
„Die Kunst des Deals“ im Schauspielhaus Bochum
(c) Sophia Hegewald
Musikalische Satire in Bochum: Das Kollektiv Wunderbaum und das Ensemble des Schauspielhauses sezieren Donald Trumps Buchklassiker als oberflächliche Farce.
Was tun, wenn man ein Theaterstück über eines der umstrittensten Bücher der jüngeren Wirtschaftsgeschichte plant, mitten im Prozess die Aufführungsrechte verliert und plötzlich mit leeren Händen dasteht? Vor dieser absurden Realität stand die Theatergruppe Wunderbaum am Schauspielhaus Bochum. Ihre kreative Antwort auf den geplatzten Deal ist nun in den Kammerspielen zu sehen: „Die Kunst des Deals“ – eine hintersinnige, musikalische Satire, die Donald Trumps Bestseller The Art of the Deal aus dem Jahr 1987 einer bitterbösen und bittergünstigen Re-Lektüre unterzieht. Die Inszenierung seziert nicht nur den kalkulierten Größenwahn des New Yorker Immobilienmoguls, sondern entlarvt die darin propagierte Philosophie als ein zerstörerisches Nullsummenspiel.
Das geplatzte Projekt als genialer Prolog
Der Abend ist klug zweigeteilt: Der erste Teil des Stücks beginnt mit einem scheinbar improvisierten Dialog des Ensembles. Die Protagonisten reflektieren in einer Art Einleitung die chaotische Vorbereitung und das plötzliche Scheitern der ursprünglichen Pläne. Dieser Kniff zieht das Publikum direkt hinein in den künstlerischen Scherbenhaufen. Wenn die Realität die Kunst so schnell überholt, dass ein Text von 1987 literarisch unterirdisch und gleichzeitig politisch brandaktuell wirkt, bleibt dem Theater nur die Flucht nach vorn. Nach einem Inspirationsbesuch bei einem stadtbekannten Musical reift der größenwahnsinnige Plan, das Business-Lehrbuch einfach als grelle Show aufzuziehen.
Das darauffolgende eigentliche Stück zeigt auf kunstvolle Weise, wie eintönig, oberflächlich und repetitiv das literarische Werk Trumps in Wahrheit ist. Unter der Regie von Walter Bart entfaltet sich eine zweistündige Revue, in der das Ensemble – bestehend aus Puk Brouwers, Stacyian Jackson, Lukas von der Lühe, Veronika Nickl und Abenaa Prempeh – in überdimensionierten grauen Business-Anzügen und glänzenden Outfits über die Bühne fegt. Es wird verhandelt, geschrien und posiert. Die Schauspieler machen deutlich: In der Welt dieses Immobilienhais gibt es keine Win-Win-Situationen. Ein Deal ist aus Trumps Sicht nur dann gut, wenn er extrem hart und vollkommen einseitig verhandelt wurde – eine Welt, in der es auf der anderen Seite des Tisches am Ende aus Prinzip nur Verlierer geben darf.
Die Banane als Symbol der Sterilität
Die visuelle Metaphorik der Inszenierung (Bühne und Lichtdesign: Maarten van Otterdijk) unterstreicht diese inhaltliche Trockenheit parodistisch. Als zentrales Requisit dominiert eine gigantische, gelbe Riesenbanane die Szenerie, auf der die Akteure herumklettern oder in deren Schatten sie – stilecht im Goldbarren-Kostüm – posieren. Die Banane fungiert hier als geniales Sinnbild für das System Trump: Sie steht biologisch für eine künstlich gezüchtete Frucht ohne Samen. Sie kann sich nicht aus sich selbst heraus biologisch erneuern und besitzt somit keine nachhaltige Zukunft. Sie ist das perfekte Synonym für die Ergebnisse des seichten, rein auf den Moment bezogenen Erfolgsbuches.
Musikalisch angetrieben wird die Groteske von Moritz Bossmann und Kristina Koropecki, die den Abend live auf der Bühne mit einem dichten Soundteppich aus E-Gitarre und Cello begleiten. Die Songs schwanken passend zwischen pompösen Musical-Melodien und repetitiven Rhythmen, die die Monotonie der immergleichen Business-Phrasen („Ich mache die besten Deals!“) perfekt spiegeln. Das Ensemble läuft hierbei zur schauspielerischen Höchstform auf. Besonders stark geraten die Momente, in denen die Darsteller mit starrem Grinsen das Buch wie eine heilige Schrift in die Höhe recken – immerhin das laut Trump „zweitbeste Buch der Welt nach der Bibel“.
„Eine hintersinnige, musikalische Satire über Geschäftemacherei, Engagement und die Lust am großen Auftritt.“ — Produktionsnotiz des Schauspielhauses
Wunderbaum und dem Bochumer Ensemble ist mit diesem Nachbericht ein echter Volltreffer gelungen. Statt einer platten Politik-Belehrung liefert das Theater eine popkulturelle Demontage des Phänomens Trump. Wer erleben möchte, wie aus einem geplatzten Theater-Deal ein hochaktueller, amüsanter und zugleich erschreckender Abend über die Gier des Kapitalismus wird, sollte sich diese Produktion in den Kammerspielen nicht entgehen lassen.
Noch zwei Mal kann man das Stück in den Kammerspielen bewundern:
- 7. Juli – 19:30 Uhr
- 18. Juli – 19:30 Uhr
