
Rathaus Bochum
(c) Sebastian Sendlak
Seit acht Jahrzehnten prägen SPD-Oberbürgermeister Bochum. Das Jubiläum erinnert an den Neubeginn von 1946 und blickt auf den Wandel der traditionsreichen Revierstadt.
Am 30. Oktober 1946 wählt die Stadtvertretung Willi Geldmacher zum Oberbürgermeister und begründet damit eine seltene politische Kontinuität in Nordrhein-Westfalen. Seit mittlerweile acht Jahrzehnten tragen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ununterbrochen die Verantwortung an der Spitze des Bochumer Rathauses. Insgesamt acht Stadtoberhäupter begleiten die Revierstadt seither durch die Phasen des Wiederaufbaus, des Industriezeitalters und des Strukturwandels. Für die örtliche SPD bietet das Jubiläum den Anlass, an den demokratischen Neuanfang nach der NS-Diktatur zu erinnern. Zugleich würdigt die Partei das Wirken vieler Generationen, die Bochum und Wattenscheid geprägt haben.
Erinnerung an Dr. Otto Ruer und den demokratischen Neuanfang in Bochum
Der demokratische Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit gewesen. Bereits zwölf Jahre vor Geldmachers Amtsantritt zerstören die Nationalsozialisten die kommunale Selbstverwaltung und verfolgen freiheitliche Amtsträger. Besonders das Schicksal von Dr. Otto Ruer verdeutlicht die Brutalität jener Jahre. Der Politiker jüdischer Herkunft amtiert von 1925 bis 1933, ehe ihn die Machthaber verleumden, inhaftieren und im Juli 1933 in den Tod treiben.
Auch Wattenscheids Stadtoberhaupt Paul Ueberhorst wird 1933 seines Amtes beraubt und von den Nationalsozialisten verfolgt. Geldmacher übernimmt 1946 eine zerstörte Stadt, in der Wohnraum fehlt und Schulen neu entstehen müssen. Fritz Heinemann leitet ab 1952 eine Phase des Aufbruchs ein, die neue Perspektiven eröffnet. Mit dem Opel-Werk 1962 und der Eröffnung der Ruhr-Universität 1965 wächst Bochum weit über Kohle und Stahl hinaus.
Strukturwandel von Opel bis MARK 51°7 prägt das Bochumer Stadtbild
Unter Fritz Claus bereitet die Verwaltung die Neugliederung vor, die 1975 den Zusammenschluss von Bochum und Wattenscheid besiegelt. Heinz Eikelbeck begleitet danach fast zwei Jahrzehnte lang die Integration beider Städte sowie den einsetzenden Strukturwandel im Revier. Ernst-Otto Stüber forciert als erster hauptamtlicher Verwaltungschef den Wandel zur Kulturstadt, sichtbar am Ausbau der Jahrhunderthalle. Mit Dr. Ottilie Scholz übernimmt 2004 die erste Frau das Amt und setzt nach dem Opel-Aus auf die Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive 2022 sowie den Gesundheitscampus.
Thomas Eiskirch führt diese Transformation ab 2015 fort, indem er das Opel-Areal zum Innovationsstandort MARK 51°7 weiterentwickelt. Zudem eröffnet in seiner Amtszeit 2016 das Anneliese Brost Musikforum Ruhr als neues Kulturzentrum. Seit November 2025 steht mit Jörg Lukat das achte sozialdemokratische Stadtoberhaupt vor zentralen Aufgaben wie bezahlbarem Wohnen und wirtschaftlichem Wandel. Die Bergbaustadt Wattenscheid mit ihren früheren Oberhäuptern von Hermann Sievers bis Herbert Schwirtz bleibt dabei ein wichtiger Pfeiler der gemeinsamen Identität.
SPD Bochum sieht 80 Jahre Verantwortung als klaren Zukunftsauftrag
Für die Partei markieren die acht Jahrzehnte vor allem eine bleibende Verpflichtung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. „80 Jahre sozialdemokratische Oberbürgermeister in Bochum stehen für ein außergewöhnliches Kapitel unserer Stadtgeschichte“, erklärt Parteichef Serdar Yüksel. Er verweist darauf, dass diese Entwicklung das Gemeinschaftswerk engagierter Bürger, Unternehmen und Gewerkschaften sei. „80 Jahre sozialdemokratische Verantwortung sind für uns kein Anlass zur Selbstzufriedenheit“, betont Yüksel mit Blick auf die kommenden Herausforderungen. Das Vertrauen der Menschen sei kein Selbstläufer und müsse täglich durch verlässliche Kommunalpolitik neu erarbeitet werden.
