
(c) Freiwillige Feuerwehr Bochum Linden
Sonderübungsdienst der besonderen Art: Die Ehrenamtlichen testen das Verhalten ihrer schweren Schutzkleidung im tiefen Becken und trainieren wichtige Techniken für sommerliche Einsätze an der Ruhr.
Wenn die Tage wärmer werden, zieht es die Menschen in Bochum scharenweise ans Wasser – insbesondere an und auf die Ruhr im Bochumer Süden. Für die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr bedeutet das Hochsaison und höchste Wachsamkeit bei potenziellen Ertrinkungsunfällen. Um für den Ernstfall optimal vorbereitet zu sein, absolvierte die Löscheinheit Bochum-Linden am vergangenen Wochenende einen außergewöhnlichen und hochgradig realitätsnahen Sonderübungsdienst: Es ging für die Retter mitten hinein in die Becken des Freibads in Bochum-Hofstede.
Härtetest für die Ausrüstung: Wie schwer wird die HuPF-Kleidung?
Im Zentrum des Trainings stand ein wichtiges, physikalisches Experiment mit ernstem Hintergrund: Das Verhalten der standardmäßigen Brandbekämpfungskleidung (die sogenannte HuPF-Kleidung) direkt im und unter Wasser. „Im echten Einsatz bleibt den Kräften bei einer plötzlichen Menschenrettung am Flussufer nicht immer die Zeit, sich vor dem Sprung ins Wasser erst mühsam zu entkleiden“, erklärt die Einheit den Hintergrund.
Für die Feuerwehrleute war es daher eine wertvolle und teils schockierende Erfahrung, am eigenen Körper zu spüren, wie massiv sich die dicken, mehrlagigen Schutzanzüge in Sekundenbruchteilen mit Wasser vollsaugen, wie stark sich das Eigengewicht erhöht und wie stark dadurch die körperliche Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird. Diese Erkenntnisse sind überlebenswichtig, um die eigenen Grenzen bei einer Strömungsrettung im Sommer richtig einschätzen zu können.
Rettungsweste und Spineboard: Komplexe Techniken auf dem Prüfstand
Neben dem reinen Kleidungstest stand das systematische Erlernen und Festigen verschiedener Rettungstechniken auf dem Stundenplan. Auf dem Wasser des Hofsteder Freibads probten die Ehrenamtlichen den richtigen Umgang mit professionellen Rettungswesten, das zielgerichtete Werfen eines Rettungswurfsacks zur Personensicherung sowie den schonenden Transport eines verunglückten oder wirbelsäulenverletzten Patienten mithilfe des sogenannten Spineboards (einem schwimmfähigen Rettungsbrett).
Trotz des harten und anstrengenden Programms kam auch der Kameradschaftsgeist nicht zu kurz. Ein Freibad außerhalb der regulären Öffnungszeiten ganz für sich allein zu haben, ist schließlich auch für erfahrene Feuerwehrkräfte ein absolutes Highlight.
Starkes Netzwerk: Ein Dankeschön an die Unterstützer
Ein solcher Sonderübungsdienst lässt sich im Ehrenamt nur durch ein funktionierendes Netzwerk und starke Partner realisieren. Ein großes Dankeschön richtete die Lindener Wehr daher an die Wasserwelten Bochum, die das Freibad Hofstede unkompliziert für die Übungszwecke zur Verfügung stellten.
Ebenso ging ein Dank an die Retter der DLRG Linden-Dahlhausen für das Bereitstellen der spezialisierten Wasserrettungsmittel, an die zentrale Kleiderkammer der Feuerwehr Bochum für das Bereitstellen ausgemusterter Übungskleidung sowie an den Kameraden Jonas, der die aufwendige Organisation des gesamten Wochenendes im Hintergrund gestemmt hatte.
