
Stadtradeln
Bernhard Raeder und Martin Hackenbrock vom ADFC, Tiefbauamtsleiterin Susanne Düwel sowie Bianca und Uwe Lulka als Radfahrer beim Auftakt zum Stadtradeln am 03.05.2024 mit Infoständen vor dem Rathaus in Bochum. +++ Foto: Lutz Leitmann/Stadt Bochum
Verkehrsberuhigung, mehr Sicherheit für Rad- und Fußverkehr und weniger Durchgangsverkehr – gleich mehrere Verkehrsversuche in Bochum werden derzeit ausgewertet oder gestartet. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC Bochum) sieht darin ein wichtiges Signal und fordert, erfolgreiche Modelle zügig auf weitere Stadtteile auszuweiten.
Verkehrsversuch in Linden gestartet
An der Hattinger Straße im Stadtteil Linden beginnt in dieser Woche die praktische Umsetzung eines Verkehrsversuchs, der die Aufenthaltsqualität im Einkaufsbereich zwischen Hasenwinkeler Straße und Dr.-C.-Otto-Straße deutlich verbessern soll. Kern der Maßnahme ist eine neue Verkehrsführung mit Tempo 20 sowie die Verlagerung des Radverkehrs auf die Fahrbahn.
Gleichzeitig werden Parkflächen auf der nördlichen Straßenseite reduziert. Die dadurch frei werdenden Flächen sollen künftig für Fahrradbügel, Begrünung und zusätzliche Aufenthaltsbereiche genutzt werden. Ziel der Stadt ist es, den starken Durchgangsverkehr in dem dicht genutzten Stadtteilzentrum zu reduzieren und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden zu erhöhen.
Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt unter anderem die Hochschule Bochum, die gemeinsam mit der Stadt auch eine Bürgerbeteiligung zur Evaluation des Projekts vorsieht.
„Die Trennung von Rad- und Fußverkehr ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend wird aber sein, wie konsequent Tempo 20 eingehalten und kontrolliert wird“, erklärt der ADFC. Auch der Umgang mit Parkständen und die Gefahr sogenannter Dooring-Unfälle bleibe ein kritischer Punkt.
Schulstraßen: Modell soll ausgeweitet werden
Parallel dazu zieht Bochum Bilanz aus dem Verkehrsversuch „Schulstraße“, der bereits im Umfeld der Rudolf-Steiner-Schule im Stadtteil Langendreer umgesetzt wurde. Die betroffenen Straßen Witte-Wie und Externest sollen nach Auswertung dauerhaft als Schulstraßen bestehen bleiben.
Das Konzept sieht vor, dass bestimmte Straßenabschnitte während der Schulzeiten für den Autoverkehr gesperrt sind. Ziel ist es, die Sicherheit vor Schulen zu erhöhen und sogenannte „Elterntaxis“ zu reduzieren.
Der ADFC Bochum begrüßt die Entwicklung ausdrücklich und sieht darin einen Ansatz mit Vorbildcharakter für weitere Schulstandorte in der Stadt. Gleichzeitig wird jedoch kritisiert, dass die Einhaltung der Regeln im Verlauf des Versuchs nicht ausreichend kontrolliert wurde.
„Wenn Regeln nicht konsequent durchgesetzt werden, leidet die Akzeptanz – gerade dort, wo Kinder täglich unterwegs sind“, so der ADFC. Neben Schulstraßen werden auch Tempo-30-Zonen, sichere Querungen und Radschulwegpläne als zentrale Bausteine genannt.
Politische Unterstützung – aber offene Fragen
Auch aus der Kommunalpolitik kommt Unterstützung für die Maßnahmen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung bestehen, Verkehrsberuhigung, Erreichbarkeit und Sicherheit im dicht bebauten Stadtraum miteinander zu verbinden.
Die Stadt Bochum will die Ergebnisse der laufenden Projekte nun systematisch auswerten. Ob Verkehrsversuche wie in Linden oder Schulstraßen künftig häufiger eingesetzt werden, dürfte maßgeblich von den kommenden Evaluationen abhängen.
