Beitrag: „Sterneküche macht Schule“ am Alice Salomon Berufskolleg
Sternekoch Stefan Marquard mit einem Schüler des Alice Salomon Berufskolleg Bochum

Foto: Jenny Musall

Sternekoch Stefan Marquard bringt frischen Wind nach Bochum. Gemeinsam mit der Knappschaft begeistert das Projekt „Sterneküche macht Schule“ Kinder und Jugendliche für gesunde Ernährung.

In der Küche des Alice-Salomon-Berufskollegs herrscht reges Treiben. Die Schüler dekorieren Teller und bereiten ein Curry vor. „Nicht so, sondern so.“ Sie zeigen sich gegenseitig, wie der Teller am Ende auszusehen hat. Die Schüler sind schon seit 7 Uhr da. Eigentlich hat die Schule ein regelmäßiges Mittagessen, aber der heutige Tag ist anders. Sternekoch Stefan Marquard ist mit seinem Team da und bereitet gemeinsam mit den Schülern Fingerfood zu.

Gesunde Ernährung macht Schule

Das bundesweite Projekt wird von der Knappschaft gefördert. Sabine Tenberge, verantwortlich für Prävention bei der Knappschaft, erklärt: „Wir haben verschiedene Projekte und das hier, „Sterneküche macht Schule“, ist ein Präventionsprojekt, das wir schon mehrere Jahre gemeinsam mit Stefan Marquard und seinem Team machen. Wir bringen frische Küche an Kitas, Schulen und auch an Hochschulen. Also weg von Fertigkost und eine Umstellung zur frischen Küche. Zur gesunden Ernährung.“

Über die Kooperation sagt sie: „Der Kontakt ist entstanden dadurch, dass wir uns gemeinsam dem Thema Ernährung widmen. Gesunde Ernährung ist ein wichtiger Baustein und eben auch schon von klein auf. Dadurch kam es dann auch zur Kooperation.“ Laut Tenberge sind jährlich 20 bis 30 Schulen involviert. Voraussetzung sind Kochpersonal, eine Küche und der Wunsch nach Umstellung. Sie betont: „Es geht uns halt stark um die Nachhaltigkeit. Es soll keinen Eventcharakter haben. Sondern es soll darum gehen, dass man langfristig in der Schule auf frische Küche umsteigt.“

Stefan Marquard begeistert Jugendliche am Herd

Die Idee ist vor 20 Jahren durch  die Kinder von Sternekoch Stefan Marquard entstanden. Der Koch berichtet: „Ganz einfach, meine Kinder kamen auf mich zu. Die haben gesagt: ‚Papa, kannst du mal …‘ Und naja, aus ‚Papa kannst du mal …‘ wurden immer mehr Schulen auf diese Idee aufmerksam, dass ich mal vorbeischauen könnte.“ Irgendwann wurde es zu viel, und so ist laut dem Koch der Kontakt zur Knappschaft entstanden, die Präventionsprojekte macht. „Die haben sich dann für uns entschieden und unterstützen uns seitdem. Alleine können wir das nicht wuppen, aber mit der Knappschaft im Hintergrund klappt das wirklich sehr, sehr gut.“

Zum Menü sagt der Koch: „Wir machen heute vier verschiedene Fingerfoodschichten, einmal einen Crêpe mit Spargel. Dazu gibt es einen Lachs mit einer Knusperpanade oben drüber. Dann machen wir Zucchini-Puffer mit einer Joghurtsoße. Dann machen wir ein Crostini mit einer Ratatouille in Mondarella und Basilikum. Außerdem machen wir noch ein Ananas-Curry mit Hühnchen.“

50. Geburtstag mit gesundem Fingerfood

Timo Engbring, stellvertretender Schulleiter des Alice Salomon Berufskollegs, hat selbst keinen Einfluss auf das Menü gehabt. Und doch ist der Wunsch nach Fingerfood da gewesen, um gemeinsam den runden Geburtstag zu feiern. „Ansonsten habe ich ihm freie Hand gelassen“, sagt Engbring, der an diesem Tag seinen 50. Geburtstag feiert. Er freut sich über den prominenten Support: „Auf jeden Fall ist Stefan aus dem Team von Marquard hier, der ist es, der alles mit den Leuten bespricht und alle hier mitbezogen hat.“

Schulleiter Johannes Kohtz-Cavlak findet das Projekt cool: „Wir bilden ja in dem Bereich Ernährung aus. Es gibt eine Kochausbildung bei uns und wir haben auch viele Schüler, die in der Küche arbeiten wollen. Die integrieren wir im Unterricht schon bei der ersten Ausgabe und bei der ersten Zubereitung. Wir haben ein Restaurant, wo wir das Essen den Kollegen und den Schülern anbieten. Dann haben wir ein Bistro, das auch von Schülern betrieben wird.“ Genau diese Schüler, die in den schuleigenen Küchen tätig sind, sind wiederum jetzt hier und lernen direkt von Marquard. „Ich habe gestern probieren dürfen, habe jetzt probiert und bin ganz begeistert. Das ist super lecker.“

Nachwuchs kocht am Herd

Am Herd steht die 17-jährige Schülerin Veronika: „Ich bereite hier eine Paprikasoße zu.“ Sie steht am Anfang ihres Weges: „Ich mache keine Kochausbildung. Ich mache die normale Schule. Das ist einfach das erste Jahr im Ernährungsbereich. Und danach möchte ich eine Kochausbildung machen.“ Es mache ihr Spaß, zu kochen.

Um Spaß beim Kochen geht es auch bei dieser Aktion, bei der sich alle Schulen bundesweit bewerben können. Dabei geht Marquard nicht nur in Berufsschulen oder weiterführende Schulen, sondern auch in Kitas und Grundschulen. Normalerweise haben gerade Grundschüler oder Kinder in Kindergärten eine geringe Aufmerksamkeitsspanne von 30 bis 45 Minuten. Doch in seiner Arbeit merkt der Koch nichts davon. “ Egal, wie alt die sind, du musst die wie erwachsene Menschen behandeln. Auch die erste Klasse wird behandelt wie erwachsene Menschen. Die Kleinen bekommen auch komplexe Aufgaben. Von A bis Z.“ Es gibt keine Unterschiede. Stattdessen ziehen die kleinen Köche mit und durch. „Da fühlen die sich gewertschätzt, das finden die toll. Und dann funktionieren die auch. (…) Das ist der Hammer, das ist wirklich unglaublich“, freut sich Marquard über die Motivation der Kinder und auch Jugendlichen. 

Ob sich das Alice Salomon Berufskolleg noch einmal bewerben wird? „Mit Sicherheit, wenn ich in den Ruhestand gehe“, schmunzelt Kohtz-Cavlak zum Abschluss.

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