Beitrag: Stadtakademie erinnert an Gustav Heinemann
Christuskirche, links die Evangl. Stadtakademie

Politisches Gewissen und Bürgerpräsident: Die Evangelische Stadtakademie Bochum blickt am 8. September auf das Wirken von Gustav Heinemann zurück.

Vor 50 Jahren verstarb der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann in seiner langjährigen Heimatstadt Essen. Aus Anlass dieses runden Gedenktages veranstaltet die Evangelische Stadtakademie Bochum einen zeitgeschichtlichen Vortragsabend. Am Dienstag, 8. September, widmet sich der renommierte evangelische Theologe Professor Dr. Traugott Jähnichen dem Vermächtnis des profilierten Protestanten und Staatsmannes. Die Veranstaltung trägt den Titel „Seinem Gewissen verpflichtet – Der politische Weg des engagierten Christen und unbequemen Demokraten Gustav Heinemanns zum Bürgerpräsidenten“. Beginn des kostenfreien Themenabends ist um 19:30 Uhr in den Räumlichkeiten der Stadtakademie am Westring 26 c.

Stationen eines unbequemen Demokraten und Christen

Der Lebensweg des 1899 in Schwelm geborenen Politikers zeichnete sich durch eine seltene Geradlinigkeit aus, die über Parteigrenzen hinwegreichte. Heinemann gehörte im Laufe seiner Biografie vier unterschiedlichen Parteien an, blieb dabei jedoch stets seinem Gewissen als streitbarer Demokrat treu. Nach seiner Tätigkeit als Justitiar der Rheinischen Stahlwerke engagierte er sich in der NS-Zeit als Presbyter sowie Synodaler der Bekennenden Kirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekleidete er höchste Ämter, unter anderem im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Auf politischer Ebene führte sein Weg vom Amt des Essener Oberbürgermeisters über die Ministerien für Inneres und Justiz auf Bundesebene bis an die Staatsspitze.

Jede Etappe von Heinemanns Laufbahn stand für tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche und couragierte politische Weichenstellungen der jungen Bundesrepublik. In seinem Referat analysiert Prof. Dr. Traugott Jähnichen insbesondere jene Impulse des Altbundespräsidenten, die zur Festigung der bundesdeutschen Demokratie beitrugen. Als Verfechter einer lebendigen Bürgergesellschaft prägte Heinemann das Verständnis des Staatsoberhauptes nachhaltig neu. Sein Wirken gilt bis heute als Paradebeispiel für ein Handeln nach ethischen Maximen statt nach kurzfristigem Parteikalkül. Die Veranstaltung beleuchtet diese historischen Meilensteine mit Blick auf gegenwärtige Debatten.

Offener Austausch im Anschluss an das Referat

Im Anschluss an den Fachvortrag öffnet die Akademie den Raum für eine gemeinsame Diskussion mit dem Publikum. Interessierte haben die Gelegenheit, Fragen an Prof. Jähnichen zu richten und über die Aktualität von Heinemanns demokratischem Grundverständnis zu debattieren. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist vollständig frei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Das Angebot richtet sich an alle geschichtlich und politisch interessierten Bürgerinnen und Bürger der Region. Die Stadtakademie setzt damit ihre Reihe zur Reflexion bedeutender protestantischer Persönlichkeiten der Nachkriegszeit fort.

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