
G.A.R.T.E.N.
(c) pbb – Postmigrantische Bildung und Beratung gUG
Ein verwunschenes Grünareal in Bochum-Süd wandelt sich derzeit in einen außergewöhnlichen Kunstraum: Unter dem programmatischen Titel „G.A.R.T.E.N. – Gegenwarts Aneignung: Räume, Teilhabe, Erinnerung & Neuordnung“ lädt die Berliner Initiative pbb – Postmigrantische Bildung und Beratung gUG noch bis zum Sonntag, 20. September 2026, zu einem facettenreichen Ausstellungsprojekt direkt an den Springorum-Radweg ein. Unter der kuratorischen Leitung von Hamide Sauer thematisieren sieben künstlerische Positionen eine historische Leerstelle im kollektiven Gedächtnis des Reviers: das Verschwinden und die Bedeutung migrantischer Gärten.
Ausgangspunkt der Freiluft-Schau ist ein Phänomen der 1990er-Jahre: Im Zuge expandierender Gewerbe- und Logistikflächen wichen damals zahlreiche, teils über Jahrzehnte von Einwandererfamilien liebevoll gepflegte Parzellen. Was dort an Selbstversorgung, gewachsener Nachbarschaft und gelebter Integration entstanden war, blieb in der regionalen Geschichtsschreibung weitgehend undokumentiert. Im Vorfeld der Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 rückt das Vorhaben diese Auslassung ins Zentrum – nicht aus rückwärtsgewandter Nostalgie, sondern als grundlegende Frage danach, wem der öffentliche Raum gehört und wer ihn aktiv mitgestaltet.
Von „Türkischen Gärten“ bis zum begehbaren Pavillon
Die künstlerischen Ausdrucksformen auf dem Gartengelände reichen von Fotografie und Textilarbeiten über Soundcollagen bis hin zu partizipativen Rauminstallationen. Zu den prominenten Beiträgen zählt die renommierte Fotografin Brigitte Kraemer, die eindrückliche Motive aus ihrer Langzeitdokumentation „Türkische Gärten“ zeigt. Die ukrainischstämmige Essener Künstlerin Alla Zhyvotova erforscht in einer Mitmach-Performance das überlieferte Heilpflanzenwissen ihrer Großmutter, während Julia Charakter mit „Schätze der Datscha“ persönliche Familienerinnerungen mit osteuropäischer Zeitgeschichte verbindet.
Yasemin Bertel nähert sich dem Thema über poetische Textüberlagerungen (Blackout Poetry), die gebürtige Bochumerin Lisa Jarzynski arbeitet mit Klangskulpturen und Plastiken zu Sprach- und Rollenbildern. Als architektonischer Ankerpunkt dient die Raumskulptur „Der Garten, den wir uns gebaut haben“ des Geschwisterpaares Paula Rebekka und David Bakum: eine begehbare Holzkonstruktion, die persönliche Erinnerungsorte aus dem Ruhrgebiet mit Fotoarchiven verschmilzt.
Workshops, Community-Abend und Serviceinfos
Flankiert wird die Freiluftausstellung von einem vielseitigen Workshop-Programm:
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Mittwoch, 16. September (17:00–19:00 Uhr): Workshop „Gärten im Krieg – Erde, Ernährung und Erinnerung“ mit Daniel Heinz.
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Donnerstag, 17. September (17:00–20:00 Uhr): Offenes „Community-Get-Together mit Projektschmiede“ zur Entwicklung und Förderung eigener Projektideen in NRW.
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Freitag, 18. September (17:00–20:00 Uhr): Heilkräuter-Aktion „Tränke brauen“ mit Künstlerin Alla Zhyvotova.
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Samstag, 19. September: Ab 15:00 Uhr Eltern-Kind-Schreibwerkstatt „Letters to your (inner) child“ mit Journalistin Djamila Chastukhina; ab 16:30 Uhr Fachvortrag von Soziologin Swetlana Nowoshenowa zur Anastasia-Bewegung und Naturromantik in Verschwörungsmythen, gefolgt von einem Durak-Kartenabend mit Grillen.
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Sonntag, 20. September (14:00–17:00 Uhr): Feierliche Finissage zum Abschluss der Projektwoche.
Die Ausstellung ist wochentags jeweils von 17:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Der Zugang ist barrierefrei, kostenfrei und ohne Voranmeldung möglich. Der Fußweg zum Gartengelände ist ab der Haltestelle „Bochum Werk Eickhoff“ ausgeschildert. Gefördert wird das Vorhaben durch das Landesministerium für Kultur und Wissenschaft, Interkultur Ruhr sowie den Regionalverband Ruhr (RVR).
