
Dr. Manfred Keller
(c) Evangelische Stadtakademie Bochum
Mit einem facettenreichen Konzert im Kunstmuseum Bochum ist die sechste Auflage des Kulturfestivals erfolgreich an den Start gegangen. Neben musikalischen Schätzen aus Westfalen prägten mahnende und zugleich ermutigende Worte zur Erinnerungskultur den Eröffnungsabend.
Das Forum des Kunstmuseums Bochum bildete am vergangenen Sonntag, 24. Mai 2026, die Bühne für den feierlichen Auftakt des „6. Festivals Musik & Kultur der Synagoge 2026“. Vor rund 120 geladenen Gästen präsentierte der renommierte Leipziger Synagogalchor unter der musikalischen Leitung von Philipp Goldmann ein anspruchsvolles Programm. Gemeinsam mit Clara-Sophie Rohleder (Sopran), Christian Pohlers (Tenor) und Clemens Posselt (Klavier) machten die Künstler die Schätze jüdischer Chormusik, traditionelle Synagogengesänge und jüdische Folklore für das Publikum erlebbar.
Die Eröffnungsveranstaltung bildete den Auftakt für ein mehrwöchiges Programm, das in den kommenden Monaten für eine tiefere Verständigung und den kontinuierlichen Dialog mit den jüdischen Nachbarn im gesamten Land beitragen soll.
Sylvia Löhrmann: „Jüdisches Leben ist in Deutschland wieder bedroht“
Einen eindringlichen Akzent setzte die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, Sylvia Löhrmann, in ihrem Grußwort. Sie mahnte, dass jüdisches Leben in Deutschland aktuell wieder massiven Bedrohungen ausgesetzt sei, und verwies dabei auf die kontinuierlich steigenden Fälle von Antisemitismus, die auch vor Nordrhein-Westfalen keinen Halt machen. Umso wichtiger sei ein solches Festival, da die Vielfalt des dargebotenen Programms einen wesentlichen Beitrag dazu leiste, jüdisches Leben in der Öffentlichkeit dauerhaft sichtbar, hörbar und erlebbar zu machen.
Auch Festivalleiter Dr. Manfred Keller lenkte den Blick auf den historischen Kontext und die aktuelle Verantwortung. Er erläuterte, dass von ehemals rund 200 Synagogen in Westfalen heute lediglich gut 20 Gebäude erhalten geblieben sind, welche den Terror der Nationalsozialisten und die oft geschichtsvergessene Phase der Nachkriegszeit überstanden haben.
Ehemalige Gebetshäuser als lebendige Erinnerungsorte
In acht dieser ehemaligen jüdischen Gebetshäuser, die heute als wichtige regionale Erinnerungsorte genutzt werden, schlägt das Festival in den kommenden Wochen seine Zelte auf. Die Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, das historische jüdische Landleben durch ein dichtes Programm aus Lesungen, Fachführungen und Chorkonzerten von einer ganz neuen Seite kennenzulernen.
Für Dr. Manfred Keller liegt der Schlüssel im Kampf gegen den Hass in der spürbaren Präsenz der Kultur im Alltag. Es sei die langjährige Erfahrung der Erinnerungskultur in Bochum, dass man dem Antisemitismus den Boden entziehe, wenn jüdisches Leben sichtbar gemacht und an die Geschichte in großer Offenheit erinnert werde. Das Ziel des Festivals sei es daher ausdrücklich nicht, in gedrückter oder anklagender Stimmung zu verharren, sondern wach, engagiert, neugierig und mit einer echten Freude an der jüdischen Kultur in den gesellschaftlichen Dialog zu treten.
