
Bürgermeisterin Barbara Jessel und Dagmar Stallmann von der unteren Denkmalbehörde
(c) Sebastian Sendlak
Bochum setzt ein Zeichen für Baukultur: Die U-Bahn-Station Deutsches Bergbau-Museum steht ab sofort offiziell unter Denkmalschutz – als allererste U-Bahn in ganz NRW.
Die Stadt Bochum hat am Tag des offenen Denkmals Geschichte geschrieben und die Haltestelle Deutsches Bergbau-Museum offiziell unter Denkmalschutz gestellt. Unter dem diesjährigen Motto zur Infrastruktur rückt damit ein Verkehrsbauwerk in den Fokus, das täglich von Tausenden Pendlern und Studierenden genutzt wird. Bürgermeisterin Barbara Jeßel überreichte vor Ort feierlich die offizielle Denkmalplakette an die Beteiligten. Für die Untere Denkmalbehörde der Stadt Bochum ist die Unterschutzstellung eines unterirdischen Bauwerks eine absolute Premiere.
Postmoderne Architektur und Bochumer Bahnhofsbauweise
Bislang standen vor allem Zechen, Kirchen oder historische Wohnbauten im Fokus der Denkmalpflege. Die 1989 eröffnete Haltestelle der U35 besticht jedoch durch die wegweisende Bochumer Bahnhofsbauweise, die bergmännisch vorangetrieben wurde und stützenfreie Räume ermöglichte. Der städtische Ingenieur Jochen Habeck schuf damals einen Meilenstein der späten Postmoderne mit klarer bildhafter Sprache. „Die meisten von Ihnen sind jetzt hier durch den kreisrunden Eingang gekommen und dieser kreisrunde Eingang, wenn Sie hier rausgehen, ist wie ein Ausstieg aus dem Bergschacht“, erklärte Dagmar Stallmann von der Unteren Denkmalbehörde.
Das Bauwerk nimmt an vielen Stellen gestalterisch direkten Bezug auf die montanhistorische Tradition des Ruhrgebiets. Weiße Stützen erinnern bewusst an Waschkaunen, während exklusiv gestaltete Pilzstützen elegante Anleihen an den Jugendstil aufweisen. Durch die bergmännische Konstruktion entstand auf der Fahrebene eine außergewöhnliche Weite, die das Raumgefühl bis heute prägt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Tiefbauamt, Bogestra und dem Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum legte das Fundament für diesen Schritt.
Erste denkmalgeschützte U-Bahn-Haltestelle in ganz NRW
Mit der Entscheidung übernimmt Bochum eine Vorreiterrolle im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Während Metropolen wie Berlin oder München bereits denkmalgeschützte Untergrundstationen besitzen, betritt NRW mit diesem Schritt absolutes Neuland. Die U35 verbindet als interkommunale Stadtbahnlinie seit Jahrzehnten Schloss Strünkede in Herne mit dem Bochumer Süden. „Tief unter der Erde bewegt die U-Bahn Menschen von einem Ort zum nächsten“, betonte Bürgermeisterin Barbara Jeßel bei der feierlichen Übergabe.
Für interessierte Besucher boten die Kortum-Gesellschaft und das Deutsche Bergbau-Museum am Denkmaltag gemeinsame Führungen unter dem Titel „Up and Down“ an. Die Route führte die Bürgerinnen und Bürger von den Bahnsteigen direkt hinauf auf das markante Fördergerüst. Zudem erinnerte Historiker Hans Hanke an weitere Bauten der städtischen Infrastruktur, wie das 100 Jahre alte Ensemble am Stadtparkeingang. Die neue Denkmalplakette an der U-Bahn-Station zeigt deutlich, dass Verkehrsgeschichte und Identität tief unter den Straßen Bochums untrennbar zusammengehören.
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Bilder: Sebastian Sendlak
