
Volles Haus an zwei Tagen Deutsche Meisterschaft in der Lohrheide
(c) Sebastian Sendlak
Nach der millionenschweren Modernisierung des Sportparks Lohrheide in Bochum-Wattenscheid zum bundesweiten Leichtathletik-Aushängeschild steht die Anlage im Zentrum einer Debatte über die Nutzung von Infrastruktur. Unter dem Slogan „Lohrheide statt Leerheide“ fordern lokale Laufgruppen, Breitensportler und Sportinitiativen, die hochwertigen Leichtathletik-Anlagen im Stadion nicht exklusiv dem Spitzensport vorzubehalten, sondern verlässliche Trainingszeiten für die regionale Sportbasis einzuräumen.
Hintergrund: 55-Millionen-Euro-Modernisierung für den Spitzensport
Der Umbau des Lohrheidestadions zu einer modernisierten Leichtathletik-Arena – der einzigen in Nordrhein-Westfalen für nationale und internationale Großveranstaltungen nach Normen des DLV und FISU – kostete rund 55 Millionen Euro. Neben dem Hauptstadion mit neuer blauer Kunststoffbahn entstanden erweiterte Aufwärmbereiche und Funktionsgebäude.
Während die Stadt Bochum und das Land NRW die Sportstätte als Meilenstein für das Sportland NRW und Aushängeschild für Großevents betonen, entzündet sich vor Ort Kritik an den geltenden Zugangsregelungen: Da die Hauptkampfbahn primär dem Bundes- und Landeskader sowie dem Leistungssport vorbehalten ist, sehen sich viele heimische Breitensportlerinnen, Breitensportler und traditionelle Vereine von der Nutzung des Stadions weitgehend ausgeschlossen.
Argumente der Initiative: Spezifische Trainingsformen erfordern Stadioninfrastruktur
Die Vertretungen der Breitensport-Initiativen betonen, dass ein Leerstand des Stadions außerhalb von Großveranstaltungen und Kader-Einheiten verhindert werden muss. Spezifische Trainingsformen wie Sprinttraining unter Wettkampfbedingungen, Hürdenläufe, Treppenläufe oder gezielte Technikübungen auf der Rundbahn lassen sich auf herkömmlichen Alternativflächen wie Kunstrasenplätzen oder Freilufthallen nicht gleichwertig durchführen.
Die zentralen Forderungen der Kampagne „Lohrheide statt Leerheide“ umfassen:
-
Feste Zeitfenster für den Breitensport: Einräumung verlässlicher Trainingsstunden im Stadion für lokale Vereine und etablierte Laufgruppen.
-
Gerechter Ausgleich zwischen Basis und Spitze: Bessere Abstimmung der Belegungspläne, damit die mit öffentlichen Geldern finanzierte Infrastruktur allen Leistungsebenen zugutekommt.
-
Erhalt der lokalen Laufkultur: Sicherung des Fortbestands traditionsreicher Sportgruppen im Wattenscheider Stadtgebiet.
Lösungsansätze für ein kooperatives Miteinander
Um den Konflikt zwischen den Anforderungen des Spitzensports und den Bedürfnissen der örtlichen Breitensportbasis zu lösen, stehen differenzierte Nutzungskonzepte im Raum. Durch digitale Buchungssysteme, klare Regelungen zur Schonung der Tartanbeläge und eine abgestimmte Belegung der Nebenanlagen sowie des Hauptovals soll eine höhere Auslastung erreicht werden, ohne die Bedingungen für den Leistungssport zu beeinträchtigen.
