Beitrag: Bochumer Studierende entwickeln fahrbereites Kanu aus Beton
Team „BOhana“ von der Hochschule Bochum

(c) Sebastian Sendlak

Ein Boot aus Beton? Das klingt unmöglich. Doch zehn Studierende der Hochschule Bochum beweisen das Gegenteil und reisen mit ihrem Hightech-Kanu zur Regatta.

Es klingt wie ein physikalisches Paradoxon: ein Boot aus massivem Beton, das nicht wie ein Stein zu Boden sinkt, sondern elegant über das Wasser gleitet. Zehn Studierende des Bau- und Umweltingenieurswesens der Hochschule Bochum beweisen unter der Leitung von Professor Driediger, dass der vermeintlich plumpe Baustoff das Zeug zum schwimmfähigen Sportgerät hat. Mit ihrem selbst konstruierten, 5,20 Meter langen Kanu bricht das „Team Bohana“ zur 25. Deutschen Betonkanu-Regatta nach Brandenburg auf, um sich mit 30 bis 40 Institutionen aus ganz Europa zu messen.

„Das ist quasi das gleiche Prinzip wie bei einem normalen Schiff, das ja aus Stahl gebaut ist. Wenn man überlegt, Stahl ist noch ungefähr dreimal schwerer als Beton und auch Stahl schwimmt“, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter Timm Merker das physikalische Fundament des Projekts, das auf dem archimedischen Prinzip der Wasserverdrängung beruht.

Blähglas statt klassischem Sand

Die Tradition der Beton-Kanu-Regatta beginnt 1986. Auch die Hochschule Bochum macht nach einer längeren Pause wieder mit. In diesem Semester wird das Seminar wieder zum Leben erweckt. Für die aktuelle Studierendengeneration ist das Projekt weit mehr als nur ein sportlicher Zeitvertreib – es ist ein anspruchsvolles, praxisnahes Wahlmodul, das den angehenden Ingenieuren ein tiefes Verständnis für moderne Baustofftechnologie abverlangt. Dass Beton weit mehr ist als nur Zement und Wasser, zeigt die komplexe Rezeptur, die das Team in monatelanger Laborarbeit austüftelte.

„Der Hauptunterschied ist der Zuschlag. Die haben einfach nur wirklich klassischen Sand genommen vor zwei Jahren. Und das Team jetzt hat sich auf leichte Gesteinskörnungen konzentriert. Das ist Blähglas, das sind so Glaskugeln, die aufgebläht worden sind“, erklärt Team-Kapitän Tzouzef Ntakarmatzian den technologischen Fortschritt gegenüber dem Vorgängermodell.

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Finanzierung in Eigenregie

Durch den Einsatz des recycelten Blähglases und feinster PVA-Fasern zur Optimierung der Zugfestigkeit ist den Bochumern ein Meilenstein gelungen: Das Kanu wiegt weniger als 100 Kilogramm. Trotz des reduzierten Gewichts mussten die Studierenden im Vorfeld herbe Rückschläge wegstecken, als ein erster Prototyp beim Belastungstest zerbrach. Da das Budget von über 3.000 Euro aufgrund klammer Haushaltskassen komplett in Eigenregie über Sponsoren und Sachspenden von Industrie- und Regionalpartnern finanziert werden musste, war der Druck bei der Fertigung enorm.

„Finanziell ist es leider etwas schwierig, weil man merkt, dass die Haushaltskassen des Landes sehr klamm sind. Und das bekommen wir jetzt auch hier an der Hochschule mit“, schildert Merker die wirtschaftlichen Hürden des Projekts, das ohne die logistische Unterstützung eines Bauunternehmens für den aufwendigen Bootstransport kaum realisierbar gewesen wäre.

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Leistungssportlerin ist mit an Board

Neben der technischen Konstruktion entscheidet am Ende auch die Performance auf dem Wasser über den Erfolg bei der traditionsreichen Regatta, die bereits seit 1986 ausgetragen wird. Das Bochumer Team, das aufgrund der gestiegenen Auswahl an Projektseminaren in diesem Jahr mit nur zehn Personen deutlich kleiner ausfällt als frühere Gruppen, schickt ein Männer- und ein Frauen-Team ins Rennen. Für die nötige Dynamik im Boot sorgt eine externe Verstärkung: Über das schwarze Brett rekrutierten die Bauingenieure die Umweltingenieurstudentin Charlotte Brinker, die langjährige Erfahrung aus dem Leistungssport mitbringt.

„Ich hab den Chaoten beigebracht, wie man mit Wasser umgehen muss“, scherzt die erfahrene Paddlerin mit Blick auf die rund zehn intensiven Trainingseinheiten, in denen sie die Mannschaft auf den anspruchsvollen Parcours aus 150 Metern Sprint und 150 Metern Slalom vorbereitet hat.

Vom 19. bis 21.6.2926 findet in Brandenburg auf der Regatta-Strecke der Wettkampf statt. Dazu muss das Boot zweimal ins Wasser. Gewertet werden nicht nur die schnellste Zeit, sondern auch die Konstruktion, Gestaltung und Nachhaltigkeit des Kanus. Dazu gibt es offene Klassen und Preise für das leichteste und schwerste Kanu im Wettkampf.

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