Beitrag: Fast jeder vierte Schulanfänger in Bochum erhält Sprachtherapie
Jungen erhalten häufiger eine Sprachtherapie als Mädchen. Besonders bei Sechsjährigen rund um den Schulbeginn werden Sprachtherapien verordnet.

Foto: AOK/colourbox/hfr.

In Bochum beginnt für viele Kinder der Schulstart mit zusätzlicher Förderung. Eine Auswertung der AOK NordWest zeigt einen hohen Bedarf an Sprachtherapie bei Sechsjährigen.

Die sprachliche Entwicklung ist eine zentrale Voraussetzung für den schulischen Erfolg. In Bochum erhielt im Jahr 2024 fast jedes vierte Kind zum Schulbeginn eine Sprachtherapie. Besonders häufig betroffen sind Jungen. Die Daten stammen aus einer aktuellen Auswertung der AOK NordWest. Fachleute betonen die Bedeutung früher Förderung.

Nach Angaben der AOK NordWest erhielten 22,7 Prozent der sechsjährigen Kinder in Bochum rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. Bei Jungen lag der Anteil mit 28,6 Prozent deutlich höher als bei Mädchen, von denen 16,9 Prozent betroffen waren.

„Logopädie kann Kindern helfen, sich besser auszudrücken, selbstbewusster zu werden und Anschluss in der Kita oder Schule zu finden“, sagt Jörg Kock, Serviceregionsleiter der AOK NordWest.

Unterschiedliche Formen von Sprachstörungen

Sprachstörungen können sich in verschiedenen Formen zeigen. Häufig treten Artikulationsstörungen auf, bei denen Laute nicht korrekt gebildet werden. Sind zusätzlich Wortschatz und Satzbau betroffen, kann eine Sprachentwicklungsstörung vorliegen.

Auch Redeflussstörungen spielen eine Rolle. Dazu zählen unter anderem Stottern mit Sprechblockaden oder Wiederholungen sowie sogenanntes Poltern, das sich durch sehr schnelles und undeutliches Sprechen äußert.

Sprachtherapien werden bei Entwicklungsstörungen meist ab einem Alter von vier Jahren verordnet. In Bochum erhielten bereits 9,4 Prozent der vierjährigen Jungen und 4,7 Prozent der gleichaltrigen Mädchen entsprechende Behandlungen.

Im Alter von sechs Jahren ist die Inanspruchnahme am höchsten. Nach dem Schuleintritt nimmt der Anteil der Kinder mit Sprachtherapie wieder ab. „Die Fähigkeit, sich auszudrücken und zu kommunizieren, beeinflusst das Lernen, die Interaktion mit anderen und das Selbstvertrauen eines Kindes“, erklärt Kock.

Prävention gewinnt an Bedeutung

Über die Ursachen des hohen Therapiebedarfs wird seit Jahren diskutiert. Neben möglichen Veränderungen der sprachlichen Fähigkeiten spielen auch gestiegene Anforderungen in Schule und Elternhaus sowie verändertes Diagnoseverhalten eine Rolle.

„Auch wenn Sprachtherapien helfen können, sollten präventive Maßnahmen nicht unterschätzt werden“, betont Kock. Dazu zählen unter anderem gemeinsames Lesen und Vorlesen im Elternhaus sowie sprachfördernde Angebote in Kitas und Schulen.

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