Beitrag: Sparrotationsprinzip im Sitzungssaal: Bochum streicht Limonaden aus dem Rathaus-Catering
Rathaus Bochum

Die Stadt Bochum greift im Zuge der Haushaltskonsolidierung zu einer ungewöhnlichen Sparmaßnahme: In den städtischen Sitzungsräumen wurden Softdrinks und Säfte von der Verpflegungsliste gestrichen. Was als pragmatische Kostenbremse der Verwaltung gedacht war, beschäftigt nun als offizielles Politikum die Gremien des Stadtrates.

Wer in Bochum politische Verantwortung trägt, muss sich bei stundenlangen Ausschuss- und Ratssitzungen künftig auf eine spartanische Verpflegung einstellen. Wie aus einer offiziellen Mitteilung der Verwaltung hervorgeht, wurde das bisherige Getränkeangebot in den Sitzungssälen drastisch reduziert. Kaltgetränke wie Cola, Limonaden und Säfte wurden vollständig gestrichen. Den Mandatsträgern stehen ab sofort nur noch Wasser und Apfelschorle zur Verfügung.

Die Maßnahme stieß in den sozialen Medien bereits auf Resonanz und hat nun auch die offizielle parlamentarische Ebene erreicht. Die Ratsfraktion „Die Grünen im Rat“ reichte eine offizielle Anfrage ein, um die Hintergründe der veränderten Bewirtschaftung aufzuklären. Unter dem Aktenzeichen der Vorlage Nr. 20261760 nahm die Verwaltung nun öffentlich Stellung zu den konkreten Einsparpotenzialen.

Verwaltung begründet Schritt mit Haushaltskonsolidierung

Laut der Antwort, verfasst von Jasmin Wiemers-Krüger aus dem Referat für politische Gremien, Bürgerbeteiligung und Kommunikation, ging die Initiative zur Beschränkung der Auswahl direkt von der Leitung des Referates 01 aus. Die Entscheidung sei im Zuge einer angepassten Bewirtschaftungsverfügung getroffen worden und stelle eine von mehreren Maßnahmen dar, um im eigenen Zuständigkeitsbereich einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten.

Als wesentlicher Entscheidungsfaktor wird in der Vorlage die Preisstruktur der verschiedenen Getränke aufgeführt. Während sich die Literpreise für Wasser und Apfelschorle vergleichsweise moderat darstellen, lagen die Kosten für andere Spezialgetränke signifikant darüber.

Die städtische Preiskalkulation pro Liter listet die Unterschiede detailliert auf:

  • Wasser: 1,28 € (0,32 € pro 0,25-l-Flasche)

  • Apfelschorle: 2,38 € (0,59 € pro 0,25-l-Flasche)

  • Bionade: 2,48 € (0,82 € pro 0,33-l-Flasche)

  • Cola: 3,51 € (0,70 € pro 0,21-l-Flasche)

  • Apfelsaft: 3,66 € (0,73 € pro 0,21-l-Flasche)

  • Orangensaft: 4,78 € (0,82 € pro 0,22-l-Flasche)

Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund traf die Verwaltung die Entscheidung, die Auswahl gezielt auf die beiden kostengünstigsten Basisgetränke zu beschränken, um den logistischen und finanziellen Aufwand zu minimieren.

Thema steht auf der Tagesordnung des Stadtrates

Obwohl es sich im Kern um eine interne Organisations- und Budgetentscheidung der laufenden Verwaltung handelt, schlägt das Thema Wellen. Die Anfrage der Grünen zeigt, dass die Frage des Sitzungskomforts und der Bewirtung durchaus sensibel diskutiert wird.

Lange debattiert wird über die weggefallene Cola im Ausschuss allerdings nicht mehr: Die Antwort der Verwaltung ist als offizielle Vorlage für die kommende Sitzung des Stadtrates am Donnerstag, den 16. Juli 2026, fest eingeplant. Das Gremium wird die Sparmaßnahme dort unter dem entsprechenden Tagesordnungspunkt formal zur Kenntnis nehmen.

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