Beitrag: Festivalseelsorge feiert erfolgreiches Debüt bei Bochum Total
Premiere bei Bochum total: Festival Seelsorger

(c) Sebastian Sendlak

Wo zehntausende Menschen feiern, liegen Freud und Leid oft nah beieinander. Erstmalig boten die Kirchen bei Bochum Total eine ökumenische Anlaufstelle für emotionale Notlagen an.

Bochum Total zog am vergangenen Wochenende wieder unzählige Musikbegeisterte in die Ruhrgebietsstadt. Doch abseits von Beats und Partystimmung bot die Großveranstaltung in diesem Jahr auch Raum für tiefgründige Momente. Zum ersten Mal engagierten sich die katholische und die evangelische Kirche mit einer gemeinsamen Festivalseelsorge auf dem Festivalgelände. Unter dem einprägsamen Slogan „Dein Herz. Unsere Frequenz“ waren die Helferinnen und Helfer für die Besucherinnen und Besucher im Einsatz, um in Momenten von Trauer, Einsamkeit oder akuter Überforderung Beistand zu leisten. Die neue Initiative stieß bei den Festivalgästen auf eine bemerkenswerte und durchweg dankbare Resonanz.

Ökumenisches Team zeigt Präsenz im Bermudadreieck

Die Organisation dieses neuartigen kirchlichen Angebots lag in den Händen von Pastoralreferent Michael Diek (Pfarrei St. Peter und Paul) und dem evangelischen Pfarrer Constantin Decker. Das insgesamt 16-köpfige ökumenische Team teilte sich an den vier Festivaltagen in zwei Schichten auf und war jeweils von 16 bis 23 Uhr für die Menschen ansprechbar. Die Seelsorgenden hielten entweder im zentralen Zelt am Musikforum die Stellung oder zeigten in ihren markanten weißen Westen mobile Präsenz zwischen den verschiedenen Bühnen, Verkaufsständen und Kneipen rund um das Bochumer Bermudadreieck.

Plötzliche Gefühlsumschwünge: Wenn beim Feiern die Trauer hochkommt

Die Reaktionen des Publikums waren vielschichtig. Neben viel spontanem Zuspruch und Lob im Vorbeigehen suchten zahlreiche Menschen das gezielte, tiefgründige Gespräch über persönliche Krisen. Die thematische Bandbreite reichte von akuter Trauer und Einsamkeit über schwere Krankheiten bis hin zu Problemen in der Familie, der Partnerschaft oder im Beruf. Dass solche sensiblen Themen ausgerechnet auf einem Musikfestival Raum finden, erklärt Michael Diek mit plötzlichen emotionalen Wendepunkten im Trubel:

„Gerade junge Leute haben uns bestätigt: Du gehst hier hin, um zu feiern. Und dann gibt es plötzlich einen Knick, vielleicht durch ein Musikstück oder ein Wort im Freundeskreis. In dieser Traurigkeit, die dann plötzlich aufkommt, sei es gut, mit einem Unbekannten sprechen zu können.“

Vielen Betroffenen habe das Aussprechen ihrer Sorgen eine emotionale Leichtigkeit zurückgegeben, sodass sie im Anschluss unbeschwert weiterfeiern konnten.

Rund 500 Gespräche und Ausblick auf Bochum Total 2027 im Westpark

Insgesamt zog das Team eine beeindruckende Bilanz: Rund 500 Gespräche wurden an den vier Veranstaltungstagen geführt – die Dauer reichte vom kurzen Gruß bis hin zu intensiven, über einstündigen Unterhaltungen. Der Erfolg spiegelt sich auch in den Zukunftsplänen wider. Veranstalter Marcus Gloria signalisierte bereits großes Interesse an einer Fortführung der Kooperation für das Jahr 2027. Das Festival steht dann vor einer großen Veränderung und wird erstmals nicht mehr in der Innenstadt, sondern im Westpark an der Jahrhunderthalle stattfinden. Für das Bistum Essen diente das Debüt zudem als erfolgreiches Experiment im Rahmen seines Innovationslabors; nun wird geprüft, ob das Seelsorge-Konzept künftig auch auf andere Großveranstaltungen übertragen werden kann.

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