Beitrag: Bochum und Herne starten Projekt für Auszubildende aus Brasilien
Christopher Meier (Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum) Dr. Frank Dudda (Oberbürgermeister Stadt Herne) und Jörg Lukat (Oberbürgermeister Stadt Bochum) bei der Pressekonferenz zum Ausbildungsmarkt-Projekt

(c) Sebastian Sendlak

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzen Bochum und Herne auf internationale Talente. Eine neue Ausbildungspartnerschaft bringt junge Menschen aus Brasilien ins Ruhrgebiet.

Die Städte Bochum und Herne gehen bei der Fachkräftesicherung neue Wege und stärken ihre interkommunale Zusammenarbeit. In einer gemeinsamen Initiative werben die beiden Ruhrgebietsstädte gezielt Auszubildende aus Brasilien an, um dem demografischen Wandel und dem daraus resultierenden Personalmangel zu begegnen. Allein in Bochum werden in den kommenden Jahren rund 20 Prozent der Belegschaft – etwa 1.000 Mitarbeitende – altersbedingt ausscheiden. In Herne müssen bis zum Jahr 2030 sogar rund 650 Stellen neu besetzt werden. Dieses Modellprojekt soll nun zeigen, wie die Anwerbung ausländischer Fachkräfte nachhaltig gelingen kann.

Ausbildungspartnerschaft als Antwort auf den Mangel

Das Projekt startet zunächst mit sechs jungen Menschen aus São Paulo, die ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Deutschland verlegen wollen. Die Auswahl der Teilnehmenden ist über ein digitales Verfahren erfolgt, auf das sich rund 160 Interessierte beworben haben. Die angehenden Fachkräfte werden in verschiedenen Bereichen ausgebildet, darunter in der Informationstechnik, der Kinderpflege sowie in technischen Berufen bei den Stadtwerken Herne und der HCR. Christopher Meier, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum, erklärt: „Wir werden es ohne Personen, wie zum Beispiel die sechs Personen aus São Paulo, werden wir die Lücke nicht schließen können.“

Oberbürgermeister Jörg Lukat führt dazu aus, dass man angesichts der rückläufigen Bewerberzahlen im heimischen Markt auf Unterstützung von außen angewiesen sei: „Wir kommen nicht aus, ohne dass Menschen von woanders kommen, dann gerne halt, dass wir es mitsteuern.“ Besonders im Bereich der Kinderpflege sei der Bedarf in Bochum derzeit besonders groß. Die Stadt bereitet sich intensiv darauf vor, die neuen Kollegen nicht nur fachlich, sondern auch persönlich im Quartier aufzunehmen. Lukat sieht in der Kooperation mit Herne keinen Wettbewerb, sondern ein gemeinsames Ziel zur Stärkung der gesamten Region.

Integration durch Sprache und Begleitung

Ein entscheidender Erfolgsfaktor des Modellprojekts ist die intensive sprachliche Vorbereitung der Auszubildenden vor ihrer Einreise. Die Jugendlichen lernen bereits in Brasilien am Goethe-Institut Deutsch und erreichen dort ein Sprachniveau von B1. Nach ihrer Ankunft in Deutschland Anfang Juni absolvieren sie einen weiteren Intensivkurs, um zum Ausbildungsstart im September das Niveau B2 vorweisen zu können. Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne, weist auf die Notwendigkeit dieser Maßnahme hin: „Man kann sich nicht vorstellen, was das für ein konjunkturischer Verfahrensschritt ist. Also das Angebot besteht ja nur dann sinnvollerweise, wenn Sprachkenntnisse vorhanden sind.“

Dudda sieht in dem Projekt einen wichtigen Aufschlag, der als Vorbild für andere Branchen und Unternehmen dienen könnte. Er merkt an, dass es viel Arbeit bedeute, einen solchen „neuen Kanal“ für Fachkräfte zu legen, sich der Aufwand aber angesichts der nackten Zahlen lohne. Man wolle Bochum und Herne als attraktive Arbeitgebermarken etablieren, die über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen werden. „Dass Fachkräftesicherung Chefsache ist, das sieht man daran, dass beide Stadtoberhäupter, beide Oberbürgermeister da sind“, ergänzt Christopher Meier. Die gezielte Unterstützung soll sicherstellen, dass die Ausbildungspartnerschaft für beide Seiten ein Erfolg wird.

Auf Social Media teilen