt offen.

Fest steht bislang nur: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. In den kommenden Wochen beraten zunächst Bezirksvertretung, Schulausschuss, Planungsausschuss und Hauptausschuss über die Vorlage. Die finale Entscheidung soll der Rat der Stadt Bochum am 18. Juni 2026 treffen.

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