Beitrag: Hopfen abseits des Mainstreams aus Wattenscheid
Brauerei „Piepnitz“ aus Bochum

(c) Sebastian Sendlak

Alexander Pieper hat das Bierbrauen im Mietskeller gelernt. Heute betreibt er die zweitgrößte Brauerei in Bochum. Mit der Marke Piebnitz bricht der gelernte IT-Manager traditionelle Regeln und liefert handwerkliche Genüsse sogar bis in die Karibik.

Alexander Pieper ist 36 Jahre alt und ging einen ungewöhnlichen Weg zum eigenen Gerstensaft. Eigentlich im IT-Management beheimatet, startete seine Braukarriere im Jahr 2015 mit einem misslungenen Geschenkset seiner Freundin. Das erste selbstgebraute Bier war ungenießbar sauer, doch der Ehrgeiz des Studenten war geweckt. Zusammen mit seiner Kollegin Alina Grenitz gründete er später die Brauerei Piepnitz, deren Name aus beiden Nachnamen entstand. Unterstützt durch die alten Ausbildungsunterlagen seines Onkels, der als Braumeister arbeitet, eignete sich Pieper das Handwerk im eigenen Mietskeller autodidaktisch an.

Handwerkliche Bierkultur am Wattenscheider Hellweg

(c) Sebastian Sendlak

Im Jahr 2020 wagten die Gründer schließlich den Schritt in die Professionalität und bauten die eigene Brauerei am Wattenscheider Hellweg auf. Obwohl sie sich scherzhaft als Höntroper bezeichnen, schlägt ihr Herz voll und ganz für die Stadt Bochum. Das Unternehmen finanziert sich komplett aus eigenen Mitteln der beiden Hauptgesellschafter Alexander Pieper und Stella. Aller Anfang war schwer, denn Fördermittel gab es für das junge Start-up keine und die bürokratischen Hürden für einen Lebensmittelbetrieb waren hoch. „Fördermittel gab es keine und fairerweise gab es auch nicht so viel Hilfe von der Stadt, wie man in so einem Lebensmittelbetrieb eigentlich anmelden müsste, was man da tun muss“, sagt Pieper.

Die größte Unterstützung in der Anfangszeit kam schließlich vom Bochum Marketing, das wichtige Kontakte zu lokalen Herstellern knüpfte. Heute kreiert das Team regelmäßig neue Sorten abseits des industriellen Einheitsbreis. Ein Beispiel dafür ist eine spritzige Radler-Alternative, die mit frischen Limetten und Meersalz vergoren wird. Das Sortiment umfasst zudem klassisches, naturtrübes Pils sowie im Eichenholzfass gelagerte Spezialitäten.

Bochumer Braukunst auf der Weinmesse und in der Karibik

Ihr handwerkliches Produkt vertreiben die Bochumer nicht nur über einen eigenen Onlineshop und den wöchentlichen Werksverkauf. Auch in regionalen Feinkostläden, ausgewählten Rewe-Märkten und bei Trinkgut sind die Flaschen zu finden. Die Bekanntheit reicht mittlerweile sogar weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus. Der am weitesten entfernte Abnehmer liegt stolze 6.000 Kilometer weit weg auf der Insel Aruba. „Wir beliefern eine Hafenbar auf der Insel Aruba, weil die haben das beste Rotbier Deutschlands gesucht und auf uns gestoßen“.

Um die Sichtbarkeit in der Heimat zu stärken, stellt die Brauerei Piebnitz regelmäßig auf einer lokalen Weinmesse aus. Zwischen edlen Tropfen positioniert Pieper sein Bier bewusst als hochwertiges Genussprodukt und Alternative zum Wein beim Essen. Auf der Messe trifft man auch Branchenkollegen wie Jürgen Graf, dessen Wein der Brauereichef privat schätzt. „Mein Lieblingswein ist der Soup Nyon Blanc vom Jürgen“. Trotz der Hitze von vergangenen Veranstaltungen zieht es die Brauer immer wieder dorthin, um den Bochumern echtes Handwerk zu präsentieren.

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