Beitrag: Postkarte erinnert an ersten Bochumer Blumentag 1911
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Eine historische Postkarte im Stadtarchiv Bochum wirft einen Blick auf den ersten „Blumentag“ der Stadt und eine vergessene Wohltätigkeitstradition.

Das Stadtarchiv Bochum – Zentrum für Stadtgeschichte zeigt im Rahmen seiner Reihe „Schaufenster Stadtgeschichte“ im Mai eine besondere Postkarte aus dem Jahr 1911. Sie stammt vom ersten Bochumer Blumentag und ist ab sofort in den Räumen an der Wittener Straße 47 zu sehen.

Die monatliche Präsentation stellt jeweils ein ausgewähltes Objekt aus den Archivbeständen vor und gibt Einblicke in die vielfältige Stadtgeschichte Bochums. Der Eintritt ist frei.

Humorvolle Postkarte mit historischem Hintergrund

Die gezeigte Postkarte vom 15. Mai 1911 trägt den ironisch gemeinten Titel „Opfer der Wohltätigkeit“. Sie zeigt zwei Männer, die offenbar durch übermäßige Spendenbereitschaft „unter Blumen begraben“ wurden – eine satirische Darstellung des damaligen Ereignisses.

Der sogenannte Blumentag war ein wohltätiges Großereignis, bei dem Kunstblumen gegen Spenden verkauft wurden. Organisiert wurde er von bürgerlich-konservativen und militärnahen Kreisen, unter anderem dem Kreiskriegerverband Bochum Stadt sowie mehreren Frauenvereinen.

Großes Volksfest mit Sammelaktion

Der erste Bochumer Blumentag fand am 14. Mai 1911 statt und war Teil eines europaweiten Trends solcher Wohltätigkeitsaktionen. In Bochum beteiligten sich Helferinnen und Helfer, die durch Abzeichen und Sammelbüchsen erkennbar waren, am Verkauf von Margeriten.

Der Mindestpreis pro Blume betrug zehn Pfennig. Insgesamt kamen damals rund 35.000 Mark zusammen – nach heutiger Kaufkraft etwa 240.000 Euro. Die Einnahmen wurden für Veteranen und Bedürftige verwendet.

Kritik und historischer Kontext

Zeitgenössisch waren die Blumentage jedoch nicht unumstritten. Vor allem aus Arbeiter- und Gewerkschaftskreisen wurden sie als paternalistisch und wenig wirksam kritisiert.

Auch der Schriftsteller Kurt Tucholsky setzte sich bereits 1911 satirisch mit dem Phänomen auseinander und machte sich in seinem Gedicht „Blumentag“ über die damaligen Spendenaktionen lustig.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verloren die Blumentage an Bedeutung. Nach 1918 wurden sie zwar vereinzelt wieder aufgenommen, konnten jedoch nicht mehr an ihre frühere Popularität anknüpfen und verschwanden schließlich aus dem öffentlichen Leben.

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