
Evangelische Stadtakademie
(c) Sebastian Sendlak
Historiker Jan Mohnhaupt analysiert Tiere im Nationalsozialismus
In der Evangelischen Stadtakademie Bochum beleuchtet der gebürtige Bochumer Autor am 3. November die ideologische und militärische Instrumentalisierung der Tierwelt im „Dritten Reich“.
Die Rolle von Tieren im Nationalsozialismus ist im historischen Diskurs bislang selten eingehend betrachtet worden, obwohl sie im Herrschaftsapparat des Regimes eine zentrale Funktion einnahmen. Am Dienstag, 3. November 2026, widmet sich der Magdeburger Historiker und Buchautor Jan Mohnhaupt ab 18:30 Uhr diesem wenig beleuchteten Kapitel der Zeitgeschichte. Im Vortragssaal der Evangelischen Stadtakademie am Westring 26c referiert er unter dem Titel „Tiere im Nationalsozialismus: Blondi, Kamerad Pferd und die ‚Menschentiere‘“.
Ideologische Projektionsflächen vom Kartoffelkäfer bis zum Rothirsch
In seinen Recherchen arbeitet Mohnhaupt heraus, wie tiefgreifend das NS-Regime selbst das Tierreich für seine Zwecke vereinnahmte. Das Spektrum reichte von der Landwirtschaft über das Schulwesen bis zur direkten Kriegsführung: Kartoffelkäfer wurden als potenzielle biologische Waffen erforscht, während die Schweinezucht zur nationalsozialistischen „Volkserziehung“ herhalten musste.
Zudem lieferte die Hundezucht willkommene Scheinargumente für den Rassenwahn, während der Mythos des „Deutschen Waldes“ am Beispiel des Rothirsches verklärt wurde. An der Front erwies sich der Kriegseinsatz als überlebenswichtig für die Wehrmacht, deren Ostfeldzug ohne Millionen von Zug- und Reitpferden logistisch kaum denkbar gewesen wäre. Anhand konkreter Fallbeispiele zeigt Mohnhaupt, wie nahtlos die NS-Propaganda vermeintlich unpolitische Natur- und Alltagsbereiche durchdrang.
Heimspiel für renommierten Sachbuchautor
Für den Referenten bedeutet der Vortrag eine Rückkehr in seine Heimatstadt: Jan Mohnhaupt wurde 1983 geboren und wuchs in Bochum auf. Nach Studien der Geschichte und Geografie in Berlin und Wien publizierte er mehrere international beachtete Standardwerke über die Mensch-Tier-Beziehung, darunter „Der Zoo der Anderen“ (2017), das Basisbuch „Tiere im Nationalsozialismus“ (2020) sowie zuletzt 2024 den Band „Von Spinnen und Menschen“.
Der Eintritt zur Abendveranstaltung beträgt fünf Euro (ermäßigt drei Euro). Für Studierende sowie Personen, die Grundsicherung beziehen, ist die Teilnahme kostenfrei.
