
Angehörige sind oft die wichtigste Stütze für depressiv Erkrankte. Um die Krankheit zu verstehen und sich selbst nicht zu überfordern, bietet der AOK-Familiencoach Depression wertvolle Unterstützung.
Foto: AOK/Colourbox/hfr.
Depressionen betreffen in Bochum tausende Menschen. Ein neues Online-Modul der AOK richtet sich nun speziell an Angehörige rund um die Geburt eines Kindes.
Nach aktuellen Auswertungen der AOK NordWest befanden sich im Jahr 2023 rund 44.000 Bochumerinnen und Bochumer ab zehn Jahren wegen Depressionen in ärztlicher Behandlung. Das entspricht 13,2 Prozent der Bevölkerung. Depressionen zählen damit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können Menschen in jedem Alter treffen. Neben persönlichem Leid entstehen auch gesellschaftliche Folgekosten.
„Depressionen verursachen für die Betroffenen nicht nur persönliches Leid und eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität, sondern auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem und die Wirtschaft“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock. Viele Erkrankte suchten aus Angst vor Stigmatisierung oder beruflichen Nachteilen weiterhin zu selten professionelle Hilfe.
Frühzeitige Diagnose verbessert Heilungschancen
Depressionen äußern sich unterschiedlich. Manche Betroffene ziehen sich stark zurück und verlieren das Interesse an positiven Aktivitäten. Andere reagieren gereizt oder aggressiv. Fachleute betonen, dass eine frühe Diagnose die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung erhöht.
Bereits bei einem Verdacht sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen. Voraussetzung ist eine sorgfältige diagnostische Abklärung. Eine Depression gilt als anerkannte Erkrankung und ist medizinisch behandelbar.
Neues Modul zu peripartalen Depressionen
Der digitale „Familiencoach Depression“ der AOK wurde um ein Modul zu sogenannten peripartalen Depressionen erweitert. Das Online-Angebot richtet sich an Angehörige von Menschen, die während der Schwangerschaft oder nach der Geburt eines Kindes an Depressionen leiden.
Studien zufolge sind etwa zehn bis 15 Prozent der Mütter betroffen, bei Vätern liegt der Anteil bei rund fünf Prozent. Typische Anzeichen können neben allgemeinen Depressionssymptomen auch fehlende Mutter- oder Vatergefühle, Überforderung in der Elternrolle oder ausgeprägte Ängste sein.
Die Beschwerden unterscheiden sich vom sogenannten „Babyblues“, einer meist kurzzeitigen Stimmungsschwankung nach der Geburt. Als Ursachen gelten unter anderem genetische Veranlagung, soziale Belastungen, frühere Traumata, Schlafmangel oder hormonelle Veränderungen.
Unterstützung für Angehörige
Das neue Modul informiert über Symptome und zeigt Strategien für den Umgang im Alltag. Ziel ist es, Angehörige zu stärken, ohne sie zu überfordern. „Angehörige sind oft die wichtigste Stütze für depressiv Erkrankte. Die Belastung kann aber dazu führen, dass sie sich selbst überfordern und sogar erkranken“, so Kock.
Expertinnen wie Elisabeth Schramm vom Universitätsklinikum Freiburg und Anke Rohde vom Universitätsklinikum Bonn geben in Videobeiträgen Einblicke in medizinische Hintergründe und praktische Hilfen. Thematisiert werden unter anderem Schuldgefühle, Konfliktvermeidung und Unterstützungsmöglichkeiten im familiären Umfeld.
Das interaktive Selbsthilfeprogramm ist anonym und kostenfrei zugänglich.
