
Bredol, Rücker, Fortagne (vl)_Nachweis Pina Bettina Rücker
(c) Pina Bettina Rücker
Mit jiddischen, hebräischen und armenischen Wiegenliedern setzt das Ensemble um Sängerin Ingala Fortagne am 6. November ein Zeichen für gelebte Erinnerungskultur. Gefördert wird die musikalisch-historische Aufführung durch den Bochum-Fonds.
Im Rahmen der diesjährigen Anne-Frank-Tage wird der Bochumer Kulturrat an der Lothringer Straße 36c zum Schauplatz eines besonderen Erinnerungsprojekts: Am Freitag, 6. November 2026, öffnet die Spielstätte um 20:00 Uhr ihre Türen für das Konzertprojekt „Ein Ruf in die Zukunft“. Die Veranstaltung bildet den feierlichen Bochumer Auftakt der Anne-Frank-Tage in Kooperation mit dem Bochumer Kulturrat. Das Gesamtprojekt erstreckt sich vom 1. Oktober bis zum 30. November über verschiedene Städte.
Wiegenlieder als Ausdruck von Menschlichkeit und Schutz
Das Projekt verbindet musikalische Darbietungen mit moderierten historischen Einordnungen. Im Zentrum des Programms stehen traditionelle jiddische, hebräische und armenische Wiegenlieder, die unter extremen Bedingungen von Verfolgung, existenzieller Not und Entwurzelung entstanden sind. Viele dieser Stücke wurden in Ghettos gesungen, auf den Wegen der Deportation überliefert oder über Generationen hinweg in der Diaspora bewahrt.
Das Wiegenlied dient dabei als intimste musikalische Form des Protests und des Schutzes – als letzter erhaltener Ausdruck von elterlicher Fürsorge, Erinnerung und Menschlichkeit inmitten der Barbarei. Durch die Verzahnung von Gesang, Instrumentalmusik, literarischen Texten und zeitgeschichtlicher Kontextualisierung schafft der Abend einen geschützten Raum für gemeinsame Reflexion und aktiven Dialog.
Emotionaler Zugang zur Geschichte für junge Generationen
Ausgangspunkt der Initiative ist die Frage, wie eine zukunftsorientierte Erinnerungskultur beschaffen sein muss, um über die reine Vermittlung historischer Jahreszahlen hinaus eine ethische Wirksamkeit in der Gegenwart zu entfalten. Musik dient hierbei als direkter, emotionaler Zugang zur Vergangenheit, um Empathie, gegenseitiges Verständnis und gesellschaftliche Verantwortung zu stärken.
Ein besonderes Augenmerk gilt dabei jüngeren Generationen, für die die historischen Ereignisse zeitlich zunehmend abstrakter werden. „Wir machen dieses Projekt, weil Erinnerung dort ankommt, wo sie berührt: Ein Wiegenlied aus dem Ghetto oder von der Deportation braucht keine Vorkenntnisse, um zu zeigen, was Verfolgung für einen einzelnen Menschen bedeutet“, betont Sängerin Ingala Fortagne. Gemeinsam mit Tobias Bredol am Klavier und Pina Bettina Rücker an der Perkussion gestaltet sie den Abend auf der Bühne.
Finanzielle Unterstützung durch den Bochum-Fonds
Ermöglicht wird das Kulturprojekt durch Fördermittel aus dem Bochum-Fonds. Der Fonds zählt zu den Kernaktivitäten der städtischen Bochum Strategie und wird seit 2021 federführend von der Bochum Marketing GmbH im Auftrag der Stadt realisiert. Volljährige Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Initiativen und gemeinnützige Institutionen können sich mit gemeinwohlorientierten Stadtteilprojekten um finanzielle Zuschüsse von bis zu 25.000 Euro bewerben.
Voraussetzung für eine Bewilligung ist ein zwanzigprozentiger Eigenanteil an den Gesamtkosten, der flexibel auch über ehrenamtliche Arbeits- oder Sachleistungen erbracht werden kann. Während kleinere Vorhaben bis 7.500 Euro zügig umgesetzt werden können, entscheidet bei Fördersummen ab 7.501 Euro ein Gremium aus Mitgliedern der Bezirksvertretungen sowie des Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschusses. Ideen können weiterhin per E-Mail an fonds@bochum-marketing.de eingereicht werden; Beratung gibt es zudem telefonisch unter 0234 9049638 oder im Internet unter www.bochum-fonds.de.
