Beitrag: Klarer Kurs für Bochums Wärmewende
Baustelle zur kommunalen Wärmeplanung in Bochum

(c) Sebastian Sendlak

Nach dem Ratsbeschluss startet die praktische Umsetzung der Wärmeplanung. Ein Mix aus Fernwärmenetzausbau und Wärmepumpen soll die Wärmeversorgung zukunftssicher machen. Hauseigentümer profitieren von einem 5.000-Euro-Bonus.

Mit dem offiziell durch den Rat verabschiedeten kommunalen Wärmeplan stellt die Stadt Bochum die Weichen für eine klimaneutrale, verlässliche und wirtschaftliche Heizenergieversorgung. Im Rahmen eines Pressetermins an einer aktuellen Fernwärmebaustelle in Altenbochum gaben Oberbürgermeister Jörg Lukat und Elke Temme, Geschäftsführerin Transformation der Stadtwerke Bochum, den Startschuss für die Umsetzung des sogenannten „Bochumer Wegs“ – einer partnerschaftlichen Strategie von Verwaltung, Energieversorger und lokaler Wohnungswirtschaft.

Orientierung ohne Technologiezwang: Fernwärme und dezentrale Lösungen

Der kommunale Wärmeplan fungiert als langfristige strategische Entscheidungshilfe für Immobilieneigentümer, um Fehl- oder Fehlinvestitionen zu vermeiden. Eine konkrete Technologie wird für Einzelgebäude nicht vorgeschrieben. Stattdessen teilt das Konzept das Stadtgebiet in zwei gleichwertige Hauptkategorien ein:

  • Fernwärme-Versorgungsgebiete: Eignen sich vor allem für dicht bebaute Stadtviertel. Hier wird der Anschluss an das bestehende oder erweiterte Wärmenetz forciert.

  • Dezentrale Versorgungsgebiete: Gebiete mit geringerer Wärmedichte oder weiten Leitungstrassen, in denen vor allem individuelle Lösungen wie elektrische Wärmepumpen wirtschaftlich und ökologisch am sinnvollsten sind.

Elke Temme stellte klar, dass Fernwärme und Wärmepumpen keine Konkurrenz zueinander darstellen, sondern komplementär agieren. Die Stadtwerke rüsten daher parallel auch die Stromnetze gezielt für den flächendeckenden Zuwachs an Wärmepumpen auf und bieten zusammen mit dem örtlichen Handwerk Modelle zum Kauf oder zur Pacht an.

Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Wärmewende in Bochum
Fotos: Sebastian Sendlak

5.000 Euro Frühstarter-Bonus und Kriterien für den Fernwärmeausbau

Innerhalb der Fernwärmezonen unterscheidet der Plan zwischen Bestands-, Eignungs- und Prüfgebieten. Während in Bestandszonen ein Anschluss oft kurzfristig realisierbar ist, hängen Erweiterungen in den übrigen Zonen maßgeblich von der lokalen Nachfrage, Trassenmöglichkeiten und Großabnehmern ab. Über eine interaktive Karte mit Adresssuche auf der Stadtwerke-Website können Eigentümer ab sofort ihren Standortstatus prüfen und individuelle Netzanfragen stellen.

Als finanziellen Anreiz für den Umstieg haben die Stadtwerke Bochum ein Sonderprogramm aufgelegt: Den sogenannten „Frühstarter-Bonus“. Eigentümer in bestehenden Versorgungsbereichen, deren Liegenschaften zeitnah angeschlossen werden können, erhalten bei Vertragsabschluss bis zum 31. Januar 2027 einen Rabatt von 5.000 Euro auf die Anschlusskosten.

Postwurfsendung und Bürgerabende in allen sechs Bezirken

Oberbürgermeister Jörg Lukat warb für eine vorausschauende Planung, betonte aber zugleich: Niemand müsse eine intakte Heizungsanlage vorschnell stilllegen. Eine frühzeitige Orientierung schütze Eigentümer jedoch vor teuren Notlösungen im Falle eines plötzlichen Havariefalls.

Um die Bürgerinnen und Bürger aktiv mitzunehmen, kündigte die Verwaltung an, alle Haus- und Wohnungseigentümer in Kürze per Post über die konkreten Inhalte des Wärmeplans zu informieren. Ab November 2026 finden zudem Informationsveranstaltungen in allen sechs Bochumer Stadtbezirken statt, bei denen Fachleute für Beratungen und Detailfragen zur Verfügung stehen.

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