Beitrag: Hochbeete der EvH Bochum bilden grüne Oase in der Flüchtlingsunterkunft
Urban-Gardening-Projekt in der Unterkunft „Auf der Heide“

+++ Foto: Dennis Yenmez/Stadt Bochum +++

Ein partizipatives Urban-Gardening-Projekt der Evangelischen Hochschule Bochum verwandelt die Unterkunft „Auf der Heide“ in einen lebendigen Begegnungsraum und dient als gesundheitliche Ressource für Geflüchtete.

Auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft „Auf der Heide 32“ im Bochumer Norden grünt und blüht es. Wo vor wenigen Monaten noch eine karge Freifläche das Bild prägte, wachsen heute Salat, Tomaten, Chilis und frische Kräuter. In einer Gemeinschaftsaktion haben Studierende des Studiengangs „Heilpädagogik und Inklusive Pädagogik“ der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe (EvH Bochum) zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern acht Hochbeete errichtet. Das Projekt wertet das Wohnumfeld nicht nur optisch auf, sondern schafft einen wertvollen sozialen Rückzugsort, der die Lebensqualität der geflüchteten Menschen spürbar verbessert.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Grünräume als therapeutische Gesundheitsressource

Der gärtnerische Einsatz auf dem Unterkunftsgelände hat ein solides wissenschaftliches Fundament. Geflüchtete Menschen sind durch traumatische Erlebnisse im Heimatland, die Strapazen der Flucht sowie durch die anhaltende Ungewissheit und Belastung nach ihrer Ankunft in Deutschland einem stark erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen ausgesetzt.

„Aus unserer Sicht besteht damit auch gesundheitlicher sowie heil- und inklusiv-pädagogischer Handlungsbedarf“, ordnet Dr. Hendrik Baumeister, Professor für „Inklusive Quartiersentwicklung“ an der EvH Bochum, die Initiative ein. In der modernen Gesundheitsforschung gelten urbane Grünräume längst als wirksame Resilienzfaktoren. Konzepte des „Urban Gardening“ werden gezielt zur mentalen Stressreduktion, zur Bewältigung von Angstzuständen und zur aktiven Förderung gesellschaftlicher Teilhabe eingesetzt. Mit dem Bochumer Vorhaben wurde dieser Ansatz nun erfolgreich als Leuchtturmprojekt in einer stationären Flüchtlingsunterkunft erprobt.

Partizipation von Tag eins an: Vom Aufbau bis zur ersten Ernte

Die ursprüngliche Idee ging aus einer geplanten Forschungskooperation zwischen der TH Augsburg und der EvH Bochum hervor. Der zuständige soziale Träger der Unterkunft, PlanB Ruhr, unterstützte das Vorhaben von Beginn an. Auf unbürokratischem Weg stellte das Umweltamt der Stadt Bochum schließlich die acht hölzernen Hochbeete zur Verfügung.

Bereits am ersten Aktionstag entfaltete das Projekt seine integrative Eigendynamik: Die Bewohnerinnen und Bewohner packten beim Aufbau und der Befüllung der Holzkästen tatkräftig mit an. Parallel wurde gemeinsam unter freiem Himmel gekocht und gegessen, während die Kinder Steine und hölzerne Pflanzschilder bunt bemalten, um den neuen Gartenbereich gestalterisch zu verschönern. Fachlich und logistisch begleitet wurde die Bepflanzung von den Agrarexperten des Tafelgartens der gemeinnützigen Beschäftigungsgesellschaft GAFÖG.

„Wir wollen grüne Orte schaffen, an denen die Menschen sich begegnen und das Leben in der Unterkunft aktiv mitgestalten können“, erklärt Bachelorstudent Christopher Moyzio den pädagogischen Kern. Für die Bewohner zahlt sich der Einsatz bereits im Alltag aus. Eine der Geflüchteten, Nabila, betont, dass das frische Gemüse und die vertrauten Kräuter direkt vor der Haustür für sie ein greifbares „Stück Heimat“ bedeuten. Nach einer intensiven Pflege- und Bewässerungsphase durch die Hausgemeinschaft konnten bereits nach sieben Wochen die ersten Ernteerfolge in Form von frischem Kohlrabi, knackigem Blattsalat und aromatischer Minze verbucht werden. In den kommenden Wochen steht die Ernte von Tomaten, Gurken und Chilis an.

Breites Netzwerk an lokalen Unterstützern

Die erfolgreiche Umsetzung des Projekts basiert auf einer engen Vernetzung verschiedener kommunaler und privater Akteure. Neben den Fachexperten der GAFÖG, dem Träger PlanB Ruhr und den beteiligten Ämtern der Stadt Bochum (Umweltamt, Sozialamt sowie dem Technischen Betrieb) engagierten sich zahlreiche Unternehmen aus der Nachbarschaft und der Region mit Sach- und Materialspenden. Zu den lokalen Unterstützern gehören unter anderem die Bäckerei Schmidtmeier, der Baustoffhandel Bauking und der REWE-Markt Lenk. Großzügige Pflanz- und Saatgutspenden steuerten zudem das Dehner Garten-Center Witten, der Hagebaumarkt Ziesak, das Bauhaus in Hofstede sowie Schley’s Blumenparadies bei.

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