
Stolpersteine erinnern an die Familie Gottschalk in Bochum
(c) Christian Schnaubelt
„Erich Gottschalk war Fußballer in einem der Gründungsvereine des VfL Bochum, des TUS 48 Bochum. Als Jude wurde er aus dem Verein ausgeschlossen und spielte nur noch beim jüdischen Verein Hakoah/Schild Bochum. 1938 wurde dieser Verein mit ihm als Spielführer Deutscher Meister der letztmals ausgespielten Meisterschaft der jüdischen Vereine in Deutschland.“ Dies recherchierten Schülerinnen und Schüler des Geschichtsleistungskurses der Erich-Kästner-Schule. Und auch Schülerinnen und Schüler der Goethe-Gesamtschule recherchierten zur Lebensgeschichte von Erich Gottschalk. Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus in der Luisenstraße 15 in Bochum erinnern daran (s. Beitragsbild).
Erinnerungsrundgang vom Fanprojekt Bochum
Florian Kovatsch (pädagogische Projektsteuerung des Fanprojekts für das Jugendamt Bochum) führte am 02. November den Erinnerungsrundgang durch die Bochumer City durch, an dem trotz Regenwetter viele Menschen teilnahmen. Als besondere Gäste waren Paul und Anna van de Vooren aus der Familie von Erich Gottschalk aus Holland angereist und wurden durch Oberbürgermeister Jörg Lukat am ehemaligen Wohnhaus der Familie Gottschalk in der Luisenstraße 15 willkommen geheißen. Die Familie van de Vooren zeigte sich berührt von der lebendigen Erinnerungskultur in Bochum.
Sport verbindet – damals wie heute
In der verheerenden Reichspogromnacht zerstörten die Nationalsozialisten die Synagoge in der Bochumer Innenstadt vollständig, während die jüdische Gemeinde damals 1.200 Mitglieder zählte. Heute zählt die jüdische Gemeinde wieder knapp unter 1.00 Mitglieder und die Synagoge an der Castroper Straße dient – in direkter Nähe zum Stadion – als Begegnungs- und Kulturort, wie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bochum, Grigory Rabinovich, betonte. Ein wichtiges Zeichen des Miteinanders war und sei der lokale Sport, führte Grigory Rabinovich weiterhin aus. Der Sportverein existiert seit 20 Jahren und zählt rund 100 Mitglieder. Bemerkenswert ist dabei seine integrative Kraft, denn 90 % sind nicht-jüdische Mitglieder.
Erinnerung an Dr. Otto Ruer
Bürgermeisterin Martina Schnell erinnerte vor dem Bochumer Rathaus an das Leben und Wirken von Dr. Otto Ruer, der von 1925 bis 1933 Oberbürgermeister der Stadt Bochum war und in dessen Zeit der Bau des heutigen Bochumer Rathauses fiel. Dr. Ruer, der aus einer jüdischen Arztfamilie stammt, wurde von den Nationalsozialisten diskreditiert, aus seinem Amt gedrängt, und verhaftet. Dr. Ruer beging zwei Tage vor seiner Rehabilitierung durch den Rat der Stadt Bochum Selbstmord.
Beim Erinnerungsrundgang wurde spürbar, welches unendliche Leid den Juden in Bochum zugefügt wurde und wie wichtig das Gedenken ist. Der Erinnerungsrundgang fand seinen Abschluss in der Bochumer Synagoge an der Castroper Straße.
Foto-Impressionen vom Erinnerungsrundgang am 02. November 2026 – (c) Christian Schnaubelt / Bochum-Journal












