
Neue Fassadengestaltung in der Bochumer Innenstadt
(c) Dennis Yenmez/Stadt Bochum +++
Qualität statt greller Reklame: Zwei Jahre nach dem Beschluss zeigen sich rund um Husemannplatz, Kortumstraße und Massenbergstraße sichtbare Erfolge der neuen Vorgaben für Fassaden, Werbeanlagen und Außengastronomie.
Wer aufmerksam durch das Bochumer Zentrum spaziert, bemerkt einen spürbaren Wandel im Erscheinungsbild. Schrille Leuchtreklamen, überklebte Schaufensterflächen und unruhige Fassadenvorsprünge weichen zunehmend einer harmonischen, offenen Ästhetik mit klaren Sichtachsen. Rund zwei Jahre nach dem offiziellen Beschluss im Frühjahr 2024 entfaltet die städtische Gestaltungssatzung für die Innenstadt ihre volle Wirkung.
Besonders markant tritt die städtebauliche Aufwertung rund um den neugestalteten Husemannplatz zutage. Dort fügen sich neu eröffnete Ladenlokale von Unternehmen wie Rituals und Fielmann mit ihren dezenten Fassadenkonzepten und Werbeträgern nahtlos in das hochwertige Umfeld ein. Gleiches gilt für die Kortumstraße in direkter Nachbarschaft, wo Niederlassungen von DM und Brummbär mit stilvollen Fassaden aufwarten. Auch am Dr.-Ruer-Platz setzt das Gastronomiekonzept Wilma Wunder im Sparkassengebäude die städtischen Leitlinien um: Die dezenten Werbeelemente respektieren die historische Architektur und werten den gesamten Platzraum spürbar auf.
Historischer Leitgedanke von Clemens Massenberg modern interpretiert
Der Erfolg des Regelwerks basiert auf enger Kooperation. Von Beginn an gestalteten die Initiative Bochumer City (IBO e. V.) und die Bochum Marketing GmbH den Prozess aktiv mit. Nach intensiver Abstimmungsarbeit zwischen Verwaltung, Einzelhandel und Immobilieneigentümern zieht Heike Möller, Leiterin des Amtes für Stadtplanung und Wohnen, ein rundum positives Fazit. Eine attraktive Innenstadt lebe von einem stimmigen Gesamtbild, und die Satzung schaffe hierfür verlässliche Rahmenbedingungen, ohne individuelle Gestaltungsideen im Keim zu ersticken.
Die verbindliche Satzung definiert klare Kriterien für Beschilderungen, Gebäudeflächen und das Mobiliar der Außengastronomie. Als praktische Arbeitsgrundlage dient ein flankierendes Gestaltungshandbuch, das sich an ein historisches Motto des früheren Stadtbaurats Clemens Massenberg aus der Wiederaufbauära der 1950er-Jahre anlehnt: „Ans Ganze gebunden, im Einzelnen frei“. Dieses Prinzip bietet Planenden, Eigentümern und Gewerbetreibenden eine verlässliche Richtschnur für zeitgemäße Entwürfe.
Dialogorientierte Beratung von der Massenbergstraße bis ins Mosaikviertel
Dass der Ansatz auch im Bestand greift, beweist die Massenbergstraße. In den vergangenen Monaten haben mehrere Gewerbebetriebe wie das Best Kebab Haus und der City Salon ihre Reklameanlagen grundlegend erneuert. Begleitet wurden sie dabei von den Innenstadtarchitekten Sarah Gräfer und Marcus Wagner, dem Stadtplanungsamt, der Bauordnung sowie Quartiersmanager Kais Toma von Bochum Marketing. Nach den erfolgreichen Abstimmungen im Kernbereich wird dieses partnerschaftliche Vorgehen nun gezielt im Mosaikviertel der nördlichen City fortgesetzt.
Für Marc Mauer und Alexander Eiskirch vom Vorstand der IBO e. V. markiert der kontinuierliche Dialog den eigentlichen Schlüssel zur Aufwertung. Auch die Kundschaft nehme das freundlichere, aufgeräumte Umfeld längst positiv wahr. Das enge und lösungsorientierte Zusammenspiel aller Beteiligten sei in dieser Form im gesamten Ruhrgebiet vorbildlich.
