
Bochumer Verabredung
+++ Foto: Lutz Leitmann/Stadt Bochum
Gemeinsam gegen die soziale Isolation: Spitzenvertreter aus rund dreißig Bochumer Institutionen haben eine bundesweit beispielhafte Selbstverpflichtung ins Leben gerufen. Unter dem Leitmotiv „Für ein Bochum, in dem auffällt, wenn jemand fehlt“ wird die Einsamkeitsbekämpfung ab sofort zur gesamtstädtischen Aufgabe erklärt.
Am Donnerstag, den 9. Juli 2026, ist in der Bochumer Stadtgesellschaft ein bedeutender Meilenstein für das soziale Miteinander gesetzt worden. Auf ehrenamtliche Initiative des gemeinnützigen Vereins Vereint Bochum e.V. kamen Entscheiderinnen und Entscheider aus nahezu allen relevanten gesellschaftlichen Bereichen im Moxy Hotel Bochum zusammen. In einem halbtägigen, kollaborativen Format erarbeiteten und verabschiedeten Vertreter aus Verwaltung, Wohlfahrt, Gesundheit, Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft, Stadtmarketing, Sport und Kultur die sogenannte „Bochumer Verabredung“.
Das primäre Ziel des zivilgesellschaftlich getragenen Prozesses ist es, die Förderung von Verbundenheit im Alltag strukturell zu verankern und Einsamkeit aktiv zu bekämpfen. Die Breite der beteiligten Institutionen macht das Projekt zu einem bundesweiten Vorreiter. Unterstützt wird das Vorhaben auch von Oberbürgermeister Jörg Lukat, der das Treffen eröffnete und die Initiative als starkes Signal und großen Gewinn für den städtischen Zusammenhalt würdigte.
Drei Versprechen als Fundament gegen die soziale Isolation
Die „Bochumer Verabredung“ versteht sich als eine offene Selbstverpflichtung für mehr gesellschaftliche Nähe. Der gesamte Prozess und die konkreten Maßnahmen der teilnehmenden Unternehmen und Organisationen stützen sich auf drei zentrale Versprechen:
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Wir sehen hin und hören zu: Einsamkeit soll in der Gesellschaft frühzeitig erkannt, enttabuisiert und ernst genommen werden, ohne die betroffenen Menschen auf dieses Problem zu reduzieren.
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Wir handeln und übernehmen Verantwortung: Die unterzeichnenden Institutionen verpflichten sich dazu, konkrete und messbare Beiträge aus ihrem eigenen Wirkungsbereich beizusteuern. Dies kann beispielsweise durch die Einrichtung von regelmäßigen Begegnungsformaten in Kantinen, das Bereitstellen von Räumen für Kennenlern-Angebote oder das Organisieren offener Gesprächsrunden geschehen.
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Wir bleiben dran und halten Zugänge offen: Die Unterzeichnung bildet lediglich das Fundament eines langfristigen Prozesses. Ein verbindliches Folgetreffen der Akteure wurde bereits fest vereinbart, zudem können sich jederzeit weitere Mitwirkende der Initiative anschließen.
Einsamkeit sei, so betont Prof. Dr. Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum, kein persönliches Versagen. Die renommierte Einsamkeitsforscherin und Vorstandsmitglied von Vereint Bochum e.V. unterstreicht, dass Isolation jede und jeden treffen kann und dort gefährlich wird, wo weggesehen wird. Mit der Verabredung bündelt die Stadtgesellschaft ihre Ressourcen – egal ob Räume, Wissen, Zeit, Kontakte oder Aufmerksamkeit –, um Menschen wieder füreinander sichtbar zu machen.
Höhepunkt einer stadtweiten Schwerpunktwoche
Die Verabschiedung der Resolution im Moxy Hotel markiert den feierlichen Abschluss einer breit angelegten Schwerpunktwoche gegen Einsamkeit im Stadtgebiet. Der Veröffentlichung der Erklärung gingen bereits mehrere öffentlichkeitswirksame Aktionen des seit Mai 2025 aktiven Vereins voraus.
Dazu gehörten die lokale Plakatkampagne „Like mal wieder offline.“, eine mehrtägige „Werkstatt gegen Einsamkeit“ im Schauspielhaus Bochum sowie der ausverkaufte Themenabend „Wer liked uns offline?“ in den Kammerspielen. Um eine möglichst fundierte Arbeitsgrundlage zu erhalten, flossen sowohl die Erkenntnisse aus der stadtweiten Umfrage „Bochum Zusammen Gestalten“ als auch die Ergebnisse der studentischen und bürgerlichen Ideenwerkstätten direkt in den finalen Text der Verabredung ein.
Der Verein betont, dass die „Bochumer Verabredung“ der gesamten Stadtgesellschaft gehört. Als Plattform und Initiator wird Vereint Bochum e.V. den Prozess koordinieren und dafür Sorge tragen, dass aus den schriftlichen Versprechen spürbare Taten im Bochumer Alltag werden.
