Beitrag: Oli radelt für den guten Zweck und stoppt in Bochum
Oli Trelenberg radelt für den guten Zweck

(c) Sebastian Sendlak

Oli Trelenberg startete seine Benefiz-Radtour für schwerstkranke Kinder. Erste Station der 5.000 Kilometer langen Reise ist Bochum, wo er seinen ersten Stopp eingelegt hat.

Der Hagener Oli Trelenberg hat seine Benefiz-Fahrradtour „Oli radelt“ gestartet und als allererste Station auf seinem langen Weg die Stadt Bochum ausgewählt. Am Morgen ist der engagierte Mutmacher noch in seiner Heimatstadt Hagen verabschiedet worden, bevor er sich direkt auf den Weg nach Bochum gemacht hat. In Bochum empfing ihn Stadtdezernent Jens Vieting in Vertretung von Oberbürgermeister Jörg Lukat, um diese ungewöhnliche Leistung gebührend zu würdigen. Auf seiner Reise ist der passionierte Radler komplett auf sich allein gestellt, doch im Gepäck hat er eine bewegende Lebensgeschichte und ordentlich Durchhaltevermögen.

Große Spendenaktion für kranke Kinder bewegt die Stadt Bochum

„Radfahren ist einfach geil! Unterwegs zu sein, ist einfach schön“ sagt Oli Trelenberg vor dem Bochumer Rathaus über seine Motivation, sich so eine lange Reise zu Rad anzutun. Insgesamt stehen bei dieser Tour beachtliche 83 Städte auf dem anspruchsvollen Plan des engagierten Fahrers. „Wir freuen uns insbesondere, dass Bochum die erste Station ist, was sicherlich auch etwas einfach mit der geografischen Lage zu tun hat“ sagt Stadtdezernent Jens Vieting. „Und auf der anderen Seite aber auch, und das ist ja das, was die Tour ausmacht, um Spendengelder einzusammeln.“

Denn der Erlös dieser Radtour, die seit 2015 jedes Jahr Mitte Mai startet, kommt in erster Linie kranken und schwerstkranken Kindern zugute. „Die haben leider Gottes die meiste Zeit ihres Lebens in jungen Jahren dann schon hinter sich gebracht haben. Und als ich das gehört habe, haben wir gesagt: Klar, den Oli müssen wir bei uns in Bochum begrüßen. Wir müssen auch auf die Themen aufmerksam machen, die sich am Rande unserer Gesellschaft befinden und über die wir nicht so gerne sprechen“, so Vieting weiter. Es gehöre laut Vieiting, gleichzeitig zu der Gesellschaft, dass nicht alle mit Gesundheit und einem unbeschwerten Leben gesegnet sind.

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Oli Trelenberg erkrankte selbst an Krebs

Hinter dem sportlichen Engagement steckt ein Schicksal, das von tiefen Tälern und einem Kampf zurück ins Leben geprägt ist. Der Radler blickt heute offen auf die harten Zeiten seiner eigenen Vergangenheit zurück. „Ich habe mich ganz früh dem Alkohol zugewandt, weil mein Zuhause nicht besonders lustig war. Ich glaube, so mit elf, zwölf Jahren habe ich zum ersten Mal mir einen reingeschüttet und habe dann festgestellt: Damit ist das Leben ein bisschen erträglicher“, sagt Trelenberg, der 1965 geboren wurde und bis 2003 ein schwerer Alkoholiker gewesen ist. „Ich hab’ das Saufen dann aus eigenen Stücken und allein aufgehört. Seitdem bin ich trocken.“ In den folgenden Jahren hat er mehrere Psychotherapien gemacht, um diese Lebensgeschichte aufzuarbeiten. „Und irgendwann das Radfahren halt entdeckt für mich. Hab’ festgestellt, wenn ich am Fahrrad sitze und durch die Natur raus, dann geht es mir in der Birne eigentlich ganz gut. Dann habe ich nichts so mit Depressionen, traumatischen Störungen zu tun“, schmunzelt Trelenberg, der einfach nur Oli genannt werden will.

2013 kam die Diagnose Kehlkopfkrebs. „Ich habe dann festgestellt, dass ich wohl unbedingt wieder aufs Rad muss, damit es mir besser geht.“ So sind es erst kleinere Touren mit drei, vier Kilometern gewesen. „Mehr ging nicht, und ich bin dann ein Jahr später mit dem Ticket 2000 im Ruhrgebiet und dem Rad unterwegs gewesen.“ So ist ihm die Idee gekommen, ob das mit einem guten Zweck verbunden werden kann.

Wichtige Spenden für Kinderhospize und Vereine in NRW

Auf der ersten  Tour wurde für einen regionalen  Kinder-Jugend-Hospizverein gesammelt. Aber es hat ein Problem gegeben: „Wenn du für den Kreis Unna Spendensammelst und du kommst dann nach Dortmund, findest du schon keine Unterstützung mehr, weil die alle selber diese Hospizvereine haben. Dann macht es keinen Sinn, wenn die Leute das Geld aus der Region woanders hingeben.“ So ist die Idee entstanden, überregionale Vereine zu unterstützen, die sich der Radler vorher alle genau ansieht.

Heute zieht er aus den langen Fahrten quer durch die gesamte Republik die nötige Kraft für seinen Alltag. „Dieses Projekt hält mich Leben.“ Die Planung der enormen Strecken erfordert jedes Jahr viel Vorlaufzeit und beginnt schon im Oktober. So wird mit entsprechenden Fahrradkarten die Route geplant. Die Städte werden dann im neuen Jahr kontaktiert. An manchen Orten befinden sich auch Unterstützer, wie beispielsweise Hotelketten, die dann ein Zimmer zur Verfügung stellen.

Infos zur Route und Spendenkonten von Oli radelt online

Auf seiner Tour, die geplant am 11. August in Hagen endet, legt Oli dann rund 5.000 Kilometer zurück. Hier begegnen ihm immer wieder einmal Menschen, deren eigene Geschichte ihm in Erinnerung bleibt. Wie beispielsweise das Gespräch mit einem Mann, dessen Vater verstorben ist. „Mit dem bin ich vor ein paar Jahren ins Gespräch gekommen. Ich habe ihm erklärt, was ich mache. Er erzählte mir, sein Vater ist am Morgen an Krebs verstorben.“ Nach seiner Reise hat die Mutter angerufen und sagte: „Sie haben ja meinen Sohn kennengelernt. Ich wollte nur sagen, wir haben das Geld von der Beerdigung komplett für Ihr Projekt gespendet.“ Diesen Moment hat Oli bis heute nicht vergessen und zeigt, dass die Flyer und ein gutes Gespräch helfen können.

Erkennen kann man Oli meistens an seinem blauen Shirt mit der Aufschrift „Radeln für den guten Zweck“. Informationen zur Bankverbindung der Stadt Hagen, die die Spendengelder 1:1 an die ausgewählten Vereine weitergibt, gibt es hier: Oli-radelt.de

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