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Das Stadtarchiv zeigt ein besonderes Plakat aus der Nachkriegszeit. Das Dokument erinnert an die Anfänge der Freibadkultur im Ruhrgebiet.
Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ präsentiert einmal im Monat ein besonderes Dokument oder Objekt aus den Beständen des Stadtarchivs – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte. Auf diese Weise werden nicht nur historische Ereignisse oder Persönlichkeiten vorgestellt. Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ gewährt auch einen Einblick in die bunte Vielfalt der historischen Zeugnisse, die zum kulturellen Erbe Bochums gehören und die im Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte verwahrt werden. Im Juni geht es um ein Plakat der städtischen Freibäder um 1950. Es kann in den Räumen des Stadtarchivs an der Wittener Straße 47 besichtigt werden.
Stadtarchiv Bochum präsentiert das Schaufenster Stadtgeschichte
Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es online unter www.bochum.de/stadtarchiv. Nach Ende des 2. Weltkriegs blieb den Bochumerinnen und Bochumern der Zugang zu den Freibädern zunächst noch verwehrt. Diese waren durch den Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen: Das Freibad in Langendreer war zerstört, die Flussbadeanstalt Linden-Dahlhausen konnte wegen Material- und Personalmangel nicht öffnen. Hinzu kam, dass das Freibad in Werne zeitweise von britischen Besatzungstruppen beschlagnahmt war.
Erst allmählich besserte sich die Situation. In Werne konnte der öffentliche Badebetrieb im Sommer 1946 wieder aufgenommen und zwei Jahre später das Freibad Langendreer mit größeren Flächen für das „Licht- und Luftbad“ wiedereröffnet werden. Auch die städtische Werbung setzte auf die Attraktivität der Freibäder. Das hier gezeigte Plakat bewarb nicht nur die vergleichsweise günstigen Eintrittspreise, sondern stellte zusätzlich Fahrpreisermäßigungen in Aussicht. Anfang der 1950er-Jahre lagen die Eintrittskosten in Bochum und Herne bei 20 Pfennig für Erwachsene und 10 Pfennig für Kinder.
Günstige Eintrittspreise im Freibad Langendreer und Werne
Damit waren sie deutlich niedriger als in Nachbarstädten: In Dortmund wurden bereits 30 und 10 Pfennig, in Witten sogar 50 und 20 Pfennig verlangt. Trotz der wachsenden Nachfrage waren die Bedingungen in den Freibädern alles andere als optimal. Ein Gutachten der Deutschen Gesellschaft für Badewesen e.V. aus dem Jahr 1951 bescheinigte den Bochumer Badeanstalten insgesamt unzureichende Verhältnisse. Neben baulichen Mängeln an den Becken wurden insbesondere die zu kleinen Liegewiesen kritisiert, die dem Andrang der Badegäste nicht gerecht wurden. Probleme bereitete zudem die fehlende Wasseraufbereitung: Die starke Verschmutzung führte dazu, dass das Wasser kaum noch durchsichtig war.
Gleichzeitig belegen Besucherzahlen, wie beliebt die Freibäder bei der Bevölkerung waren. Allein an den Pfingsttagen des Jahres 1953 zählten die Freibäder Langendreer und Werne 4.107 und 6.177 Badegäste, während die Flussbadeanstalt Linden-Dahlhausen von 4.430 Personen besucht wurde. Die Freibäder waren oftmals die einzige mögliche Abkühlung in der dicht besiedelten Stadt. Die Kritik blieb nicht ohne Folgen: In den Freibädern Langendreer und Werne wurden Wasserfilteranlagen installiert und das Freibadgelände in Werne bis 1954 erweitert. Parallel dazu wurden Stimmen laut, die den Bau weiterer Badeanstalten forderten – ein Zeichen dafür, wie sehr das Bedürfnis nach Erholung und Freizeitangeboten in der Nachkriegszeit gewachsen war.
