Beitrag: Jubiläum in Hiltrop: Wanderfalken brüten im zehnten Jahr in Folge am Heizkraftwerk
Im Wanderfalken-Nistkasten am Heizkraftwerk der Stadtwerke sind wieder Jungvögel geschlüpft

. Quelle: Thorsten Thomas, Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW

Die Natur erobert sich die urbanen Industriestätten des Ruhrgebiets weiterhin erfolgreich als Lebensraum zurück. Die Stadtwerke Bochum verzeichnen am Heizkraftwerk im Stadtteil Hiltrop einen runden Geburtstag der tierischen Art: Bereits im zehnten Jahr in Folge wurde der dort installierte Nistkasten erfolgreich von einem Wanderfalken-Paar als Brutstätte angenommen.

In dieser Brutsaison freut sich der Bochumer Energieversorger über dreifachen Nachwuchs. Die ornithologische Untersuchung ergab, dass am Standort ein junges Männchen sowie zwei junge Weibchen erfolgreich geschlüpft sind.

Nach Einschätzung von Experten des Naturschutzes erblickte der diesjährige Nachwuchs vermutlich bereits Mitte April das Licht der Welt. Die Entwicklung der Jungvögel verläuft nach einem festen biologischen Zeitplan. Während die männlichen Jungfalken erfahrungsgemäß nach rund 40 Tagen flügge werden und den geschützten Kasten verlassen, verbleiben die etwas kräftiger gebauten Weibchen traditionell einige Tage länger in der elterlichen Obhut. Aufgrund dieses Rhythmus dürfte der offizielle Ausflug der drei Hiltroper Jungvögel bereits Ende Mai erfolgt sein, sodass die Tiere nun den Luftraum über dem Bochumer Norden eigenständig erkunden.

Zusammenarbeit von Stadtwerken, NABU und AG Wanderfalkenschutz

Die Erfolgsgeschichte an der Kraftwerksspitze basiert auf einer gezielten Kooperation zwischen der Energiewirtschaft und dem organisierten Umweltschutz. Der spezielle Nistkasten wurde im Januar 2015 von den Stadtwerken Bochum in enger Abstimmung mit dem Naturschutzbund (NABU) montiert. Als Standort wurde die Spitze des Kamins des Fernwärmekraftwerks in rund 50 Metern Höhe gewählt, um den Tieren einen geschützten und ungestörten Brutplatz zu garantieren. Seit der Montage wird die Anlage kontinuierlich von den Experten der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW wissenschaftlich betreut und überwacht. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wird die künstliche Felsnische seit dem Jahr 2017 ohne jede Unterbrechung von den seltenen Greifvögeln für die jährliche Aufzucht genutzt.

Wanderfalken gehören zur Familie der Falken und zeichnen sich durch eine enorme Anpassungsfähigkeit aus, die sie zu einer der am weitesten verbreiteten Vogelarten der Erde macht. Abgesehen von der Antarktis besiedeln sie jeden Kontinent. Da die Tiere im ursprünglichen Naturraum reine Felsbrüter sind und vor allem Steilküsten oder gebirgige Regionen bevorzugen, boten die flachen Regionen Mitteleuropas lange Zeit kaum adäquate Lebensbedingungen. Seit einigen Jahrzehnten vollzieht die Art jedoch einen Wandel und nutzt hohe, von Menschen geschaffene Bauwerke wie Kraftwerkstürme, Sendemasten oder Kirchtürme als sogenannte „Kunstfelsen“, um dort ihre Reviere inmitten urbaner Ballungsräume zu etablieren.

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