
Pressegespräch zum Verkehrsversuch in Linden
(c) Sebastian Sendlak
Der umstrittene Verkehrsversuch an der Hattinger Straße in Bochum-Linden sorgt für heftige Diskussionen und tiefe Sorgen bei den Gewerbetreibenden. Deshalb ist eine Befragung durchgeführt worden, die diese Sorgen bestätigt.
Eine frische Bürgerbefragung der Werbegemeinschaft bringt das Stimmungsbild im Stadtteil nun schwarz auf weiß ans Licht. Rund 862 Menschen haben sich an der Initiative „Linden bewegt“ beteiligt und ein klares Votum abgegeben. Dabei wird deutlich, dass die Sorge vor massiven Umsatzeinbußen und sinkenden Kundenzahlen den Alltag im Quartier prägt. Der Handel sieht durch wegfallende Stellplätze und eine verschlechterte Erreichbarkeit seine Existenzgrundlage bedroht.
Akzeptanzprobleme durch sinkende Parkplatzkapazitäten
Die Ergebnisse der Befragung sprechen eine eindeutige Sprache und zeigen auf, wie intensiv das hiesige Zentrum im Alltag genutzt wird. So geben etwa 80 Prozent der Teilnehmenden an, mindestens einmal wöchentlich nach Linden zu kommen, wobei für rund 72 Prozent der Einkauf im Vordergrund steht. Gleichzeitig nutzen über 72 Prozent dieser Besucher das Auto als zentrales Verkehrsmittel, um ihre Besorgungen zu erledigen. „Wir sehen uns halt auch ganz klar als Nahversorger“, erklärt die Vorsitzende der Werbegemeinschaft, Simona Koyro, mit Blick auf die bergige Topografie des Stadtteils. Die Umfrage belegt, dass 76 Prozent der Befragten vor allem weniger Parkmöglichkeiten wahrnehmen und die Erreichbarkeit stark leiden.
Viele Gewerbetreibende fürchten, dass sich die Situation nach dem Ende des Förderzeitraums kaum noch korrigieren lässt und Kunden dauerhaft ausweichen. „Wenn das so bleibt, bin ich hier weg“, kommentiert ein ansässiger Ladeninhaber die drastische Existenzangst im Viertel unmissverständlich. Die Initiatoren versichern jedoch, dass sich der Unmut keineswegs gegen eine prinzipielle Aufwertung des Stadtteils richtet. Vielmehr fordern die Bürger eine ausgewogene Stadtentwicklung, bei der Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit Hand in Hand gehen müssen.
Kritischer Zeitpunkt und fehlende Infrastruktur belasten den Versuch
Neben dem reinen Parkplatzmangel gerät vor allem die unglückliche zeitliche Abstimmung des Verkehrsversuchs massiv in die Kritik. So führt die gleichzeitige Sperrung der wichtigen Umleitung über die Harsewinkeler Straße zu unnötigen Ausweichverkehren und stark verfälschten Ergebnissen. Frank Pätzold von der Werbegemeinschaft kritisiert zudem die mangelhafte Kommunikation zwischen Verwaltung, Universität und den Akteuren vor Ort. „Ich bin informiert worden und habe gesagt: ‚Ja gut, macht mal‘“, beschreibt er die Einbindung der lokalen Wirtschaft in die Planungen. Solche Hürden erschweren es den Geschäften enorm, sich flexibel auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen oder eigene Investitionen zu rechtfertigen.
Trotz dieser massiven Kritik muss der Verkehrsversuch vorerst zu Ende geführt werden, um die wertvollen Bundesfördergelder nicht zurückzahlen zu müssen. Die Stadtkasse kann sich einen solchen finanziellen Rückschlag schlichtweg nicht leisten, auch wenn die Betroffenen bereits jetzt Alarm schlagen. Umso wichtiger ist es, die gesammelten Daten und über 450 detaillierte Freitextantworten nun konstruktiv an Politik und Verwaltung zu übergeben. Das Ziel muss ein integriertes Konzept sein, das den Wandel im Handel ernst nimmt und die Nahversorgung langfristig sichert.
